Das Ende vom Ende der Welt

Review: Z Nation – Staffel 5

SPOILER !!
Maik
29.12.18

Es ist vorbei. In der Nacht zum heutigen Samstag (es ist doch Samstag, oder? Diese Feiertage bringen einen ganz durcheinander…) lief in den Staaten mit S05E13 „The End of Everything“ die allerletzte Folge „Z Nation“. Mit der fünften Staffel hat die trashige Untoten-Serie, die das „Z“-Wort auch in den Mund zu nehmen wagt, ihren Abschluss gefunden. Hat sie das?! Naja, so halbwegs. Fest steht, dass das Serienfinale nach Cancellung durch Heimatsender Syfy mich dazu gebracht hat, dieses Staffelreview zu schreiben, nachdem ich bei Staffel 4 zu wenig Anlass dazu gesehen hatte.

„Sweetie, we did not last that long by sticking to the plan.“ (Murphy)

Im Schnitt nicht einmal mehr eine halbe Million Zuschauer konnten die Episoden der Staffel erreichen. Die Serie hat sich totgesendet, wenn man so möchte. Die ganze Storyline um „Black Rainbow“ in Staffel 4 war schon nicht so meines, dieses Mal war das Setting eigentlich ganz nett. Zeitsprung, alle finden wieder zusammen, sprechende Zombies, die passenderweise zur Serie „The Walking Dead“ und aktuellen Entwicklungen dort „Talker“ genannt werden und so ganz nebenbei ein gewaltiges Potenzial für Gesellschaftskritik eröffnen. Mehr-Klassen-System, Diskriminierung, Demokratie, Politik – das wurde in Ansätzen sogar ganz gut ausgenutzt, fühlte sich insgesamt aber zu zaghaft und gleichsam schwerfällig an. Schade. Gerade mit der neu eingeführten Figur von George war eine interessante Fassette hinzugekommen, auch wenn ich doof finde, dass gefühlt für jede starke Frauenrolle eine bisherige weichen muss. Sei es durch den Tod (RIP, Sgt. Lilly) oder mehr als dämliche Inaktivitäts-Verschreibung (Red – wieso macht die so gut wie gar nichts mehr!?).

Insgesamt gibt es deutlich weniger Einzelfolgen-Experimente, was zwar die Gefahr von Totalausfällen minimiert und zu mehr Haftung in der Handlung führt, aber nicht immer hat der Versuch einer zusammenhängenden Story wirklich gut getan. Vor allem das Bösewicht-Setting ist schlicht zu vorhersehbar und irgendwie auch unsinnig bis harmlos inszeniert. Allgemein gab es zu viele Situationen, die halbgar und billig umgesetzt worden sind, von Animationen und Kämpfen mal ganz zu schweigen (da weiß man erstmal, was man an „Daredevil“ hat(te)…).

Pandora (Lydia Hearst) hatte zumindest etwas Faszinierendes an sich (und diese Taille!), konnte ihre Stärken aber auch erst in den letzten paar Folgen ausspielen, bis wohin sie streng genommen schon x-fach hätte draufgehen müssen und dass sie Schlimmes im Schilde führt, wusste man nach der ersten Szene mit ihr. Und immerhin durften wir am Ende nicht nur eine nette Alternativ-Maske von ihr, sondern auch mal „drunter“ sehen. Schick!

„The cycle of death can end now!“ – „You say that like it‘s a good thing…“ (George & Pandora)

Und sonst so? Der Style des roten Murphys ist nochmal eine Schippe cooler, allgemein wirkt er aber eher wie der Sprücheklopfer vom Dienst, was zwar unterhaltsam ist, seine „blaue Phase“ gefiel mir inhaltlich jedoch besser. Aber diese Hautton-Bart-Kombi hat was! Schade, dass wir nicht mitbekommen, wie er alle Farben einmal durchspielt.

Und das große übergreifende „10K“-Ziel? Ob es erreicht wurde, wissen wir nicht, vermutlich aber nicht. Dabei haben die Macher sogar einen Gag draus gemacht und die erste Silbe bei seiner letzten Statusmeldung („…thousand ninehundred ninety-nine“) stumm geschaltet. Soll da nur noch einer fehlen? Oder ist er eh schon drüber? Soll das ein ein kleiner Seitenhieb auf die Unvollständigkeit der Serie sein?

Denn auch wenn man noch versucht, ein paar lose Enden zusammen zu binden (plötzlich gibt es ein Heilmittel! Warren war eine ganze Weile bereits so etwas wie tot!!), bleibt es bei einem offenen Ende. Murphy hat Sun Meys Eingebung gefuttert und verschafft sich in Gedanken bereits einen Vorteil dadurch. Doch welchen nur? Verkauft er sein Wissen bzw. die Heilung in horrend hohen Kosten, um sich Reichtum oder ein neuerliches Untertanenreich aufzubauen? Oder freut er sich nur diebisch, weil die Menschheit endlich gerettet ist und alles gut wird? Wir werden es vermutlich nie erfahren…

Im Nachgang wundere ich mich, dass ich der doch recht unterhaltsamen Staffel 3 nur 2,5 und nicht zumindest 3 Kronen gegeben habe. Vermutlich verkläre ich da aber auch eine Menge. Denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass Staffel 5 schlechter ist, kann es aber so nicht ganz in Kronen ausdrücken. Daher gibt es hier fies aussehende zwei, aber ich muss irgendwie ja auch Relationen wahren (und habe mir vorgenommen, breiter in der Bewertung zu werden – aber eigentlich auch unkritischer, sei’s drum).

So toll so ein kleiner Denkanstoß in Form eines mehr oder weniger offen gestaltenden Endes für den Sender ist („Wir hätten ja noch sooo viel mehr machen können!“), so ungerecht empfinde ich das immer den Zuschauern gegenüber. Aber die Produzenten konnten gar nichts mehr wirklich machen. Vielleicht noch ein bisschen was im Schnitt und eben so etwas wie den lautlosen Tausender von 10K, aber die Absetzung erfolgte erst am 22. Dezember diesen Jahres, also nicht mal eine Woche vor dem ungeplanten Serienfinale. Da kann man wenig vorwerfen, dass es sich unrund anfühlt.

Aber insgesamt ist es vielleicht nicht das Schlechteste, dass „Z Nation“ „Mercy“ erhalten hat. So trashig die Serie auch war, hatte sie durchaus starke Phasen, tolle Folgen und vor allem super Figuren. Klar war vieles unsinnig und simpel und vorhersehbar. Aber zwischenzeitlich haben sich „The Walking Dead“ und „Fear The Walking Dead“ nicht wirklich mit Ruhm bekleckert, da hat es teils mehr Spaß gemacht, einen hirnlosen Ausflug in die Syfy-Kirmesveranstaltung zu machen. Von daher werde ich diese Note schon irgendwie vermissen. Aber hinten raus hat merklich die Frische gefehlt, von daher – passt schon.

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