Extraordinary but fairly known British TV shows worth seeing!

Serientipp: Twenty Twelve & W1A

Spoilerfrei
Tobias
26.01.16

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Kommen wir mal zu unseren guten Vorsätzen für das neue Jahr. Ich zum Beispiel habe mir vorgenommen, dass ich in 2016 jeden Monat einen Serientipp aus dem Lande James Bonds und Agatha Christies, des Plumpudding und der strengstens einzuhaltenden Teatime verfassen möchte. Im Mittelpunkt sollen aber die kleinen, eher unbeachteten Serien stehen, nicht unbedingt die großen Kassenschlager. Ich will hier nicht gleich das Schild „Geheimtipp“ hochhalten, aber zumindest andeuten, dass es da draußen noch so viel mehr Serien gibt, als die, die in „den anderen Medien“ hoch und runter diskutiert werden.

Die vorgestellten Serien werden zum Teil noch laufen, andere wiederum haben ihr Serienfinale bereits gesehen. Zum Auftakt meiner 2016er Reihe „Extraordinary but fairly known British TV shows worth seeing!“ gibt es zur Feier des Tages sogar gleich zwei Serientipps. Die eine, „Twenty Twelve“, ist bereits abgeschlossen, die andere, „W1A“, erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit und hat zumindest noch kein offizielles Ende gefunden.

Beide Serien vereint nicht nur den verantwortlichen Autor, John Morton, sowie ein bewusst ähnliches Setting. Nein, „W1A“ ist nicht nur die geistige Fortsetzung von „Twenty Twelve“, die beiden Hauptpersonen aus „Twenty Twelve“ dürfen ihren Job auch in „W1A“ weiterhin nachgehen. Und wir ihnen dabei folgen. Und das ist teilweise schon sehr, sehr lustig.

Alle Klarheiten beseitigt? Dann können wir ja etwas tiefer einsteigen.

Twenty Twelve

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Name: Twenty Twelve
Genre: Mockumentary
Laufzeit: 30 Min.
Staffeln (Folgen): 2 (13)
Ausstrahlung: 14.03.2011 – 24.07.2012
Darsteller: Hugh Bonneville, Jessica Hynes, Amelia Bullmore, Olivia Colman, Vincent Franklin, Vincent Franklin und David Tennant (Sprecher)

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass diese Serie ihr natürliches Ende schon weit vor der ersten Folge bereits in sich trug. Bedingt natürlich durch sich selbst. Denn in „Twenty Twelve“ verfolgen wir den Alltag des Organisationskomitee der Olympischen Spiele 2012 in London. Wie bei einer Mockumentary üblich, verfolgen wir den Büroalltag der führenden Köpfe dieses Komitees, wir lauschen ihren Meetings, ihren Ideen, ihren Problemen und ihren Versuchen, diesen Problemen Herr (und Frau) zu werden. Zwischendurch sieht man immer wieder Einspieler von Interviewsequenzen der Hauptfiguren mit dem Filmteam.

Im Mittelpunkt stehen Ian Fletcher (Hugh Bonneville), der Leiter dieses Komitees, Kay Hope (Head of Sustainability), Nick Jowett (Head of Contracts), Graham Hitchins (Head of Infrastructure) sowie Sally Owen (Olivia Colman), die persönliche Assistentin von Ian Fletcher und last but not least Siobhan Sharpe (Jessica Hynes), verantwortlich für die Gestaltung und das “Gesicht” von Olympia 2012 in London im markettingtechnischen Sinne. Also Logos, Webauftritt, Jingles, Werbung und vor allem der PR der Spiele.

Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass sich die Truppe nicht gerade sehr professionell und kompetent anstellt. Was man sehr wohl feststellen kann, ist, dass sie es schon fast meisterlich verstehen, in derartigen Situationen, in denen ihre Inkompetenz offen zu Tage tritt, die gewohnt britische Zurückhaltung und Freundlichkeit, gepaart mit den Eigenschaften eines Managers, aufrechtzuerhalten, vor sich herzutragen und dabei mit allerlei hohlen und nichtssagenden Phrasen das Geschehene in einem positiven Licht darzustellen. Insbesondere Ian Fletcher, der mehr als einmal aufgrund der Unfähigkeit seiner Leute den Kopf in die Kamera halten muss, kann einem hier schon echt leid tun. Fletcher ist ein wenig der Einäugige unter den Blinden. Der Gesunde unter den Irren.

Neben Fletcher tritt insbesondere Siobhan Sharpe (Siobhan = „Sch“yvonne) in den Vordergrund, vor allem durch ihre Art Dinge “zu verkaufen”, ihrem nichtssagenden Werbesprech und vor allem ihre unsägliche Ahnungslosigkeit wenn Ian mal etwas genauer wissen möchte. Siobhan gelingt es aber immer wieder, sich galant aus diesen misslichen Lagen zu befreien und Ian ist zu zurückhaltend und freundlich, um genauer nachzufragen. So kennt man sie, diese Briten. Siobhan ist zudem Inhaberin einer PR-Agentur (Perfect Curve), deren Mitarbeiter das durchschnittliche unsägliche Kompetenzniveau noch unterschreiten.

