Guilty Pleasure

Review: „Bridgerton“ – Staffel 1

Mini-Spoiler
Susanne
30.01.21

Nachdem die erste Folge mich direkt eingefangen hat, habe ich den Rest der Serie auch durchgesuchtet. Die Serie um die Familie Bridgerton, die sich in der High Society des 19. Jahrhunderts bewegen, ist farbenfroh, nimmt sich selbst nicht allzu ernst und schafft trotzdem eine ergreifende Geschichte, um das „Paar wider Willen“ Daphne und Simon. Doch auch die Nebenhandlungsstränge sind interessant und bringen auf ihre ganz eigene Art und Weise die Story voran. Ja, es ist einfach stimmig insgesamt. Und wenn man dann noch auf die Musik achtet…. Historisch korrekt? Auf keinen Fall! Hinreissend und einfach schön? Unbedingt! Besonders geeignet für Menschlein, denen „Outlander“ zu krass ist, aber „Downton Abbey“ zu spröde.

Die Handlung

Es ist Hochsaison der Reichen und Schönen in London. Alle Eltern versuchen ihre ältesten Töchter gewinnbringend unter die Haube zu bringen. Sie werden der feinen Gesellschaft vorgestellt, allen voran der Queen Charlotte. Die älteste Tochter der Familie Bridgerton ist die anmutige Daphne und sie ist zwar aufgeregt, nimmt aber voller Zuversicht und Herz an den ganzen Veranstaltungen für die Debütantinnen teil. Die britische Monarchie ist beeindruckt von ihr, dennoch wird sie aber durch widrige Umstände davon abgehalten, einen achtbaren Ehemann zu finden. Ein ganz anderes Problem hat der Duke von Hastings Simon Basset. Er ist jung, gut aussehend, reich, hat Einfluss und ist vor allem unverheiratet. Das macht ihn zum Objekt der Begierde aller heiratswütigen jungen Damen und vor allem deren Müttern. Außer Daphne. Die hält ihn für unverschämt, arrogant und überhaupt ungeeignet zum Heiraten. Als Freund ihres Bruders steht er für sie sowieso völlig außer Frage. Simon ist die Aufmerksamkeit der jungen (und alten) Damen unangenehm und er betont mehr als einmal, dass er nicht vorhat irgendwen, irgenwann, überhaupt jemals heiraten zu wollen. Das macht die beiden aber zu den perfekten Komplizen und so schmieden sie einen gemeinsamen Plan, um ihre Probleme mit einem Schlag zu lösen. Er will seine Ruhe und sie einen respektablen Ehemann. Sie schaffen es sogar die tratschfreudige Lady Whistledown zu täuschen, die bis kurz vorm Ende unerkannt bleibt und sich nur durch ihr gedrucktes Blättchen zeigt. Und natürlich ahnt man es schon: Es kommt alles ganz anders. Und dann hat Simon auch noch dieses dunkle Geheimnis. Am Ende, so viel sei verraten, wird aber alles gut. Es wird nicht nur ein Happy End, sondern ein Happy happy End!

Wem das alles zu platt erscheint, dem sei gesagt, dass sich die anderen Folgen von der ersten durchaus unterscheiden. Nicht nur, dass „Bridgerton“ beweist, dass es auch anders als bonbonbunt kann, sondern jeder Nebencharakter hat einen eigenen Handlungsstrang mit tiefen Gefühlen und überraschenden Wendungen. Doch sie zwirbeln die Geschichte um Simon und Daphne nicht auf, sondern sind auch zielführend. Alles in allem entsteht so eine dichte Welt, die einen gut unterhält. Zumal die Nebengeschichten natürlich höchst skandalös und auch tragisch sind. Sei es eine Affaire, eine geheime Schwangerschaft, Betrug oder Tod. Und Lady Whistledown hat ihre Nase überall drin und posaunt es schamlos und ein bißchen hinterlistig in die Welt hinaus. Doch sie ist nicht nur die allwissende Stimme aus dem Off. (Die Stimme ist im Original übrigens Julie Andrews (Mary Poppins)). Unsere Protagonisten wissen sich auch zu wehren. Und nicht nur Simon und Daphne nutzen die Schwatzhaftigkeit der guten Frau zu ihren Gunsten aus.

