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Wer kann das alles noch bezahlen?

Kommentar: Der wachsende Überfluss an Streamingdiensten

Spoilerfrei
Nicola
13.01.21

In keinem Jahr ist der Ansturm auf die Streamingdienste wohl so in die Höhe geschossen, wie im Jahr 2020. Aufgrund der Lockdowns hatten die Menschen mehr Zeit, um sich in die unzähligen Seriendschungel von Netflix, Amazon Prime, Sky, Disney+ und vielen weiteren zu stürzen. Die Streamingdienste boomen regelrecht in Deutschland. Laut einer von Goldbach Media durchgeführten Studie verfügen bereits über 41 Millionen Deutsche über ein Konto bei mindestens einem Streaming-Anbieter. In einer weiteren Umfrage kam heraus, dass bereits im Jahr 2019 auf 13 Millionen Abonnenten um die 26 Millionen Abos kommen. Das heißt also: Jeder von ihnen besitzt im Durchschnitt Zugang zu zwei Streaming-Anbietern.

Früher war alles besser?

In gewisser Hinsicht bestimmt. Wir haben lediglich die Rundfunkbeiträge gezahlt und uns im privaten Fernsehen mit der Werbung rumschlagen müssen. Heute ist das alles etwas komplizierter. Wo genau läuft eine Serie nun und auf welchem Streaming-Anbieter wird sie nun ausgestrahlt? Ist meine Serie plötzlich von Amazon Prime zu Netflix gewandert? Dann ist es natürlich doof, wenn man nur das Abonnement für einen der Anbieter besitzt. Und so wird man gewissermaßen dazu gezwungen, sich doch noch ein weiteres Abo zuzulegen. Durch das veränderte Sehverhalten wird das sogenannte „Zappen“ aus Zeiten des linearen Fernsehens nun durch das „Switchen“ zwischen unseren unzähligen Abos ersetzt. Bietet etwa Netflix gerade nichts nach meiner Stimmung an, schaue ich mich auf Amazon Prime, Sky oder Disney+ um.

Die wachsende Anzahl an Anbietern

War bis vor ein paar Jahren die Auswahl an Streamingdiensten noch relativ überschaubar, so wird der Markt nun regelrecht von ihnen überflutet. Einige halten sich dabei weniger gut als andere, im Regelfall jedoch bleiben die Anbieter bestehen. In Deutschland haben Nutzerinnen und Nutzer mittlerweile eine Auswahl von mehr als sieben großen Streamingdiensten. Hierbei sind die einzelnen Abo-Möglichkeiten von Channels bei Amazon Prime oder die verschiedenen Abo-Modelle bei Sky noch nicht eingeschlossen. Doch hierbei stellt sich eine Frage: Wenn man das gesamte Programm und die Vielfalt aller Dienste genießen möchte, wie soll man sich das leisten können? Dieses Jahr wird zudem noch ein weiterer großer Anbieter sich einreihen. HBO Max hält Einzug in Europa. Zwar werden die HBO-Serien durch einen Exklusivvertrag zunächst weiterhin auf Sky laufen, jedoch ist noch unklar, wie es im nächsten Jahr aussehen wird. Wird man dann noch ein weiteres Abonnement brauchen?

Der Spaß wird also immer teurer

HBO ist nicht der erste Sender, der sich von den großen Streaming-Anbieter zu lösen versucht. Das beste Beispiel hierfür ist eindeutig Disney+. Nach und nach verschwinden alle Disney-Produktionen von Amazon Prime und Netflix. Um euch zu verdeutlichen, wie hoch die Ausgaben in ungefähr aussehen (da ich, bevor ich das alles zusammengesucht hatte, ebenfalls kaum eine ungefähre Vorstellung hatte) führen wir einmal eine Bespielrechnung durch.

