Intrigen, Verrat, Sex, Schlachten, Mittelalter - aber keine Drachen

Game of Alternativen – Part I

Mini-Spoiler
Tobias
06.09.16

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Die HBO Serie „Game of Thrones“ wird nach ihrem Ende, welches bereits absehbar ist, viele traurige Gesichter hinterlassen. Der Kampf um den Eisernen Thron wird auch bei den Serienfans Spuren hinterlassen und für die Zeit danach so manch einen Seriengucker in ein kleines Serienloch werfen. Eine absehbare Situation , auf die man sich aber vorbereiten kann. Vorbereiten sollte. Glücklicherweise ist das Serienuniversum dermaßen voll mit tollen und anspruchsvollen Serien, die es lohnt, mit gleichem Verve zu verfolgen und für sich zu entdecken.

Diese geistig vorhandene Liste wäre allerdings immens lang und würde die angedachte Beitragsreihe deutlich sprengen, deswegen verweise ich einfach mal auf unsere Lieblingsserien. Davon abgesehen habe ich mir gedacht, dass ich etwas ähnliches erstelle wie seinerzeit mein Beitrag zu Alternativen zu „Downton Abbey“. Ein Beitrag, der sich weiterhin großer Beliebtheit erfreut und immer noch täglich aufgerufen wird. Was mich freut.

Da es zu „Game of Thrones“ bereits Dutzende dieser Listen gibt, wird diese Beitragsreihe auf sAWE.tv etwas anders ausfallen, zumindest in den darauffolgenden zwei weiteren Beiträgen. In den Parts II und III wird nicht „Game of Thrones“ als Serie im Mittelpunkt stehen sondern die beteiligten Schauspieler. Viele von denen, die wir über „Game of Thrones“ lieb gewonnen haben und manch Serienfan vielleicht auch erst durch „Game of Thrones“ kennengelernt hat, haben auch schon vor „Game of Thrones“ Serienluft geschnuppert. Oder währenddessen. Und auch natürlich nach „Game of Thrones“. Lebbe geht eben weiter!

In diesem ersten Beitrag soll es aber um Serien gehen, die dem Feeling von „Game of Thrones“ nahe kommen. Wenn man die Serie auf fünf Punkte herunterbrechen müsste, dann würden uns doch zu allererst Intrigen, Verrat, Sex, Schlachten und Mittelalter einfallen. Oder? Ok, Drachen vielleicht noch. Aber Serien mit Drachen sind dann doch eher rar gesät. Alle Freunde von „Grisu, dem kleinen Drachen“ mögen mir daher meine subjektive Sicht verzeihen.

The Last Kingdom

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Name: The Last Kingdom
Genre: Historiendrama, Action
Laufzeit: 60 Min.
Staffeln (Folgen): 1+ (8)
Ausstrahlung: seit Oktober 2015 (BBC, Netflix)
Darsteller: Alexander Dreymon, Matthew Macfadyen, Ian Hart, David Dawson u.v.m.

Man muss sich eigentlich nur das Intro der Serie anschauen und schon sieht man erste Parallelen. Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass man hier das einzigartige Intro von „Game of Thrones“ kopiert hat. Aber man kommt nicht drum herum, gewisse Gemeinsamkeiten zu entdecken. Die Geschichte die erzählt wird, ist aber historisch belegt bzw. durch historische Vorgänge inspiriert. Die Serie basiert nämlich auf den historischen Romanen von Bernard Cornwell, die die Gründung des Königreichs England zum Inhalt haben. Wir befinden uns also in der zweiten Hälfte des 9.Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Serie steht Uhtred, Sohn eines Lords aus dem Königreich Northumbria, eines der größeren selbstständigen Königreiche zu Zeiten der Angelsachsen. Jener Uhtred wird als Kind von den Dänen (=Wikinger) entführt und wächst als einer von ihnen zu einem stattlichen Mann heran. Im Verlaufe der Serie kommt es zum Bruch mit den Dänen, wenn man so will, und sein Wechsel auf die Seite Königs Alfred von Wessex, dessen Traum ein vereinigtes Königreich ist. Unter seiner Führung natürlich. Aber da ist er nicht der einzige Anwärter auf den Thron.

