Sons of Anarchy in den Wäldern der Appalachen

Seriencamp: Outsiders S01E01E02 – Farrell Wine / Doomsayer

SPOILER !!
Tobias
08.11.16

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Jetzt ist es doch schon wieder eine Weile her, als der Letzte von uns entweder mit der Deutschen Bahn, einem Bus oder mit einem Flugzeug München und das SERIENCAMP verlassen hat. „A weng schee wars scho“ wie man in meiner fränkischen Wahlheimat sagen würde. Denn auch bei den Screenings hatten die Verantwortlichen des SERIENCAMP wieder einiges zu bieten. Und darin wird es nun in einer losen Beitragsreihe zu den Screenings beim SERIENCAMP gehen. Am Ende dürften wir dann einige interessante Reviews und Meinungsbeiträge zu den Screenings beisammen haben, Screenings von Serien, die mitunter irgendwann einmal im deutschen Fernsehen laufen könnten. Oder auch nicht, wenn ich an die israelische Serie „Kill Grandma“ denke, aber dazu in einem anderen Review mehr.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürfte aber die WGN America Serie „Outsiders“ ihren Weg ins Deutsche Fernsehen finden. Und man sollte dann auch unbedingt einen Blick in die Serie werfen, die macht nämlich großen Spaß. Wer Serien wie „Sons of Anarchy“ oder „Justified“ mag, der wird hier eine erste Staffel mit 12 unterhaltsamen Episoden vorfinden, die einem die Zeit versüßen dürfte.

Handlung

Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Mountain People Clan, der sich um die Familie Farell gebildet hat und das schon vor rund 200 Jahren. Sie wohnen hoch oben in den Bergen und Wäldern oberhalb einer Kleinstadt, die auch schon mal bessere Zeiten gesehen hat. Die Farells bleiben normalerweise unter sich und scheuen den Kontakt zur Außenwelt. Sie befolgen eigene Regeln und leben als Gemeinschaft unter der Führung einer oder eines Bren’in, dem auserwählten Anführer des Clans.

Zum Zeitpunkt als die Serie die Scheinwerfer auf die Farells richtet, wird der Clan von Lady Ray Farrell geführt, der Mutter von Big Foster“ Farrell VI, dem designierten Nachfolger und geachtetsten Mann im Clan. Normalerweise geht das Leben des Clans in geordneten Bahnen vonstatten. Aber die Serie würde nicht einen Blick in die Appalachen werfen, gäbe es nicht Veränderungen.

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Zum Einen hätten wir Asa Farell, einem Cousin Big Fosters, der sich nach zehn Jahren in der Außenwelt wieder dem Clan anschließen möchte, da ihm die Außenwelt nicht das bieten konnte, was er sich erhofft hatte bzw. die mystischen Warnungen der Alten und Weisen gegenüber einem Leben in der Außenwelt sich bei Asa durchaus bewahrheitet zu haben scheinen. Als Strafe für seinen damaligen Verrat am Clan sitzt Asa seit nunmehr sechs Monaten in einem Käfig und wartet auf den Tag seiner Wiederaufnahme in den Clan. Und dieser Tag rückt näher, denn eine große Bedrohung braut sich am Fuße des Berges zusammen.

Denn ein Kohle-Konzern hat die Schürfrechte am Berg erworben und möchte nun nicht nur den Berg und seine Ressourcen ausbeuten, nein, sie wollen gleich die gesamte Bergkuppe sprengen, um besser an die reichhalten Gesteinsvorkommen zu gelangen. Diesem Vorhaben stehen die Farrells und ihre Siedlung natürlich im Wege. Sie müssen weg. Und der Konzern gibt klar zu verstehen, dass die Arbeiten erst dann beginnen werden – und man damit verbunden die dringend benötigten Arbeitsplätze anbieten kann – wenn die Farells vom Berg vertrieben sind.

So wird die Stadtbevölkerung mobilisiert und aufgestachelt wobei es nicht wenige Anwohner gibt, die meinen, dass die Farells schon immer auf dem Berg gelebt hätten und ein höheres Anrecht hätten, sich dort aufzuhalten als die Rechte des Konzerns. Es geht also ein Schnitt durch die Bevölkerung.

Und genau dazwischen befindet sich Deputy Sheriff Wade Houghton, der die staatliche Räumungsanweisung durchsetzen muss. Er selbst hat eine klare Meinung zu den Farells, er hat Angst, er will mit diesen Leuten nichts zu tun haben, denn er weiß, was passieren kann, wenn man versucht, sie vom Berg zu vertreiben. Es gab nämlich schon mal vor Jahren den Versuch, dabei kamen zwei Farells (u.a. der Vater von Big Foster und damaliger Bren´in) ums Leben und der Manager der örtlichen Kohlefirma, Wades Vater. Dieses Erlebnis und der spätere Verlust seiner Frau führte bei Wade zum Alkoholismus und zu einer Tablettensucht, mit der er ebenfalls zu kämpfen hat.

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Auf der Seite der Farells kommt nun Asa mehr und mehr ins Spiel, da er Erfahrungen in der Außenwelt sammeln konnte, lesen und schreiben gelernt hat und von Lady Ray Farrell als derjenige angesehen wird, den eine alte mystische Sage vorhergesagt hat, die Farrells vor der endgültigen Vernichtung zu retten. Die Freilassung Asas und die wiedererlangten Freiheiten stoßen aber nicht nur bei Big Foster auf Widerstand, der seinem Cousin einfach nicht verzeihen will, aber im Laufe der Folgen anerkennen muss, dass wahrscheinlich niemand bei den Farrells das Vorgehen der Firma besser einschätzen kann als Asa.

