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Der Unglücksrabe

Review: Wonder Man – Staffel 1

30. Januar 2026, 17:50 Uhr

Marvel mal anders: „Wonder Man“ erzählt keine Geschichte über die Rettung der Welt, sondern über einen Mann, der verzweifelt versucht, in Hollywood endlich ernst genommen zu werden. Superkräfte sind hier kein Geschenk, sondern ein Problem. Und genau daraus bezieht die Serie ihre ungewöhnliche Stärke.

Wonder-Man-Titelbild

Gerade noch steht Simon Williams (gespielt von Yahya Abdul-Mateen II) am Set von „American Horror Story“, im nächsten Moment wird seine ohnehin kleine Rolle gestrichen. Als wäre das nicht genug, trennt sich auch noch seine Freundin von ihm. Am Tiefpunkt landet Simon im Kino und trifft dort auf Trevor Slattery (Ben Kingsley), jenen gescheiterten Schauspieler, der einst als falscher Mandarin in „Iron Man 3“ berühmt-berüchtigt wurde. Trevor erzählt ihm von einem Casting für eine Superheldenverfilmung namens „Wonder Man“. Für Simon klingt das wie die Chance seines Lebens. Was er nicht ahnt: Trevor arbeitet inzwischen für Damage Control und soll Simon im Auftrag der Behörden beobachten. Denn Simon besitzt Kräfte, die er seit seiner Kindheit verbirgt und Menschen mit Superkräften sind in Hollywood unerwünscht.

Wonder-Man-Trevor-Simon

Unter dem Label „Marvel Spotlight“ will Marvel Studio Geschichten erzählen, die weitgehend losgelöst vom großen MCU funktionieren. Nach „Werewolf by Night“ und „Echo“ reiht sich nun auch „Wonder Man“ in die Aufzählung ein. Abgesehen von der Figur Trevor Slattery sind keine Vorkenntnisse erforderlich, und selbst die wenigen MCU-Verweise – wie „Rogers: The Musical“-Plakate und ein Vision-Bild im Hintergrund – bleiben beiläufig. Die Serie könnte problemlos auch in unserer Realität spielen. Das ist wohltuend in einem Franchise, das sich zuletzt oft in Multiversen und Zeitreisen verheddert hat. „Wonder Man“ ist kein Action-Feuerwerk. Wer klassische Marvel-Kost erwartet, wird hier enttäuscht. Stattdessen bekommt man ein melancholisches, stellenweise absurd-komisches Hollywood-Drama, das sich mehr für innere Gefühlswelten als für äußere Bedrohungen interessiert. Simon will keinen Schurken besiegen, er will eine Rolle bekommen. Sein Ehrgeiz hat Freundschaften und Beziehungen zerstört, und erst langsam begreift er, dass er als Schauspieler nur wachsen kann, wenn er sich auch emotional öffnet. Seine Kräfte sind dabei keine Hilfe – im Gegenteil. Yahya Abdul-Mateen II (der bereits in „Aquaman“ als Schurke Superheldenluft schnuppern durfte) spielt Simon als verletzlichen, oft in sich gekehrten Mann, der sich selbst im Weg steht. Das ist oft leise und unspektakulär, aber vielleicht genau deshalb so effektiv. Nicht ganz zufällig zeigen sich Parallelen zum Drama „Asphalt-Cowboy“ aus dem Jahr 1969 mit Dustin Hoffman und Jon Voight in den Hauptrollen. In dem Film, den Simon und Trevor im Kino sehen, findet ein Träumer in einer gnadenlosen Stadt einen ungewöhnlichen Freund. Die Beziehung zwischen Simon und Trevor bildet das emotionale Zentrum der Serie. Dabei liefert Ben Kingsley eine seiner besten Darbietungen ab. Trevor, der durch Alkohol und eine absurde Terroristenkarriere am Boden war, steht am entgegengesetzten Ende von Simons Schauspielerbiografie. Zwischen beiden entwickelt sich eine großartige Dynamik: ein ungleiches Duo, das sich gegenseitig spiegelt und ergänzt. Und gerade wenn Trevor zwischen echter Zuneigung und seinem Auftrag schwankt, erhält die Serie eine unerwartete emotionale Tiefe. Auch stilistisch wagt „Wonder Man“ mehr als man es von Marvel gewohnt ist. Der Vorspann mit eingeblendeter Copyright-Tafel erinnert an 70er-Jahre-Komödien, andere Episoden fühlen sich wie 90er-Indiefilme à la „Swingers“ an. Besonders hervorzuheben ist die vierte Folge („Doorman“). In Schwarz-Weiß wird die tragische Geschichte von DeMarr Davis (Byron Bowers) alias Doorman erzählt, dessen Fähigkeit, Menschen durch sich hindurchgleiten zu lassen, ihn zunächst zum gefragten Schauspieler macht, bevor ein Unfall zu einem Hollywood-weiten Bann für Menschen mit Superkräften führt. Dieser Einschub wirkt fast wie eine eigenständige „Atlanta“-Episode und gehört zu den kreativsten Momenten der Staffel. Nicht alles trifft aber immer ins Schwarze. Der Humor driftet gelegentlich ins Alberne ab, etwa bei einem Ausflug zu einem Süßigkeitenhersteller oder beim Proben in der Wohnung des exzentrischen Starregisseurs Von Kovak (Zlatko Buric). Und auch wenn die Marvel-Serie erfrischend anders ist, wird es nie zur ganz großen Satire auf das Superheldengenre. Dafür bleibt die Geschichte dann doch zu harmlos. Doch vielleicht ist genau das ihre größte Qualität. Wird es ein Wiedersehen mit Simon Williams geben? Das wäre wünschenswert, denn „Wonder Man“ ist genau das, was Marvel braucht: neue, mutige und charaktergetriebene Storys.

Fazit

„Wonder Man“ ist kein lautes Marvel-Event, sondern eine leise, überraschend menschliche Serie über Träume und Selbstzweifel, die (fast) ohne Superkräfte auskommt und gerade deshalb so besonders ist.

Bilder: Disney

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Freitag, 30. Januar 2026, 17:50 Uhr
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