Don´t trust a Nazi! Never!

Review: The Man in the High Castle S02E01E02 – The Tiger’s Cave | The Road Less Traveled

SPOILER !!
Tobias
18.12.16

Vor zwei Tagen hat Amazon die zweite Staffel von „The Man in the High Castle“ in der OV freigeschaltet. Die deutsche Synchronisation wird man bekanntlich ab dem 13. Januar 2017 abgreifen können, wobei ich denke, dass die meisten Serienfans bis dahin die zweite Staffel bereits gesehen haben dürften. Wer der englischen Sprache nicht so mächtig ist, der sollte aber unbedingt dann ab dem 13. Januar einschalten, denn die ersten beiden Episoden knüpfen unmittelbar an das Ende der sehr erfolgreichen ersten Staffel. Egal, ob man dies nun vom Niveau her oder inhaltlich verstehen will.

Handlung

Die Eröffnungsszene des Staffelstarts funktioniert auch noch nachdem man sie hier bereits gesehen hat. Wir verfolgen John Smiths Sohn Thomas auf dem Weg zur ersten Stunde, sehr wahrscheinlich an einem dieser tristen Montage nach einem tollen Wochenende, so wie wir das alle aus unserer eigenen Erfahrung her kennen müssten. Auf dem Schulflur wird gerannt, irgendeiner deiner Klassenkameraden hat seine Hausaufgaben mal wieder nicht gemacht und bittet dich nach der Lösung und bevor der Lehrer die Klasse betritt, erhaschst du noch mal einen kleinen Blick auf das einzige Mädchen in der Klasse, der du die Hausaufgaben liebend gerne sogar bis nach Hause tragen würdest.

Dann fordert der Lehrer genau dich auf, nach vorne zu treten um den Schwur vorzutragen und mit Dir zusammen die gesamte Klasse. Am Ende drehst du dich um und blickst voller Loyalität auf das Bild des Führers: „Sieg, Heil!“. Herzlich willkommen in der verdrehten Welt von Philip K. Dicks „The Man in the High Castle“.

Diese Eröffnungsszene blieb mir noch eine Weile im Kopf hängen, denn wie ähnlich dürfte unsere Gegenwart aussehen, wären die Ereignisse am Ende des 2. Weltkrieges anders verlaufen. Und unsere Großeltern dürften so oder so ähnlich ihren Schulalltag begonnen haben. Wahrscheinlich sogar genauso. Zurück zu unseren Protagonisten.

Denn die befinden sich fast an derselben Stelle an der wir sie am Ende der ersten Staffel verlassen hatten. Joe konnte aufgrund Julianas Weigerung, ihn zu erschießen, mit der Filmrolle fliehen und befindet sich auf einem Fischkutter weit draußen vor der Küste San Franciscos und muss vermuten, da die Fischer ihn erkannt haben, dann doch noch an die Resistance ausgeliefert zu werden. Juliana selbst befindet sich schon in Gewahrsam der Resistance. Die sind natürlich nicht allzu gut auf sie zu sprechen. Hier haben wir auch den ersten Auftritt einer komplett neuen Figur. Wir und Juliana lernen Gary kennen, dem Leiter der Resistance, Ortsgruppe US Westküste. Und das mit Gary nicht zu spaßen ist, muss Juliana recht schnell erkennen. Sie wird nämlich erschossen.

Aber keine Sorge, nur betäubt. Allerdings umso interessanter wird die Szenerie als sie wieder erwacht. Denn der „Mann aus dem hohen Schloss“ steht live und persönlich vor ihr. Dieses Schloss scheint aber eher ein alter Flughafenhangar zu sein, vollgestopft mit Filmrollen aus den verschiedensten Jahrzehnten. Darunter auch Jahreszahlen, die für Juliana noch in der Zukunft liegen. So kommt Juliana natürlich ins grübeln und stellt Fragen, allerdings wird ihr sehr schnell klar gemacht, dass sie nur hier ist, um Fragen zu beantworten.