Nehmen wir an, ein Haushalt bezieht Kabelfernsehen. Der Kabelanschluss kostet in Deutschland inklusive HD-Empfang ungefähr 30€ im Monat. Dazu kommen die 17,50€ Rundfunkbeiträge (da die Erhöhung auf 18,36€ zum jetzigen Stand noch blockiert wird). Das macht ohne das Abonnement von einem Streamingdienst bereits Kosten von 47,50€, also knapp 50 Euro für einen Haushalt im Monat. Durch das Abo von allein drei der sieben Streamingdienste, kann sich diese Summe ganz schnell verdoppeln. Abonniert man die drei großen Anbieter Sky, Netflix und Amazon Prime kommt man auf einen monatlichen Kostenzuschlag von ca. 39€. Ein Abo von Disney+ und Apple-TV+ ergeben noch einmal weitere 11 Euro obendrauf, ebenso die Abonnements von Joyn+ und TV Now.

Welche Lösung gibt es?

Leider gibt es im deutschen Raum noch nicht wirklich eine Lösung für dieses Problem. Doch in den USA wächst zur Zeit zunehmend ein Anbieter: Roku-TV. Bei Roku-Tv handelt es sich tatsächlich um so eine Art Fernsehsender oder besser ausgedrückt: Streamingsender. Mit einem Abo von Roku-TV holt man sich gleichzeitig das Abo mehrerer Streamingdienste, sowie Zugang zu vielen Blockbustern und Serien. Channels wie Netflix werden teilweise dazu gebucht, jedoch besteht mit einem Abonnement zu 30 Dollar bereits Zugang zu um die 10.000 Programme. Der einzige Haken an der Sache: Es gibt kurze Werbeblöcke. Aber wird das die Zukunft der Streamingdienste? Werden sie durch große Anbieter wie Roku-TV ersetzt und in Bundles verkauft und am Ende des Tages sitzen wir doch wieder da und schauen uns Werbung an? Der Grundgedanke jedenfalls ist kein schlechter.

Meine Meinung zu der Sache

Ich jedenfalls möchte gerne weiterhin die Serienvielfalt stärken und auch den kleinen Formaten auf Netflix, Amazon und Co. die Möglichkeit geben, zu wachsen. Die Vielfalt der Serienlandschaft möchte ich definitiv nicht mehr missen, allerdings würde mir ein Bundle zu einem vergünstigten Preis auch sehr gefallen und dafür würde ich mir tatsächlich noch den ein oder anderen kurzen Werbeblock ansehen. Und da heutzutage online genügend Daten über mich gesammelt werden, bekomme ich so vielleicht für mich selbst relevantere Werbung zu sehen, was mich höchstwahrscheinlich weniger stören würde, als die unrelevante Werbung im linearen Fernsehen. Es bedarf meines Erachtens nach definitiv eines Umdenkens, um dem Großteil der Bevölkerung die gleichen Möglichkeiten zu bieten. Denn ich gehe stark davon aus, dass irgendwann das Ende erreicht ist und viele Haushalte sich es nicht nur nicht mehr leisten können, sondern auch nicht mehr leisten wollen, eine Hand voll Streaming-Anbieter zu abonnieren.

Bilder: NBC, FOX

2 Kommentare

  • Naja, dazu muss man allerdings auch sagen, dass es ziemlich einfach ist, die jeweiligen Dienste mal eben so zu kündigen und später wieder neu zu abonnieren.Sprich: Wenn man nur ein gewisses Budget hat, schaut man eben mal einen Monat Netflix um dort eine neue Staffel der jeweiligen Lieblingsserie zu sehen, kündigt dann um zu Prime zu wechseln, schaut dort was man sehen will, dann wechselt man vielleicht wieder zu Netflix für einen Monat, dann zu Disney+ usw.

    Aber das wichtigste an der ganzen Sache ist: Man MUSS nicht alles sehen! Ich würde z.B sehr gerne „Ted Lasso“ sehen, aber werde den Teufel tun und Apple jemals wieder Geld in den Rachen schmeissen. (Bin immer noch sauer, weil mein 1000€ MacBook von vor 10 Jahren im Endeffekt viel weniger draufhatte, als mein 300€ Netbook.) Und im Endeffekt ist mein Leben nicht wirklich schlechter geworden, nur weil ich bis jetzt nicht eine Folge davon gesehen habe und es vielleicht auch nie werde. Es gibt einfach zu viele andere Dinge, die bei den Streamern zu sehen sind, die ich abonniert habe. Das erinnert mich da schon an meine Kindheit.