Das ist das grds. Set Up der Serie. Durchweg sympathische Menschen sprechen über Dinge, von denen sie eigentlich keine Ahnung haben, aufgrund ihres Jobs, aber eigentlich Ahnung haben sollten. Und der Termin der Eröffnungsfeier von Olympia 2012 rückt immer näher. Keine einfache Aufgabe für Ian Fletcher. Aber der Truppe wird bestimmt etwas einfallen.

W1A

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Name: W1A
Genre: Mockumentary
Laufzeit: 30 Min.
Staffeln (Folgen): 2 (8)
Ausstrahlung: 19.03.2014 – 15.05.2015 (noch kein offizielles Ende verkündet)
Darsteller: Hugh Bonneville, Jessica Hynes, Monica Dolan, Rufus Jones, Sarah Parish, Nina Sosanya, Hugh Skinner und David Tennant (Sprecher)

Zunächst einmal klären wir den komischen Namen der Serie, Leser aus Mannheim dürften hier im Vorteil sein. W1A beschreibt nämlich die Adresse der BBC in London. Und schon haben wir auch die thematische Verortung der Serie, wir bleiben gleich beim ausstrahlenden Sender, der BBC. Ian Fletcher ist aufgrund seiner vorbildlichen Führung und Managements rund um Olympia 2012 zum Head of Values in der BBC gekürt worden. Herzlichen Glückwunsch.

Was diese Position als genaue Aufgabenbeschreibung hat, kann ich nicht wirklich beantworten, das weiß in der BBC nämlich auch niemand so genau. Er soll sich verantwortlich mit den Werten der BBC beschäftigen um diese zu stärken, neu zu definieren oder sie zu reaktivieren. Alles klar? Dies ist eines der großen Probleme, die Ian mit sich herumträgt, er weiß nicht genau, was die BBC von ihm erwartet. Dies mal anzusprechen … aber das mit der betonten Freundlichkeit und der britischen Zurückhaltung hatten wir ja schon.

Eigentlich müsste man jetzt das Wort “Unterstützt” benutzen, wer aber den Namen Siobhan Sharpe hier nicht zum ersten Mal liest, wird sich denken können, dass sie keine große Hilfe ist. Denn auch Siobhan hat es zur BBC gespült und dort soll sie sich vorrangig um die PR und das Logo der BBC kümmern. Allein diese Parts gehören zum amüsantestem was diese kleine Serie zu bieten hat.

Der Arbeitsalltag von Ian besteht also wiederum aus einer Abfolge von Meetings, in denen viel geredet aber nichts gesagt wird. Der Irrsinn, der dahinter steckt, wird in “W1A” sogar noch ein wenig mehr auf die Spitze getrieben als in “Twenty Twelve”. Was für den Zuschauer natürlich umso lustiger ist. Und wenn es gerade mal ruhig ist, kommt Siobhan bestimmt mit einer neuen PR Idee um die Ecke.

Ian Fletcher hat es wahrlich nicht leicht.

Fazit

Beide Serien sind geprägt von sympathischen Typen, einer freundlichen Heiterkeit und einem PR-Desaster nach dem Nächsten. Und man kann sicher sein, wenn man denkt, man habe gerade den sinnentleertesten Dialog ever gehört, der wird meistens vom nächsten Meeting eines besseren belehrt. Der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen hohlen Phrasen und gewichtigem Auftreten, diese Diskrepanz zwischen dem Quatsch, den die Figuren von sich geben und dem überaus sympathischen Setting der Serie und der Figuren macht den Reiz beider Serien aus.

Man muss allerdings der englischen Sprache schon mächtig sein, ich habe mir beispielsweise immer die englischen Untertitel dazu geschaltet, da ich den Dialogen ansonsten nur sehr schwer hätte folgen können. Aber der Humor der Serie kommt auch so sehr gut rüber. Dazu gehört auch der sympathische und humoreske Kommentar aus dem Off, gesprochen von David Tennant. In beiden Serien.

Was besonders schön ist, dass man mit Hugh Bonneville und Jessica Hynes genau die zwei richtigen Schauspieler bzw. Figuren aus “Twenty Twelve” mit rüber genommen hat nach “W1A”, denn die Chemie zwischen beiden ist adorable. Zudem waren und sind ihre Figuren die tragenden Säulen in beiden Serien. Und sie sind beide wahnsinnig witzig auf ihre Art und Weise. Damit wir uns hier nicht falsch verstehen, der Humor ist nicht offen und offensiv, so dass ihr auf dem Boden liegen werdet und euch den Bauch halten müsst. Es ist ein warmer Humor, ein Humor, der manchmal erst etwas später einsetzt, der euch einladen möchte, darüber zu lachen, wenn ihr dafür bereit seid – das hätte Siobhan wohl nicht besser ausdrücken können.

Beide Serien liefen bisher nicht in Deutschland und werden dies wohl auch in absehbarer Zeit nicht tun. Der Humor, der in der Serie steckt, hat dann doch sehr mit dem britischen Selbstverständnis zu tun und der Eigenschaft, sich auch mal selbst auf die Schüppe zu nehmen.

Wobei es auch kritische Stimmen gibt, allerdings zielen diese darauf ab, dass es hätte noch zugespitzer sein können, denn man wisse doch aus eigener Erfahrung, der Büroalltag in Zeiten von McKinsey und Roland Berger ist noch weitaus schlimmer.

Von mir kein Widerspruch.

Bilder: BBC

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