Es kommt zu Intrigen am Königshof, kleineren und größeren Schlachten und vor allem zur inneren Zerrissenheit Uhtreds und der Frage, wem seine Loyalität wirklich gehört. Ach ja. Und sein Erbe hätte er auch ganz gerne zurück. Aber sein gewiefter Onkel konnte sich bislang erfolgreich aus jeder Affäre ziehen. Aber Macht und Ansehen Uhtreds steigen mit jedem Monat an. So wie die Anzahl seiner angelsächsischen Feinde.

Die Serie hat lang nicht so viele überzeugende Darsteller wie „Game of Thrones“ aber dennoch spannende und sympathische Charaktere. Bei „The Last Kingdom“ steht vor allem der historische Bezug im Mittelpunkt, auch wenn die Serie wie die Bücher die historischen Hintergründe nur nutzt, um seine halbfiktionale Geschichte zu erzählen. Aber wenn man sich auf die zu erzählende Geschichte einlässt, wird man an der Serie seine Freude haben.

Vikings

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Name: Vikings
Genre: Historiendrama, Action
Laufzeit: 45 Min.
Staffeln (Folgen): 4+ (39)
Ausstrahlung: seit März 2013 (History, Amazon Video, ProSieben)
Darsteller: Travis Fimmel, Clive Standen, Katheryn Winnick, Gustaf Skarsgård, Gabriel Byrne u.v.m.

Wenn wir schon mal mit den Dänen angefangen haben, darf man die Wikinger natürlich nicht vergessen. Und damit die Serie „Vikings“. Ähnlich wie „The Last Kingdom“ basiert die Serie auf einer Mischung aus historischen Begebenheiten und Persönlichkeiten sowie fiktionalen Elementen. Wir befinden uns in einer ähnlichen Zeit wie die Serie „The Last Kingdom“ – dieses Phänomen werden wir gleich noch einmal haben. Im Mittelpunkt des Serienhits steht Ragnar Lothbrok, einem ehrgeizigen Wikinger, seiner Familie, seinem Stamm und seinen Männer wie Frauen. Es wird gebrandscharzt, geraubt und „die Nase in den Wind“ gehalten und fremdartige Ländereien besucht. Im Verlaufe der bisherigen Staffen hätte es sogar durchaus sein können, dasss sich Ragnar und Uhtred über den Weg laufen. Denn das Ziel der Begierde kennen wir als das heutige britische Königreich. Aber eigentlich geht es bei Ragnar um Machtausbau und Machterhalt – auch gegen die eigenen Familienmitglieder, gegen den eigenen König, gegen alte Freunde – und es geht um Loyalität.

Es werden Bünde geschmiedet, gebrochen und Intrigen gesponnen. Der eiserne Thron in der Serie ist zwar deutlich hölzener aber nicht minder blutig in seinem Schatten. Der Ort der Handlung verschiebt sich im Laufe der Serie immer mehr auf die britischen Inseln und Ragnar und seine Mannen geraten dabei auch in die royalen Machenschaften der einzelnen englischen Könige. Die Wikinger in „The Last Kingdom“ könnten demnach auch gut die Jungs und Mädels aus „Vikings“ sein. Und umgekehrt.

Die Serie „Vikings“ ist was das Produktionsniveau angeht aber deutlich anspruchsvoller und vor allem empfinde ich seine Darsteller als hochwertiger besetzt. „Vikings“ hat mit Ragnar Lothbrok, der dem sagenumwobenen Ragnar Lodbrok nachempfunden ist, eine deutlich präsentere Hauptfigur, der man sein Treiben authentischer abnimmt als einem Uhtred in „The Last Kingdom“. Wenn man sich zwischen beiden Serien entscheiden müsste, muss man sich fragen, ob man diese Zeit eher aus der Sicht der Engländer nachempfinden mag oder aus der Sicht der Wikinger.