    Ich mag diesen Begriff zwar nicht, aber im Endeffekt ist es ein sehr einfach vermeidbares „First World Problem“. Ja, das Prinzip dahinter, dieses „Jeder Rechteinhaber hat nun seinen eigenen Streamingdienst“ ist schon ärgerlich, da stimme ich zu. Aber im Endeffekt beeinflusst es mich auch nicht wirklich, weil die Auswahl immer noch groß genug ist.

  • Fallout Boy

    Mit den zahlreicher-werdenden Streamingdiensten könnte ich allein schon leben; für mich ist das Problem, dass alle diese Dienste meinen, sie müssten selbst immer mehr und mehr Filme und Serien produzieren. Leider wird durch die Quantität aber die Qualität nicht besser, sondern meiner Meinung nach nur schlechter.

    Am Beispiel Netflix meine ich z.B. auch zu erkennen, wohin diese ganze „Auswertung“ von Zuschauervorlieben im Hintergrund führt: Fast jede Serie ist ähnlich aufgebaut: Gleiche Zusammensetzung an Darstellern (Ethnien, Geschlechter, Rollen, Klischees, etc…) – Hauptsache für Jede(n) ist was dabei. Natürlich ist nicht alles 100%ig identisch, aber große Ausreißer gibt es gefühlt nicht. Das wäre ja auch in Ordnung, wenn man nicht den Eindruck gewinnen könnte, der Großteil der Produktionen richte sich an US-Teenager oder junge Erwachsene inkl. der bekannten US-Moralvorstellungen. Bei manchen Serien und ihrem moralinsauren Anschauungen zur Sexualmoral, muss man sich glatt wundern, warum die Nordamerikaner noch nicht ausgestorben sind, wenn die menschliche Fortpflanzung so tabuisiert wird und teilweise in einer solchen Grundschüler-Manier („Er hat Penis gesagt – hahahahahaha“) kommentiert wird. Aber gut, das war schon immer so und wird nur noch immer schlimmer. Zurück zur fehlenden Qualität:

    Wenn ich mich an Top-Serien der letzten Jahrzehnte wie Akte X, Buffy, HIMYM, Breaking Bad, The Wire, Mad Men, 30 Rock, Lost, True Detective erinnere und mir ansehe, was Netflix, Amazon und Apple in den letzten Jahren dagegen vorzuweisen haben, sieht es mit Dark, Stranger Things und Haus des Geldes (mehr Gutes fällt mir beim besten Willen nicht ein) jetzt nicht sooo rosig aus. Zumal man hier auch ganz stark das Gefühl hat, die Qualität und die Spannung fällt schnell ab (Dark: 2 von 3 Staffeln top, Bei Stranger Things war für mich schon nach einer Staffel die Luft raus und auch Haus des Geldes halte ich eher für durchwachsen). Die richtigen Knaller mit anhaltender Qualität und Spannung fehlen mir da einfach.

    Da können noch so viele neue Serien und Filme selbstproduziert werden, davon berührt mich der absolute Großteil nicht mal oberflächlich. Entweder hat sich mein Geschmack so stark verändert, oder es ist einfach alles nicht wirklich der Bringer. Ich weiß auch nicht, wer sich diese ganze Masse nach Neu- und Eigenproduktionen alles noch ansehen soll? Ich will es auch schon gar nicht mehr, weil entweder ist schon die Pilotfolge so dermaßen lahm, dass man sich danach bereits um die verlorene Lebenszeit grämt oder die Qualität fällt in den nächsten Folgen so stark ab, dass man die Staffel oftmals nicht zu Ende bringt. Mir wäre lieber die Streamingdienste würden eher weniger, aber dafür deutlich bessere Inhalte produzieren. Zur Not auch einfach gar nichts mehr selbst machen und alles zukaufen, was aber natürlich wieder den Gewinn schmälern würde…


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