Denn Juliana ist die Einzige, die den Film gesehen hat und dem alten, leicht verwirrt daher kommenden Mann die Fragen zum Film beantworten kann. Was sie dann auch tut. Und Mr. Highcastle weiß auffallend viel über Juliana und über die Personen im Film, den er noch gar nicht gesehen hat. Er offenbart Juliana und uns, dass in all den Filmrollen (scheinbar auch für ihn) unerklärliche Ereignisse gezeigt werden, die mit einer anderen Realität spielen aber dass sehr häufig dieselben Personen in diesen Filmen zu sehen sind: Frank, Joe und ein bislang Unbekannter, der Juliana aber irgendwie bekannt vor kommt.

Zudem erfahren wir, dass Mr. Castle die Quintessenz dieser Filme nimmt, um die Resistance besser auf bevorstehende Ereignisse vorbereiten zu können. Viel mehr erfahren wir erst einmal nicht. Wer sich jetzt fragt, wo ist denn eigentlich nochmal der Film, sagte ich bereits, bei Joe.

Der schippert aber immer noch auf dem Kutter und kann die Schiffsbesatzung schlussendlich dann doch überzeugen, mit ihm und den Nazis zusammenzuarbeiten und Kontakt aufzunehmen. Dies geschieht auch und ein Wasserflugzeug holt Joe ab, nicht ohne der Schiffsbesatzung einen Koffer voller Geld da zu lassen. Und einer Bombe mit einem Zeitzünder. Wovon Joe nichts wusste aber möglicherweise der berühmte Tropfen gewesen sein könnte, der das Nazi-Fass hat überlaufen lassen. Denn bei der Übergabe der Filmrolle an John Smith lässt er gleich seine Kündigung auf dem Tisch liegen.

Apropos John Smith. Das er das Finale der ersten Staffel überlebt hat, war ja recht aufregend für uns Zuschauer. Nicht minder für seine Familie und für seine Frau, die ja extra einen Revolver von ihrem Mann bekommen hat, für den Fall, dass am nächsten Morgen ein anderer Nazi aus dem Auto aussteigen würde und nicht er. Die Goebbel Lösung, ihr versteht. Aber dazu kam es ja Gottseidank nicht.

Dieser John Smith reist nun mit der Filmrolle nach Berlin um sie persönlich an Hitler zu übergeben. Adolf himself ist not very amused was er da sieht und Smith erhält den Supersonderspezialauftrag, den Man in the High Castle zu finden und auszuschalten. Also nichts Neues, nur mit mehr Nachdruck. Smith muss aber auch erkennen, dass Hitler überhaupt nicht bester Gesundheit ist, körperlich wie geistig, wie überall verlautbart wird. Aber auch wenn die Gerüchte um die sich abzeichnenden Probleme in Berlin (mit einem schwachen und verwirrten Hitler) von ihm nun anders eingeschätzt werden, bleibt es bei seiner loyalen Arbeitsauffassung. Schauen wir mal, wie sich die Figur des John Smith im Laufe der weiteren Staffel/Serie verändern wird, ich denke nämlich, dass Smith eine besondere Rolle spielen wird. Möglicherweise wechselt er sogar die Seiten, etwas, was ich nicht ausschließen würde.

Auf der anderen Seite der Welt braut sich derweil eine andere Katastrophe zusammen, denn die Japaner planen nun selber das Naziregime mit den geschmuggelten Bauplänen der Atombombe anzugreifen bevor es die Nazis tun. Also nicht mit den Plänen, aber ihr wisst schon, was ich meine.

Unser Handelsminister ist darüber nicht sehr erfreut, hatte er die Pläne doch schmuggeln lassen, damit ein Ausgleich zwischen beiden Mächten (siehe Kalter Krieg bei uns) herrscht und weiterhin Stabilität und Frieden. Aber die Japaner scheinen immer noch nicht kriegsmüde. Tagomi ist darüber mehr als betrübt und unterlässt zunächst weitere Einmischungen, sogar Juliana entzieht er seine Hilfe, als sie mit seiner Unterstützung (Pässe) die Westküste verlassen will. Sie konnte nämlich fliehen.

Und was macht man, wenn man von den Japanern als Nazi abgestempelt wird und von den Nazis als ein Mitglied der Resistance? Genau. Man geht zu den Nazis und bittet um Asyl.

