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Zu Besuch bei den Shinobis

Serientipp: „House of Ninjas“ (Netflix)

Mini-Spoiler
20. April 2024, 07:37 Uhr
Mini-Spoiler
Michael
20.04.24

Ich weiß auch nicht, wie das gekommen ist, aber auf einmal stand „House of Ninjas“ prominent ganz oben bei mir auf der Netflix-Oberfläche. Eine japanische Serie als Top-Tipp? Hmm. Mit Ninjas. Hmm-hmm. Ich hab’s erstmal nicht weiter beachtet, aber irgendwann musste ich dann doch mal reinschauen. Und ich bin dabei geblieben, die ganzen acht Folgen lang. Obwohl sich „House of Ninjas“ komisch anfühlt. Mal wie einer der billigen B- oder C-Movies aus Japan. Mal wie ein hochspannender Polit-Thriller. Mal wie einer dieser Ninja-Action-Klassiker. Aber man kriegt „House of Ninjas“ einfach nicht in eine Schublade; und das macht wohl gerade den Reiz dieser Produktion aus.

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„House of Ninjas“ basiert auf einer Geschichte von Kento Kaku, Yoshiaki Murao und Takafumi Imai, und Dave Boyle hat sie für Netflix als Serie umgesetzt. Er ist Amerikaner, hat aber Japanisch studiert und hat mit seinem bisherigen Schaffen entsprechende Duftmarken gesetzt: „Big Dreams Little Tokyo“ zum Beispiel, das in Japantown in Sydney spielt, oder „White on Rice“, der den Jury-Preis des Los Angeles Asian Pacific Film Festivals bekommen hat. Oder „Man from Reno“ auf dem Los Angeles Film Festival ausgezeichnet. „House of Ninjas“ ist seine erste Serienproduktion. Und er ist dabei nicht nur der Autor, sondern auch der Regisseur, und wer Boyles Stil mag, wird auch hier schnell reinfinden und sich wohlfühlen. Boyle mag die ungewöhnliche Perspektive aufs Geschehen, den besonderen Blick auf Augenhöhe der Protagonist:innen, die beobachtende Vogelperspektive, oder auch den hautnahen Kontakt zum Geschehen, insbesondere bei den Actionszenen.

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Davon gibt es in „House of Ninjas“ einige – aber nicht so viele, wie man vermuten würde. Die acht Folgen vermitteln auch viel Ruhe, lassen Ereignisse wirken, lassen Raum für Beobachtungen durch uns Zuschauer:innen aufs Geschehen. Dave Boyle lässt es sich trotzdem nicht nehmen, ein paar für japanisches Kino typische Elemente einzubinden – schnelles Einzoomen in eine Szenerie zum Beispiel, mitunter schräges Overacting einzelner Figuren, oder auch ein mitunter absurder Soundtrack, bei dem man vermuten würde, dass er einzig dazu da ist, den visuellen Eindruck zu zerstören oder zumindest zu beschädigen. Zu Beginn der Folgen erzählt Boyle auch gerne eine kurze Vorgeschichte, die durchaus auch einmal in einem anderen Stil daherkommt – ein schönes Detail. Wer über all das hinweg schauen kann – oder sogar Gefallen daran findet, wird mit „House of Ninjas“ sicher glücklich. Wie ich letztlich übrigens auch.

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Was hat es jetzt auf sich mit den Ninjas? Zunächst nicht viel, möchte man meinen, denn wir sind zu Gast bei einer normalen Familie irgendwo in Japan. Die Serie dreht sich um die Tawaras, die, wie wir dann herausfinden, eine Shinobi-Familie ist, die im heutigen Japan vordergründig normalen Tätigkeiten nachgeht – aber in einem traditionellen „Haus der Ninjas“ lebt und eine Ninja-Vergangenheit hat. Vor sechs Jahren starb der älteste Sohn während einer Mission zur Rettung einer entführten Politikerin, und die Tawaras zogen sich zurück in ein normales Leben. Das zeigt die Serie zunächst in aller Ausführlichkeit – und auch, wie fast jedes Familienmitglied im Stillen doch weiter die alten Kräfte und Traditionen lebt. Das ist mitunter ganz schön erzählt – fast schon nach traditionellem Schema und stereotypischer Rollenverteilung, so dass man ganz gut in das Serien-Setting reinkommt. Yoko Tawara möchte aus ihrer Rolle als Hausfrau ausbrechen und nimmt heimlich Aufträge einer Art Ninja-Behörde an, die für sich auch wieder hier und da recht merkwürdig und zum Teil sehr stereotypisch zusammengesetzt ist. Haru Tawara hadert mit seiner Geschichte und fühlt sich mitverantwortlich für den Tod seines Bruders. Die jüngere Schwester Nagi Tawara versucht die Tradition am Leben zu erhalten, indem sie nachts Dinge aus Museen und Einrichtungen stiehlt, nur um sie Tage später wieder unbemerkt wieder am gleichen Ort zu platzieren. Bei Großmutter Taki Tawara merkt man gleich, dass sie im Laufe der Serie noch eine besondere Rolle spielen wird. Sie erklärt dem jüngsten Sohn Riku Tawara, der nichts von der Familientradition weiß, dass die Tawars aus der Linie des großen Samurai und Ninja Hattori Hanzō stammen. Überhaupt legt die Serie viel Wert auf die Einordnung der Traditionen der Ninjas – oder Shinobis – in den aktuellen Kontext.

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Ist das Setting für uns soweit gesetzt, kann’s losgehen: Durch die Verbindung zwischen dem schicksalhaften Geschehen vor sechs Jahren und dem Nachhängen der Familie nach alten Traditionen kommt Bewegung in die Handlung von heute. Die Serie teilt sich dann praktisch in zwei Teile – den eben beschriebenen, vorbereitenden Teil, und dann die Bewältigung des Schicksals aus den Ereignissen der Vergangenheit im zweiten Teil, getrennt durch eine recht aufwändige Kampfszene zum Ende der 4. Folge.

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Dave Boyle umwickelt die vielen Geschichten und Anekdoten zur Geschichte der Ninjas in der Jetzt-Zeit noch mit ein paar klassischen Erzählelementen. Es geht wie schon beschrieben natürlich auch um Rollenbilder und Familien-Identitäten, aber es gibt auch eine klassische Liebesgeschichte, den Konflikt mit einer Art Endgegner, und eine Geschichte mit einer Journalistin, die alles für uns ein wenig ordnet und dokumentiert – bis Karen Ito selbst in die Handlung mit hineingezogen wird.

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Man kann also viel Spaß haben mit „House of Ninjas“ – wenn man auf die Entdeckungsreise zu den Shinobis geht und sich darauf einlässt, sich einmal vorzustellen, was Ninjas eigentlich in der heutigen Zeit machen (würden). Belohnt wird man wie gesagt mit einer guten Inszenierung mit vielen klassischen Elementen aus ganz unterschiedlichen Einstellungen, mit einer tollen Cinematography-Arbeit von Shoji Ehara und mit vielen verwirrenden, aber amüsanten Ereignissen, die „House of Ninjas“ insgesamt sehenswert machen.

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Bilder: Netflix

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