.. eine weitere Alternative für Fans von "Downton Abbey" und Co

Serientipp: Velvet

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Die wunderbare Dramaserie „Downton Abbey“ ging im Dezember 2015 mit einem wie ich finde schönen Finale zu Ende. Kurz vorher hatte ich in einem kleinen Beitrag über mögliche Alternativen für die vielen, vielen Fans der Serie berichtet, die man sich als Fan der Crawleys und ihrer Bediensteten unbedingt mal anschauen sollte. Und diese „10 Serienvorschläge für die Zeit nach Downton Abbey“ erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. Seit dem Dezember 2015 wird dieser Beitrag immer noch täglich mehrmals aufgerufen. Was mich natürlich freut aber auch ein wenig überrascht, da auch für deutsche Zuschauer das Ende bereits über den Bildschirm geflimmert ist.

In den Kommentaren zu meinem Beitrag wurde mehrmals auf eine weitere spanische Serie verwiesen: „Velvet“. Da es die Serie seit einiger Zeit bei Netflix gibt und zudem von den Machern von „Grand Hotel“ stammt, die ich in meiner Aufzählung an Alternativen berücksichtigt hatte, dachte ich mir vor einiger Zeit, schauste mal rein. Und was soll ich sagen, die spanische Serien „Velvet“ könnte für viele Serienfans die Nummer 11 werden.

Seriensteckbrief

Name: Velvet (Galerías Velvet)
Genre: Drama
Laufzeit: 45 Minuten
Folgen: 55 (4 Staffeln)
Ausstrahlung: seit 02/2014 (Antena 3)
Darsteller: Miguel Ángel Silvestre, Paula Echevarría, Manuela Velasco, Aitana Sánchez-Gijón u.v.m. die man nicht kennt

Handlung

Würde man es sich einfach machen, könnte man sagen, dass die Macher von „Grand Hotel“ eigentlich nur die Schauspieler und den Handlungsort ausgetauscht haben. Anstatt die Handlung in der fiktiven Stadt Cantaloa ablaufen zu lassen, befinden wir uns mitten im Madrid der 50er Jahre. Und dieses Mal befinden wir uns nicht in einem luxeriösen Hotel sondern in einem luxeriösen Modekaufhaus. That´s it. Wobei man der Serie „Velvet“ damit nicht gerecht werden würde, da die Handlung dann schon sehr eigenständig ist – Intrigen, Affären und übertriebener Herzschmerz vor wunderbarer Kulisse blieben aber bestehen. Und das ewige Märchen von der Liebe, die Grenzen und Unterschiede überwinden kann. Davon träumen nicht nur lateinamerikanische respektive spanische Hausfrauen.

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In „Velvet“ geht es in erster Linie um Alberto und Ana und ihre Liebe zueinander. Und das seit Kindestagen. Als kleines Mädchen wurde Ana nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrem Onkel Emilio nach Madrid geschickt, andere Familienangehörige hatte die kleine Ana nicht mehr. Von Emilio wurde sich in dem kleinen Heimatdorf immer wieder erzählt, dass er es aus eigenen Händen in der Großstadt Madrid zu einem Besitzer eines Modehauses geschafft hat. Er sei sehr reich und könne sich bestimmt sehr leicht um Ana kümmern.

Das mit dem Modehaus, der Galeria Velvet, stimmt. Dass es ihm gehört und er sehr reich ist, eher nicht. Emilio arbeitet zwar in der Tat in der Galeria Velvet und er ist auch kein einfacher Angestellter, aber dass ihm das Haus auch gehört ist dann wohl eher der Fantasie der Landbewohner zuzugestehen. Emilio ist sowas wie der leitende Angestellte des Hauses, die linke Hand des Geschäftsführers und Besitzers Rafael Márquez Encinas, dem Vater von Alberto. Befänden wir uns auf Downton Abbey hätten wir wahrscheinlich Mr. Carson vor uns. Anfangs ist Senior Márquez nicht gerade begeistert von der Idee, dass die kleine Ana im Haus aufwachsen soll. Wenn er Emilio dies erlauben würde, könnte er es niemanden anderen abschlagen. Wie bei „Downton Abbey“ und Co wohnen die Bediensteten und Angestellten nämlich auch gleich mit im selben Gebäude. Aber Emilio kann mit einem netten Verweis auf sein Wissen rund um die Geschäfte und der Vergangenheit von Senior Márquez den alten Mann überzeugen.

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So kommt es, dass die kleine Ana mitten im Luxusmodehaus aufwächst und die Welt der Mode innerlich aufnimmt. Dass sie dann als erwachsene Frau als Näherin und später als Designerin in der Galeria Velvet arbeitet, ist dann schon nicht mehr so verwunderlich. Dass Alberto und Ana bereits als Kinder gut miteinander auskommen, aufwachsen und sich irgendwann dann ineinander verlieben – auch nicht. Diese Zuneigung der Beiden wird vor allem von Senior Márquez nicht gerne gesehen, so dass es dazu kommt, dass er seinen Sohn nach London zur weiteren Ausbildung schickt um beide zu trennen da er für seinen Sohn und Alleinerben eine andere Zukunft geplant hat.