Meinung

Wen ich bis jetzt ganz unbehelligt gelassen habe, war Frank und seine Story. Daher fange ich mit ihm jetzt mal an. Er verbündet sich nämlich mit der Yakuza um seinen Kumpel aus dem Gefängnis der Japaner befreien zu können. Was am Ende dann auch gelingt. Dennoch ist die Frank Storyline genau die Handlung, die mich bisher am wenigsten interessiert. Was in meinen Augen auch ein wenig an Rupert Evans liegt, der mir in dieser Rolle einfach nicht ans Herz wachsen mag.

Denn sind wir mal ehrlich, die Serie glänzt so richtig, wenn Rufus Sewell als John Smith die Szenerie beherrscht oder wenn wir auf der japanischen Seite den Ermittlungen des Inspektor Kido alias Joel de la Fuente verfolgen können. Mindestens genauso wie bei den Auftritten des Cary-Hiroyuki Tagawa als Handelsminister Nobusuke Tagomi, der sogar beginnt, seinen wirren Erfahrungen aus dem Staffelfinale nachzugehen (wir erinnern uns, Tagomi hat im Park unsere Realität gesehen). Selbst Alexa Davalos als Juliana Crain fällt da in meinen Augen etwas ab. Aber da die zwei Episoden bisher schon gleichmäßig zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin und her springen, ist das noch völlig okay.

Wobei man sagen muss, dass die Handlungsstränge bisher kaum Überschneidungen haben. Es sieht auch so aus, als würde das noch eine ganze Weile so bleiben.

Im Grunde haben wir handlungstechnisch gesehen zwei große Parts. Die Suche nach dem Schossbewohner und seiner Vorliebe für futuristische Filme sowie den Vorbereitungen der Japaner, einen atomaren Angriff auf New York City zu lancieren. In Verbindung mit dem Bildern aus dem besagten Film – atomare Verwüstung San Franciscos – kommt man als Zuschauer nicht umhin, dies dann doch für eine mögliche Zukunft zu verstehen. Denn der Startpunkt des Angriffes bzw. der Ausgangspunkt der Planungen der Japaner ist San Franciso. Das wird den Nazis bestimmt nicht entgehen.

Und wir haben Frank. Wie er da genau rein passt, wird sich noch zeigen müssen. Man darf also gespannt sein.

Ansonsten ist das Produktionsniveau der beiden Folgen wieder großartig und steht der ersten Staffel in Nichts nach. Und ich empfand die Idee mit der Eröffnungssequenz großartig und ein toller Anfang, bis hin zum Erklingen und zum Einspielen dieser absolut ruhigen aber dann auch wiederum beängstigenden Intromusik, mit all ihren schwarz/weiß Bildern und Szenen. Toller Gegensatz.

Und dann dieses Ende der zweiten Folge. Wir sehen wie Juliana durch die japanischen Posten hin zur Botschaft der Nazis geht. Ein japanischer Wachposten erkennt Juliana als gesuchten Naziagenten und auf einmal zielen japanische Gewehre auf Juliana und auf die Wachen der Nazis, die wiederum auf Juliana zielen und auf die Japaner. Dann kniet Juliana genau auf der Grenze zum Einflussbereich der Botschaft und bittet um Asyl. Zudem bescheinigt sie sich mit Joe zusammen zu arbeiten. Denn sie glaubt, nur mit der Hilfe der Nazis nach New York City zu gelangen, um diesen mysteriösen dritten Mann aus den Videos zu finden. Denn wie sie kurz vorher erfahren hat, ist dieser Mann der biologische Vater ihrer Schwester, ein Freund ihres Vaters. Und dieser George Dixon lebt in Brooklyn und scheint eine sehr wichtige Rolle in den Filmrollen zu spielen. Denn Mr. Castlehigh hat es insbesondere auf das Wissen um die Identität dieses Mannes abgesehen. Denn offenbar spielt Dixon in allen Filmen eine tragende Rolle. Und der Schlossbesitzer möchte gerne wissen, welche. Und Juliana nun auch. Und sie ist bereit ein hohes Risiko dafür einzugehen.

Alles sehr spannend. Wir dürften demnach im weiteren Verlauf der Staffel diverse neue mysteriöse Figuren kennen lernen, die die Story weitertragen. Wohin, werden wir sehen. Hoffen wir, dass es Juliana anders ergeht als der Schiffsbesatzung aus der Auftaktepisode.

Bilder: Amazon

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