Die Farrells beginnen sich zu organisieren und versuchen mit kleineren Guerillaaktionen dem Konzern zu schaden und deren Arbeiten zu sabotieren. Aber auch der Konzern und diverse Gruppen in der Stadt rüsten auf. Die Gewaltspirale hat begonnen, die ersten Verletzten und Toten sind nur eine Frage der Zeit.

Meinung

„Outsiders“ ist mein „Jordskott“ in diesem Jahr. Ganz klar. Die Serie, die ich auch nach dem SERIENCAMP weitergeschaut habe bzw. immer noch weiterschaue – bin kurz vom Staffelende – da ich wissen möchte, wie es weitergeht.

Die Serie hat zwar nicht diese mystische Zugkraft von „Jordskott“ und die dramatische Story, sie überzeugt eher durch das ungewöhnliche Setting, den interessanten und authentischen Charakteren und dem Grundansatz, den die Serie thematisiert, der absoluten Freiheit von staatlichen Zwängen und Pflichten, mit der man sich bestimmt gut identifizieren kann. Dass diese Grundsatzentscheidung in der heutigen Zeit aber an Grenzen stößt, zeigt die Serie. Aber der grds. Wille, so zu leben, dürfte für die meisten von uns nachvollziehbar sein.

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Ganz interessant fand ich meine persönliche Veränderung der Sichtweise. Am Anfang steht man den Farrells eher kritisch und argwöhnisch gegenüber. Wie auch sonst, da sie als Rabauken und Kriminelle in die Serie eingeführt werden, die einfach mal so ins Dörfchen fahren, den Supermarkt stürmen und ausrauben. Aber mit der Zeit ändert sich dieses Bild. Man lernt ihren Zusammenhalt kennen, ihre Naturliebe, ihre altertümlichen Rituale und den eigentlichen Wunsch, nichts oder nicht viel mit der „Welt da draußen“ zu tun haben zu wollen. Ziemlich schnell kristallisiert sich auch für den Zuschauer die „Welt da draußen“ als eigentlicher Antagonist der Serie heraus. Insbesondere in Person von Haylie, der Managerin des Kohlekonzerns, wobei für mich der Konzern stellvertretend für das ausbeuterische System insbesondere des US Kapitalismus steht und wie wir Menschen den Planeten für unsere Interessen plündern. Und die Farrells stehen für die Minderheit, das kleine indigene Volk etc. welches überall auf der Welt seinen angestammten Platz räumen muss, nur damit wir unseren Lebensstandard im „Westen“ halten können.

Aber auch ohne diese Metaebene, die ich in der Serie sehe, macht sie großen Spaß. Im Grunde genommen verfolgt man eine erwachsene Bande an Kindern, die immer noch im Wald verstecken spielen, Kleidung aus Bärenfellen tragen und aus ihrer Mitte ihren Häuptling „wählen“, dabei wilde Tänze aufführen und eine Geheimsprache pflegen. Bei den Farrells kommt dann eigentlich nur der Alkohol dazu und die etwas andere Motorisierung. Fertig ist die Unterhaltungsserie für Erwachsene.

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Zugegeben, die Dialoge sind jetzt nicht unbedingt wie von Zauberhand geschrieben aber die schauspielerische Performance des Ensembles ist okay, nichts, was man mit Emmys und Co auszeichnen müsste auch wenn die Hauptfiguren wie ein David Morse (Treme, True Detective) als Big Foster“ Farrell, ein Ryan Hurst (Sons of Anarchy) als sein ältester Sohn Lil Foster Farell, Gillian Alexy (McLeods Töchter, Damages) als G’Winveer Farrell und natürlich ein Joe Anderson (Hannibal) als Asa Farrell ein ganz klein wenig herausstechen. Wen man dahingehend aber wirklich erwähnen sollte ist Thomas M. Wright (Top of the Lake) als Deputy Sheriff Wade Houghton, der seine Rolle wirklich klasse umsetzen konnte, er lebt seine Figur, er spielt sie nicht nur.

Auszeichnungen könnten da schon eher die Kameraarbeit, Setting und die Außenaufnahmen nach sich ziehen, ich mag diese westernhafte lone rider Atmosphäre der Serie. Und es passt für sich gesehen alles zusammen. Charakterdarsteller wie Anthony Hopkins oder James Spader wären in meinen Augen hier fehl am Platze. Die Serie benötigt Ecken und Kanten. Und die hat sie.

Selbst die obligatorische Dreiecksbeziehung in einer solchen Serie, Asa-G`Winveer-Lil Foster (Asa und G`Winveer waren vor seinem Verrat ein Paar) bzw. die Geschichte zwischen Hasil Farrell und einem Mädchen aus der Stadt, Sally-Ann, passen in die Story, lenken nicht ab und sind auch nicht Selbstzweck sondern bewegen sich in der grds. Rahmenhandlung und entwickeln sie weiter.

Harte Männer, taffe Frauen und eine interessante Grundhandlung – „Outsiders“ schickt sich bei mir an zum „guilty pleasure“ zu werden, eine zweite Staffel ist bereits beauftragt und ich bin wirklich neugierig, wie die Geschichte weitererzählt wird. Sollte die Serie also in Deutschland anlaufen oder ihr habt andere Möglichkeiten, einen Blick in die Serie zu werfen, macht das unbedingt.

Könnte sich für euch lohnen.

Bilder: WGN America

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