Das Wort Alleinerbe trifft es nicht ganz, denn Senior Márquez hat auch eine Tochter allerdings von seiner zweiten Frau. Es dürfte niemanden überraschen, dass Seniora Márquez und ihre Tochter Patricia hierzu ganz andere Pläne haben und diese auch verfolgen.

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Die Handlung der Serie setzt dann so richtig ein wenn Alberto nach einigen Jahren aus London wieder nach Madrid zurückkehrt. Mit modernen Ideen für das Familiengeschäft und weiterhin großen Gefühlen für Ana. Die hatte von Alberto nichts mehr gehört seitdem er nach London gegangen ist. Was aber an ihrem Onkel Emilio lag, denn Alberto hat in den Anfangsmonaten nahezu täglich Briefe geschrieben die aber nie bei Ana angekommen sind. So läuft dies nun mal in derartigen Geschichten.

Auch Senior Márquez hat weiterhin seine Meinung über Ana und Alberto nicht geändert und kann mit den modernen Ideen des Filius nichts anfangen. So kommt es zum Bruch zwischen Alberto und seiner Familie. Er beschließt mit Ana nach London auszureißen um sich dort selbstständig zu machen und mit Ana ein schönes Leben zu verbringen. Dann hört Alberto im Radio dass sich sein Vater umgebracht hat.

Das große Familiendrama kann beginnen.

Einordnung

Die Serie verfolgt nun die weitere Geschichte von Alberto und Ana, ihrer Liebe, den Umwälzungen im Modegeschäft, kleineren Intrigen und Affären, Herz und Schmerz – und dies alles vor der schönen Kulisse eines Modehauses aus den 50iger Jahren, gespielt von attraktiven Schauspielern und umrahmt von einer durchaus mitreißenden Geschichte. Wenn man sowas mag. Und Fans von „Downton Abbey“ mögen sowas ja im Grunde.

Den Charme des Originals erreicht „Velvet“ nicht, wie auch, spielt die Serie ja in Spanien und man merkt an allen Ecken und Enden, dass die Serie natürlich für ein spanisches Publikum geschrieben ist, sehr telenovelaesk. Teilweise überkitschig und auch deutlich vorhersehbarer als das britische Vorbild. Aber den Spaß an den Figuren und der Geschichte mildert das nur wenig.

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Auch das Zusammenspiel zwischen „Oben und Unten“ – also zwischen der Familie Márquez und ihren Angestellten – sowie das Untereinander ist ein Anderes. Vor allem bei der arbeitenden Bevölkerung musste ich im Untereinander eher an „Call The Midwife“ denken als an „Downton Abbey“. Auch die einzelnen Storylines habe ich bei den Crawleys intensiver, tiefer empfunden. Aber das kann auch am Erzähltempo bzw. an der Art und Weise der Darstellung liegen.

Damit möchte ich nicht sagen, dass die spanischen Schauspieler ihr Handwerk nicht verstehen, aber es ist dann doch anders. Weiß gar nicht so genau wie ich das beschreiben soll. Der Brite ist ja oft vornehm zurückhaltend. Oben, wie unten. Das ist bei den Spaniern nicht so. Hier wird gerne auch mal übertrieben. Aber im Rahmen der Serie passt es dann auch wieder.

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Man kann wahrscheinlich festhalten, dass Fans der Serie „Grand Hotel“ definitiv ihre Freude an „Velvet“ haben dürften und in Spanien seit 2014 auch haben. Und es scheint kein Ende in Sicht. Denn mit „Velvet Colección“ gibt es bereits einen Nachfolger, ein Sequel zur Mutterserie „Galerias Velvet“. Die Serie spielt in den 60igern in einem weiteren Modehaus der Familie. Dieses Mal in Barcelona. Einige der Darsteller, darunter auch Paula Echevarría als Ana sind auch im Nachfolger zu sehen. Aber nur in einer Nebenrolle.

Für Hardcore-Crawleys könnte die Serie natürlich auch was sein, wenn man aber den britischen Charme liebt und sich an nichts Neues gewöhnen möchte, für den könnte die spanische Version von „Mr. Downton Paradise“1 vielleicht nicht das richtige sein um sich über das Ende von „Downton Abbey“ hinwegzutrösten. Aber wer sich offen mit „Velvet“ beschäftigt, ein paar Folgen der ersten Staffel hintereinander wegguckt, wird sehr schnell merken ob die Serie etwas für einen ist oder eben nicht – und möglicherweise werdet ihr ähnlich in die Geschichte von Ana und Alberto gezogen wie ich.

Also für meinen Teil kann ich sagen, dass ich in naher und ferner Zukunft immer mal wieder in die Serie schauen werde. Sie hyped mich jetzt nicht so wie „Downton Abbey“, aber für Zwischendurch ist die Serie definitiv einen Blick wert.

Schaut doch auch mal rein.

Bilder: Antena3/Netflix

1= eine Mischung aus „Mr Selfridge“, „Downton Abbey“ und „The Paradise“

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