Liebenswert

Was an der Serie auch ganz reizvoll ist: es gibt nicht „den/die Böse(n)“. Sondern es sind Menschen, die sich zu ihren Gunsten verhalten. Manchmal bewusst oder unbewusst zum Nachteil anderer. So ist der adrette Prinz Friedrich von Preussen eigentlich kein Rivale von Simon, sondern ein glühender Verehrer von Daphne.

Dieser ist ganz und gar nicht durchtrieben, sondern er scheint Simon gar nicht wahrzunehmen. Und so ist man sich letztendlich nicht sicher, ob Daphne nicht auch mit dem Prinzen glücklich geworden wäre, einfach weil er charmant war und kein dümmliches Abziehbild. Und so hat man das mit vielen Verläufen. Es ist nicht in Gut und Böse aufgeteilt. Ja, es gibt Stereotypen, aber selbst die haben eigenständige Charaktere.

Was man nicht sofort sieht

Die Queen ist ein gutes Beispiel für die Hintergründigkeit der Charaktere. Sie wirkt nach außen wie eine ständig gelangweilte Herrscherin, aber die Liebe zu ihrem Mann König George III. und die Verzweiflung über seinen dementen Zustand, gibt ihr einen unerwarteten Background. Auch Daphnes Schwester Eloise ist eher an einem Klischee angelehnt. Die klassische Verweigerin der Standesnormen, die Freiheitsliebende, die Unabhängige. Aber wenn es um Freundschaften geht oder ihre Angst vor Schwangerschaften, zeigt sich eine ganz andere Seite.

Was klingt denn da?

Das war etwas, womit man vielleicht nicht sofort rechnet. Die Damen und Herren sind auf einem edlen Ball, alles vornehm, fein und dann erklingen die Violinen…. Doch was ist das? Selbst wenn man kein Liebhaber der klassischen Musik ist, so kommen einem einige Stücke doch sehr bekannt vor. Auch im weiteren Soundtrack der Serie. Und das ist auch so gewollt, denn wenn man genau hinhört, erkennt man z.B. Maroon 5, Taylor Swift, Ariana Grande und viele mehr. Man muss kein großer Fan von diesen Künstlern sein, denn es macht schlichtweg Spaß diese moderne Musik neu zu entdecken. Absolut hörenswert!

Lesbar

Wer von der Serie nicht genug bekommen kann oder einen Ausblick auf die Zukunft der Serie haben möchte, könnte sich mal an den Büchern von der Autorin Julia Quinn versuchen. Dem aufmerksamen Zuschauer ist mit Sicherheit nicht entgangen, dass die Kinder aus dem Hause Bridgerton ihre Vornamen dem ABC folgend haben. Das ‚D‘, wie Daphne, war Staffel 1, bleiben also mindestens noch sieben übrig: Anthony, Benedict, Colin, Eloise, Francesca, Gregory und Hyacinth. Und genauso ist auch die Buchreihe aufgebaut. Es erwartet uns also noch einiges.

Fazit

Was ich bei „Reign“ ganz furchtbar fand, funktioniert bei „Bridgerton“. Moderne Elemente, Musik und Mode, fügen sich hier einfach ganz geschmeidig ein. Es wirkt nicht aufgesetzt oder krampfhaft, sondern ist einfach ein Teil der dargestellten Welt.

Diese Wohlfühlserie kommt zu einer Zeit, in der die Menschen einfach mal nett, aber nicht zu platt unterhalten werden wollen. Hat geklappt! Danke!

Bilder: Netflix

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