Ein würdiger Emergency Room-Nachfolger?

Code Black S01E01 – Pilot

03.10.15 14:05
Code BlackReview
SPOILER !!
Jonas
03.10.15

Es gab eine Zeit, da schaute ich sehr gerne Krankenhausserien. Es fing an mit Trapper John MD, eine Arztserie der 70er, mit der Sat1 Ende der 80er, Anfang der 90er das Programm füllte. Später dann freundete ich mich mit Chicago Hope und selbstverständlich Emergency Room an. Chicago Hope war mehr auf die Charaktere fokussiert, während Emergency Room durch viele schnelle Schnitte, hektische Notoperationen und durch einen Arzt-Slang im Maschinengewehrtempo (intubieren, Thoraxdrainage legen, …) eine neue Art der Arzt- und Krankenhausserie einleitete.

Code Black präsentiert sich in seinem Debut-Trailer genauso: Viel Action, Ärzte am Limit und emotionale Ereignisse. Um es vorweg zu nehmen, genau das hat der Pilot auch gehalten.

Worum geht es?

Code Black – der Name der Serie – beschreibt einen Zustand in der Notaufnahme, der ausgerufen wird, wenn nicht genügend Ressourcen für die Versorgung der Patienten zur Verfügung stehen. Quasi ein Ausnahmezustand, in dem nur noch reagiert und auf das beste gehofft werden kann. Die Serie spielt in einem Krankenhaus in Los Angeles, in welchem der Code Black an der Tagesordnung ist, sozusagen die härteste Notaufnahme in den USA.

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Die Serie startet mit jungen Ärzten, die direkt aus der Uni kommen, und von der Oberkrankenschwester – Jesse Sallander, der sich selbst „Mother“ nennt – in den zu erwartenden Wahnsinn eingeführt werden. Oberstes Ziel: Niemand der „Gäste“ in diesem Haus darf sterben. Kurz nach der Einweisung sehen wir dann auch die Protagonistin Dr. Leanne Rorish, gespielt von Marcia Gay Harden.  Gleich bei dem ersten Verletzten, der aus seinem halb zerschossenen Auto vom Parkplatz geholt werden muss und aus dessen Halsschlagader das Blut nur so spritzt, wendet sie eine experimentelle Behandlung an. Da der Patient zu verbluten droht, sie aber nicht so schnell die Wunde nähen und das Austreten des Blutes verhindern kann, tauscht sie das Blut mit kaltem Wasser (sofern ich das richtig verstanden habe) und versetzt den Patienten so in eine Art Winterschlaf. Diese Handlung wird vom anderen Arzt der Station, Neal Hudson (Raza Jaffrey, den wir noch aus Homeland kennen) kritisiert. Ihre Reaktion darauf, dass er lieber die Regeln befolgt, aber sie die Leben rettet, lautet (im Bezug auf die Krankenhausleitung):

You are the doctor they want, I am the doctor they need.

Nach diesem Intro folgt ein wahrer Rausch an Behandlungen, Hektik und Dramatik. Es wird wenig über die Charaktere erzählt, aber soweit sich das abschätzen lässt, entsprechen die jungen Ärzte den typischen Klischees: Der unsichere Typ, der kurz davor ist, grandios zu scheitern, aber von der talentierten jungen Kollegin auf den richtigen Pfad gebracht wird. Dann gibt es den Hot-Shot, der cool agiert und glaubt, alles zu können, oder aber die schon ältere Anwärterin unter den jungen Ärzten, die sich beweisen muss und am Ende doch noch alles richtig macht.

Eigentlich nicht viel Neues, aber die Präsentation und die Geschwindigkeit sind gelungen. Extrem übertrieben, aber spannend wird beispielsweise eine Notoperation im Krankenwagen dargestellt. Eine der jungen Ärzte ist im Wagen und steht im Stau, die schwangere Patientin ist ohnmächtig, das Kind muss aber zur Welt kommen. Die Anweisungen, wie das geht und was die unerfahrene Ärztin tun soll, erhält sie von der Oberärztin, während diese gleichzeitig bei vollem Stress in der Notaufnahme den Schädel eines Mannes aufbohren muss. Das Telefon legt sie auf den Körper des Patienten und gibt die Anweisungen, wie sie einen Kaiserschnitt durchzuführen hat. Einfach nur krass.

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Einige Heldenmomente hätte man sich allerdings sparen können. Beispielsweise stirbt der Vater einer Teenagerin. Sie ist komplett aufgelöst, beschuldigt die Ärzte und will auch nicht, dass der Vater als Spender seine Organe weiter gibt. Am Ende trifft sie ein Mädchen in ihrem Alter, welches durch den Vater gerettet wurde, beide sind total happy und alles ist gut – meiner Meinung nach ist das etwas zu viel.

44 Minuten in gefühlten 5

Code Black ist Emergency Room auf Speed. Ich finde das großartig. Wer auf hektische Momente in der Notaufnahme steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Die erste Folge fliegt fast nur so an einem vorbei und spart nicht mit Blut und Nahaufnahmen von Verletzungen – nichts für Zartbesaitete.  Damit die Serie langfristig funktioniert, müssen sich natürlich die Charaktere noch entwickeln, zu denen man noch nicht so viel im Pilot erfährt. Aber das kann man verzeihen, schließlich sollte man in der ersten Folge nicht zu viel pressen.

Fest steht, der erste Eindruck ist gut. Code Black könnte erfolgreich in die Fußstapfen des großen Bruders Emergency Room treten.

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