Oder man schaut einfach beide Serien.

The White Queen

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Name: The White Queen
Genre: Historiendrama, Action
Laufzeit: 60 Min.
Staffeln (Folgen): 1+ (10)
Ausstrahlung: seit Juni 2013 (BBC, Starz, sixx)
Darsteller: Max Irons, Rebecca Ferguson, James Frein, David Oakes, Janet McTeer u.v.m.

Wir bleiben noch ein wenig in England, welches nun unter einer Krone geeint ist. Es ist 1464 und wir befinden uns mitten im Rosenkrieg zwischen dem Haus York (weiße Rose) und Haus Lancaster (rote Rose). So ganz geeint ist man also doch nicht, zumindest gibt es nur noch einen Thron, um den sich bekriegt wird. Aber das mit harten Bandagen.

Im Mittelpunkt stehen hier zwei Personen, einmal der junge Edward IV. aus dem Hause York und vor allem Elizabeth Woodville, deren Familie eher dem Hause Lancaster zugeneigt ist. Wie man sich vorstellen kann, stößt deren Liebe und Heirat nicht überall auf freudige Blicke. Der Hof „is not amused“ und einige Herren schmieden im Hintergrund diverse Intrigen und Bündnisse, um ihre Einflüsse zu erhalten bzw. eigene Machtansprüche zu festigen. Einige sind erfolgreich, andere nicht.

So geht es hoch her am Hofe und der junge Edward hat einflussreiche Feinde, die es zu besiegen gilt. Auch die Familie Elizabeths gerät dabei mitten ins Visier der Feinde Edwards und muss bluten. Um ihren Mann gegen seine Feinde zu unterstützen und blutige Rache zu nehmen, nutzen Elizabeth und ihre Mutter magische Kräfte. Magie, aber keine Drachen, das wäre ja Fantasy. Und mit Magie meine ich hier eher sowas wie Vodoo als mit Zauberstab und einem schwarzen Umhang.

Zu „The White Queen“ gibt es übrigens zwei Versionen, die für den Sender Starz enthält auch die Sexszenen, die in der BBC Version gänzlich fehlen bzw. nur angedeutet werden. Wer also ganz nah am „Game of Thrones“ Feeling sein will, sollte sich die Starz Version besorgen. Die deutsche Version habe ich nicht gesehen, denke aber, dass wir dort einen Mix haben könnten.

„The White Queen“ ist gegenüber „The Last Kingdom“ und „Vikings“ eher mehr auf das menschliche Schicksal reduziert, große Schlachtszenen sind Mangelware. Dafür erlebt man sehr schön das politische Intrigenspiel am Hofe Edwards IV. von England, welches sich hinter Kings Landing nicht verstecken müsste. Vor allem Rebecca Ferguson als Elizabeth Woodville emfpand ich als wirklich überzeugend.

The Tudors

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Name: The Tudors
Genre: Historiendrama, Action
Laufzeit: 50 Min.
Staffeln (Folgen): 4 (38)
Ausstrahlung: April 2007 – Juni 2010 (Showtime, ProSieben)
Darsteller: Jonathan Rhys Meyers, Henry Cavill, Natalie Dormer, u.v.m.

Bei „The Tudors“ und „The White Queen“ verhält es sich ähnlich wie bei „The Last Kingdom“ und „Vikings“. Irgendwie gehören die beiden Serien zusammen bzw. entspringen aus demselben Kosmos. Bei „The Tudors“ sind die Rosenkriege schon einige Jahre beendet und die Tudors, eine weitere Nebenlinie des englischen Königshauses Plantagenets, neben dem Haus York und dem Haus Lancaster, haben den englischen Thron erobert. An ihrer Spitze thront im Jahre 1518 der junge Henry VIII. und seine Regierungszeit wird in den vier hoch unterhaltsamen Staffeln beschrieben.

