Spoilerfreies Review zur Staffel

Serien-Tipp: Fargo

04.07.14 08:50
FargoReview
Mini-Spoiler
Maik
04.07.14

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Ich ärgere mich. Ganz doll. Leider haben wir hier aus Zeitgründen die ersten Folgen Fargo verpasst, dabei hätten die sich wunderbar für wöchentliche Reviews angeboten. Aber sei’s drum. Ich habe die jüngst beendete erste Staffel der Serie binnen einer Woche verschlungen. Und spreche euch hiermit eine einwandfreie Empfehlung aus sowie ein Review ohne Spoiler.

Zehn Folgen von Fargo liefen von April bis Juni auf dem US-Sender FX. Die Besetzung kann sich sehen lassen: bekannte Gesichter wie Billy Bob Thornton, Martin Freeman, Colin Hanks oder Bob Odernkirk sind in tragenden Rollen zu sehen. Aber auch der restliche Cast ist sehr gut ausgewählt. Sehr stark sind vor allem die Darbietungen von Thornton und Freeman. Letzter spielt Lester Nygaard, einen zurückhaltenden Versicherungsvertreter, der seit der High School irgendwie stecken geblieben ist. Thornton dagegen spielt den abgebrühten Hitman Lorne Malvo, der aufgrund hoher Umsicht und Cleverness scheinbar mit allem davon kommt.

Alles spielt im kalten Norden. Im beschaulichen Bemidji passiert normal nicht allzu viel und die Polizei ist eher mal mit wetterbedingten Sicherheitsvorbereitungen als mit Großkriminalität beschäftigt. Doch plötzlich geschehen Morde und alle sind sichtlich überfordert. Es ergibt sich ein kurioses und verworrenes Drama, in dem scheinbar nur Police Detective Molly Solverson den Durchblick behält. Doch niemand glaubt ihr.

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Das soll es soweit zur Grundgeschichte sein, mehr möchte ich nicht vorweg nehmen. Die Serie macht stark, dass in jeder Folge etwas passiert. Nichts mit langer Charaktereinführung, ab Folge 1 ist die Grundkonstellation klar. Aber dann reiten sich alle nur noch weiter rein. Dennoch bieten sich allerlei smarte Wendungen und Verbindungen, die die Story gekonnt auf die Serienlänge strecken. Alles wirkt aber stets durchdacht und in sich schlüssig.

Kurios ist vielleicht die Besetzung des Komimker-Duos Key & Peele als FBI-Agents. Die wirken doch arg wie eine Kopie der beiden befragenden Agents aus True Detective. Da beides aber zu einer ähnlichen Zeit gedreht wurde, dürfte es sich um einen Zufall handeln. Die beiden nehmen jedenfalls durch ihre Art etwas die Schwere von der Geschichte. Und das ist allgemein eine der großen Pluspunkte Fargos. Auf dem Papier ist das ein sehr herunterziehendes Drama. Die Dinge, die passieren, sind nichts für Leute, die keine Gewalt und kein Blut sehen können. Es ist kein Gore, aber sagen wir mal auf Breaking Bad-Niveau. Aber die teils wunderbar plump (aber liebevoll!) gezeichneten Charaktere sowie die geschriebenen Dialoge sind teils so wunderbar grotesk und sarkastisch, dass es insgesamt sehr aufgelockert wirkt.

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Das liegt auch am an sich ruhigen Erzähltempo der Serie. Es wird selten hektisch oder actionreich. Vielmehr wird in Ruhe Spannung aufgebaut und die Geschehnisse an sich erzählt. Weiterer Pluspunkt: der Stil der Serie. Auch wenn das Überkünstlerische natürlich nicht omnipräsent ist, sind einige Passagen sehr schön anzuschauen und allgemein ist die Bildsprache von hoher Qualität. Passend zu den tollen Vorab-Teasern, die zwar auf ihre Weise Dinge aus der Serie aufnehmen, aber nicht plump Szenen verschneiden, sondern exklusives Material geboten haben.

Meine Meinung:

Alles in allem eine absolute Empfehlung! Es ist anders als True Detective, vielleicht nicht so episch, aber dafür unterhaltsamer, kurzweiliger, weniger bedrückend. Letztlich so wunderbar überzogen, dass man es schon gar nicht mehr ernst nehmen kann, alles wirkt so weit weg, eher wie eine Werbung für ein strafferes US-Waffengesetz. Dazu die grandiose schauspielerische Leistung, trotz des kurzen Zeitraums glaubwürdige Charakterentwicklungen, ein gutes (wenn auch nicht episches) Finale und schlichtweg einfach eine hohe Qualität in Plot und Aufmachung.

Noch ist nicht klar, ob es bei der Konzeptstaffel in Anlehnung an den Film bleibt oder eine zweite folgt. Wenn dem so ist, wird sie mit komplett anderen Charakteren und vermutlich in einer anderen Zeit spielen. Ich hätte aber nichts gegen eine weitere Umsetzung in dieser Art einzuwenden. Apropos Film: ich weiß nicht einmal, ob ich den 1996er Spielfilm der Coen-Brüder je ganz gesehen habe. Jedenfalls gibt es wohl ein paar kleine Querverbindungen von der Serie zum Film. Also Augen offenhalten!

Okay, einen muss ich dann doch bringen, der INDIREKT SPOILERN könnte, wenn man die erste Staffel noch nicht ganz gesehen hat:

Wait for it…

Oh mein Gott, sie haben Kenny getötet! :)

Alle, die die Staffel gesehen haben, wissen hoffentlich, was ich meine. Und diese Zeilen schreibe ich jetzt eigentlich nur, damit nicht jemand aus Versehen nur die letzte mit dem Smiley liest und das im Hinterkopf behält beim Schauen. So, Schluss jetzt. *Aces*

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