Alltag bei Big Ed, Sarah & Co.

Review: Twin Peaks S03E13

11.08.17 12:45
Twin Peaks
SPOILER !!

Autor: - 11.08.17
Twin Peaks

Ich glaube, wenn die 18 Folgen von Staffel 3 von „Twin Peaks“ durch sind, werde ich mir die Season noch einmal vornehmen und mir explizit die Szenen ansehen, die mit den alten Figuren von vor 25 Jahren zu tun haben. In den Folgen 12 und 13 sind wir nämlich relativ oft in Twin Peaks, so dass wir die alten Gesichter etwas mehr zu sehen bekommen. Bisher spielten sie, wenn wir ehrlich sind, nämlich keine große Rolle. Ed Hurley zum Beispiel, der in dieser Folge zum ersten Mal auftaucht. Aber dazu später mehr.

Zunächst einmal stehen Charaktere wie Audrey Horne, Shelley Johnson, Bobby Briggs oder Norma Jennings im Mittelpunkt. Bisher waren die meisten alten Charaktere mehr Statisten, sie lieferten den nostalgischen Glanz, den die neue Staffel wohl benötigte, um als „Twin Peaks“ durchzugehen. Denn ansonsten hatte die Staffel oberflächlich gesehen bisher wenig mit der Stadt und den Menschen dort zu tun. Es gibt einen weiteren Kriminalfall, dazu eine Crimestory aus Las Vegas und einige Ereignisse, die offensichtlich mit der Black Lodge zu tun haben.

Überhaupt muss man sagen, dass vor allem verstorbene oder verschollene Charaktere das Geschehen bestimmen. Dale Cooper natürlich, der der Black Lodge entkommt, aber auch noch durch seinen bösen Doppelgänger präsent ist. Dann Agent Phillip Jeffries, der im Twin Peaks-Film einen Kurzauftritt hat, jetzt aber immer häufiger erwähnt wird. Sehen wir am Ende gar noch einen erneuten Auftritt von ihm, was bedeuten würde, dass wir auch David Bowie noch einmal sehen würden? Auszuschließen ist nicht, dass David Lynch mit Bowie Szenen drehte, bevor dieser verstarb. Auch mit der Darstellerin der Log Lady wurden vorab Szenen gedreht, ehe die Schauspielerin Catherine Coulson verstarb. Wir werden sehen.

Jeffries selbst sprach immer wieder von einer Judy, die bislang auch noch nicht aufgetaucht ist. Wird sie am Ende auftauchen und zum Beispiel von Monica Bellucci gespielt, die ja als Schauspielerin angekündigt wurde, bislang aber nicht in Erscheinung trat? Dann werden immer wieder Richard und Linda erwähnt – auch sie kennen wir bislang nicht wirklich (wobei Richard der Sohn von Audrey Horne sein müsste). Und eigentlich ist da auch noch Sheriff Harry S. Truman, der bislang nur per Telefon auftauchte. Wird er auch noch einmal eine bedeutendere Rolle bekommen? Alles große Geheimnisse, die eigentlich in den letzten 5 Folgen noch gelüftet werden müssten – wenig Zeit, finde ich.

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In der aktuellen Folge dreht sich wenigstens vieles wieder einmal um den bösen Mr. C. So langsam gefällt mir die Charakterbildung dieser Figur – vor allem in der aktuellen Szenerie wo er wohl auch kurz davor steht, seinen Sohn Richard zu treffen (wenn wir davon ausgehen, dass Richard der Sohn von Audrey und dem bösen Mr. C ist). Sein Vorgehen in der Gang ist ganz cool umgesetzt, alles insgesamt überzeugender als der Dougie-Part des verwirrten, debilen Agent Cooper. Dessen Story nimmt leider ach wieder sehr viel Raum ein, was die Freude an der Folge etwas minderte.

Das Highlight spart sich David Lynch dann für das Ende auf – es ist wieder das Roadhouse, wo dieses Mal keine klassische Band auftritt, sondern der altbekannte Charakter James Hurley, der einen Song aus der Original-Serie noch einmal performt. Über die Qualität kann man fast keiner geteilten Meinung sein, aber trotzdem ist es eine nette Reminiszenz an früher. Dann Sarah Palmer, die vor einem Tisch voller Spirituosen sitzt und sich ungerührt immer den gleichen Boxkampf in Schwarzweiß ansieht. Und dann kommt ganz zum Schluss Big Ed, der in seiner abgedunkelten gas Station sitzt und eine Suppe aus einem Becher des Double R löffelt, jenem Laden, der seiner großen Liebe Norma gehört – DIE tragische Beziehung der ganzen Serie, wie ich finde. Er sitzt ganz ruhig da, blickt raus auf die Landstraße, in einem Büro, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Nur an Big Ed ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen, wie auch an den anderen Charakteren aus der guten alten Zeit. Das wird einem in diesem Moment deutlich. Es ist der triste Alltag in einer Kleinstadt im Nordwesten der USA, ohne große Aufreger, ohne viel Licht, aber mit viel Schatten. Ein großer Moment der Staffel.

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