Kleine Anmerkung am Rande: jener Henry war der jüngste Sohn von Heinrich VII. und seiner Frau Elizabeth of York, die wiederum die älteste Tochter von Edward IV und Elizabeth Woodville aus „The White Queen“ war. Ich mag solche Verbindungen zwischen Serien. Gut, da hier alles auf historischen Vorbildern basiert, ist das vielleicht nicht sonderlich aufregend. Aber mir gefällt sowas dennoch immer wieder sehr. Man sollte wenn dann sowieso zunächst „The White Queen“ schauen und dann „The Tudors“. Man hat so einen ganz anderen Hintergrund für beide Serien wie ich finde.

Henry VIII. gehört zu den wohl beeindruckensten Königen Englands, und nicht weil er vielleicht irgendwas cooles erfunden hat oder besonders barmherzig war, nein, seine Amtszeit hat bis heute noch Auswirkungen auf die Insel und füllt weiterhin Bücher über Bücher. Mit zwei Dingen dürfte man Henry VIII. in Verbindung bringen: seinem Verschleiß an Frauen und seinem Bruch mit der katholischen Kirche und der Gründung der Kirche von England -wegen einer Frau: Anne Boleyn. Die wiederum in der Serie von Natalie Dormer in ihrer ersten großen Rolle gespielt wird, Dormer dürftet ihr aus „Game of Thrones“ kennen.

Aber der große Star der Serie ist klar Jonathan fu**** Rhys Meyers. Die Erotik des Henry VIII. steht hier sehr im Mittelpunkt, man darf also schöne Körper in rauen Mengen erwarten auch wenn der verantwortliche Sender nicht theCW heißt. Aber wer „Game of Thrones“ für diese Szenen mag, wird „The Tudors“ nicht von der Bettkante schupsen. Die Serie ist allerdings mehr Kostümdrama als Intrigenpool um den englischen Thron. Die Macht Henry VIII. ist über die gesamte Serie gefestigt und kaum gefährdet, er hat sich zwar einer Rebellion zu erwähren, die vom Norden angeführt wird, kann diese aber recht leicht abschütteln.

Die Stärke der Serie ist seine epische Erzählweise und ganz klar der Focus auf die Figur Jonathan Rhys Meyers und seine persönliche Entwicklung vom jungen König zum alten Mann.

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5 Kommentare

  • Ich vermute, dass auch Versailles eine gute, historische Serie ist. Ab Oktober gibt es sie endlich auch auf Deutsch zu kaufen.

    • Vermutung bedeutet, dass du die Serie noch nicht sehen konntest? Ich konnte mich Ende letzten Jahres irgendwie nicht aufraffen die Serie zu schauen bzw aufzunehmen. Auch wenn ich mir sicher war, dass die Serie vom Thema her mir schon zusagen würde.

      • ja, dass sollte es heißen. Es ist auf meiner „noch zu schauen“-Liste. Black Sails könnte man noch nennen. Relativ aufwändig inszeniert, allerdings sind die Charaktere teilweise zu schablonenhafte Piraten.

  • Ich fand „Vikings“ lange Zeit großartig, aber inzwischen hat die Serie für mich deutlich abgebaut. In der aktuellen vierten Staffeln handeln quasi alle Hauptcharaketere abwechselnd völlig idiotisch oder unlogisch, seien es Ragnar, Rollo oder Floki. Und zum Ende hin kommt wohl noch ein Zeitsprung (bin noch nicht so weit), der uns alle lieb gewonnen Charaktere noch mehr entfremden dürfte.

    • Da kann man mal sehen, wie gut GoT ist und wie groß das Loch sein könnte, in das man serientechnisch droht zu fallen nach dem Ende der Serie.



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