Perlen aus der Vergangenheit - Ausgabe #17

Klassiker der Woche: The Shield

Spoilerfrei
Jonas
20.12.15

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In der letzten Woche stellten wir euch als Klassiker The Sopranos vor. Parallel zur HBO Produktion lief auch eine andere großartige Serie namens The Shield, die das Verbrechen  thematisiert. Der Unterschied war aber hier, dass der Antiheld auf der Seite der Polizei stand, auch wenn er wohl mehr mit Toni Soprano vergichen werden konnte als mit einem normalen Polizisten.

Mit dieser Serie entdeckte ich noch vor Netflix und Co das Binge Watching, denn es war das erste und einzige Mal, dass ich eine komplette Staffel am Stück geschaut habe. Warum ich das tat und was so großartig an The Shield ist, möchte ich euch in dieser Woche näher bringen. Aber zunächst die harten Fakten im Steckbrief:

Name: The Shield
Genre: Drama
Laufzeit: 42 Min.
Staffeln (Folgen): 7 (88)
Ausstrahlung: 12. März 2002 FX Network (Ende: 25. November 2009)
Darsteller: Michael Chiklis, Walton Goggins, Benito Martinez, CCH Pounder

Die Polizei als Bösewicht

Das Spiel zwischen Gut und Böse, bei dem der Hauptdarsteller moralisch verwerfliche Taten vollzieht, wir aber trotzdem zu ihm halten, kennen wir beispielsweise aus Dexter oder eben auch The Sopranos. Der Aufbau ist dabei sehr ähnlich. Dadurch dass wir das Familienleben des Charakters erleben, die weichen Seiten kennen lernen und auch seine gefärbte Sicht einnehmen, fällt es uns schwer, diesen Charakter als „böse“ anzusehen.

The Shield verwendet genau diesen dramaturgischen Aufbau, geht aber noch einen Schritt weiter: In der Serie operiert eine ganze Spezialeinheit außerhalb der Legalität und des moralisch akzeptierten Handelns – quasi eine ganze Antiheldenbande, denen der Zuschauer folgt. Gleich im Piloten erschießt Hauptdarsteller Michael Chiklis als Vic Mackey einen Spitzel, der die Taten von ihm und der Einheit aufdecken würde. Von diesem Moment an wird alles immer noch schlimmer. In 7 Staffeln sehen wir, wie Vic versucht, sein Handeln immer wieder zu rechtfertigen und dabei aber auch immer neue Grenzen übertritt. Von vornherein ist eigentlich klar, dass es scheitern muss, aber irgendwie schafft es Vic immer wieder, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Im Verlauf der Serie muss sich Vic so diversen Gegenspielern stellen. In der vierten Staffel sieht man beispielsweise Glenn Close als große Rivalin, ein Umstand der auch den damals sinkenden Quoten geschuldet war. Doch mit dem großen Star gelang es, die Serie wieder auf die Erfolgsspur zu hieven.

Aber auch außerhalb dieser Hauptgeschichte operiert The Shield sehr nah an einer unbehaglichen Darstellung. Auch die anderen Polizisten, welche eigentlich die guten sein sollten, verprügeln Zeugen und beugen das Gesetz nach Belieben. Fest steht, dass die Polizei in den USA wenig beistert über das in der Serie transportierte Bild sein dürfte.

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Geschwindigkeit

Neben den moralischen Fragen und der Spannung zeichnet sich The Shield durch eine wahnsinnige Geschwindigkeit aus. Wohl auch der Grund, warum ich damals die erste Staffel komplett schauen musste und nicht abschalten konnte. Der Eindruck der hohen Geschwindigkeit wird durch die schnelle Aufeinanderfolge der Ereignisse generiert, aber mindestens genauso wichtig für diesen Eindruck ist die Machart. Häufig wurden für Aufnahmen Handkameras benutzt, mit denen man hinter den Schauspieler her rannte. Das ganze entfaltet einen Dokumentationsstil nach dem Motto „mit der Polizei auf Streife“, was für Geschwindigkeit, aber auch eine hohe Authentizität sorgt.

Ein echtes Serienfinale

Keine Sorge, ich spoile das große Finale nicht. Aber The Shield hat(te) einen echten Trumpf in der Hand: Im Umkehrschluss zu vielen anderen Serien, die zu viel wollten oder aber zu viel der eigenen Imagination überlassen wollten, endet The Shield mit einem würdigen Kracher. Selten hat mich die letzte Staffel und das Finale so mitgenommen wie bei The Shield.

Deswegen mein Rat an euch: Schaut euch die Serie an, falls ihr es noch nicht getan haben solltet.

4 Kommentare

  • Ich habe die Serie Anfang des Jahres auch endlich mal gesehen und ja, sie ist verdammt gut. Überraschenderweise auch viel humorvoller, als die düsteren Themen es erahnen ließen. (Man merkt, dass Shawn Ryan Autor bei „Nash Bridges“ war.) Hin und wieder hat man zwar das Gefühl, dass die Autoren versucht haben, sich gegenseitig mit der Erfindung möglichst perverser Verbrechen zu überbieten (Kurt Sutter gewann wenig überraschend jedes mal. :D ), aber es war trotz allem keine von den Serien, bei der man nach jeder Folge eine Handvoll Antidepressiva schlucken muss.

    Das Einzige, das ich an der Serie auszusetzen habe, ist die Kameraarbeit. Diese Pseudodokuwackelkamera sorgte in meinen Augen oftmals eher für unfreiwillige Lacher und Kopfschütteln als Authenzität, aber man gewöhnt sich daran. Interessanterweise hat es drei Staffeln gebraucht, bis mir überhaupt auffiel, dass die Serie keine Hintergrundmusik hat! Und ich habe sie auch nicht vermisst.

    Der Titelsong ist übrigens Mist. Dieser kurze „JUST ANOTHER DAAAAAAAAAAAAY!“ Schrei, den man im Vorspann hört, passt zugegebenermaßen perfekt, aber wenn man sich das Ding in voller Länge anhört, entpuppt es sich als so peinlicher wie vergessenswerter Spätneunziger/früher 00er Rap.

    Aber ja, „The Shield“ ist eine großartige Serie, die eine perfekte Balance aus langen Handlungsbögen und dem „Fall der Woche“ bietet. Keine Ahnung, warum die es in Deutschland so schwer hatte.



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