Äpfel und Birnen?

Kommentar: Serie vs. Film – Der immerwährende Kampf?

06.11.19 16:17
KommentarSerien
Spoilerfrei
Kira
06.11.19

Es ist schon irgendwie sonderhaft, dieser unausgesprochene, aber dennoch allgegenwärtige und dauerhafte Kampf zwischen Filmen und Serien – oder besser gesagt: zwischen Film- und Serienliebhabern. Bist du eher der Film- oder der Serientyp? Ja muss ich mich da denn entscheiden? Geht es nicht um die perfekte Mischung aus beiden? Ich möchte heute einen genaueren Blick auf den Kampf der beiden Formate werfen und herausfinden, was uns eigentlich dazu bewegt, uns auf eine Seite schlagen zu müssen.

„Ich bin nicht so der Serientyp“

Zum Nachdenken gebracht hat mich ein Gespräch, das ich vor Kurzem mit einem neuen Kollegen geführt habe. Als Auftakt des Gesprächs habe ich den Start des „Breaking Bad“-Films „El Camino“ gewählt und ihn gefragt, ob er denn auch „Breaking Bad“-Fan sei und den finalen Film zur Serie schauen werde. Gefährliches Terrain, denn als bekennender Fan der besten Serie aller Zeiten kann die Antwort, die von jemandem auf diese Frage gegeben wird, uns schnell zu solidarischen Kumpanen werden lassen – oder aber eine unheilbare Wunde in die Beziehung reißen. Die Antwort fiel leider weder für noch gegen „Breaking Bad“ aus. Sie fiel einfach mal komplett gegen Serien aus.

Okay. Moment. Das gibt es? Jemanden, der keine Serien schaut? Hier musste ich weiter nachstochern – um herauszufinden, dass die Abneigung gegenüber Serien einzig und allein aus dem Suchtfaktor hervorgegangen ist, den diese mit sich bringen. Dass man sich schon zu oft in der Situation wiedergefunden habe, nicht aufhören zu können und dem Binge-Watching-Begriff alle Ehre gemacht hat. Und dass man aus Eigenschutz nur noch hier und da mal einen Film schaue, um nicht wieder so viel Zeit zu verschwenden. Mein Herz blutete. Und ich habe sofort den Auftrag als meinen verspürt, diese verlorene Serienseele bekehren zu wollen. Aber warum? Ist es nicht völlig legitim, sich selbst mehr den Filmen hinzugezogen zu fühlen? Oder gegebenenfalls auch weder Filme noch Serien zu mögen?

Film vs. Serie

Ich schreibe für einen Serien-Blog, da bin ich wohl ganz automatisch eher der „Serientyp“. Heißt aber nicht, dass ich nicht auch, wenn nicht sogar genauso gerne Filme schaue. Nach einem lang andauernden Serienmarathon bin ich mehr als bereit, mal wieder einen ganz normalen Spielfilm von zwei Stunden zu schauen und zu wissen, dass ich da dann mein Ende habe. Ohne realistische Chance auf Fortsetzung. Schluss, aus. Kein womöglich jahrelanges Warten auf eine neue Staffel, kein Grübeln, wie es nach dem Cliffhanger wohl weitergehen wird – wenn dann im Zweifelsfall eine kurze Ohnmacht, dass es eben nicht weitergeht. Ja, Filme sind schon was Tolles. Gerade im Kino. Denn das ist den Filmen vorbehalten. Den bildgewaltigen Epen. Aber Moment… Lief nicht die Spezialepisode „The Abominable Bride“ von „Sherlock“ damals in ausgewählten Kinos? Waren nicht auch einzelne Folgen von „Game of Thrones“ im Kino zu sehen?

Fakt ist: Seitdem sich unsere einst so genannten „Fernsehserien“ von der Qualität her so stark den Filmen angenähert und diese häufig auch übertroffen haben, können wir noch weniger Unterschiede zwischen Filmen und Serien ausmachen und projizieren unsere verwöhnten Sehweisen von Serien auf Filme, die uns plötzlich zunehmend oberflächlich und kurz erscheinen können, wenn wir sie mancher Komplexität und Charaktertiefe von Serienhandlungen und -figuren gegenüberstellen. Maik ging da vor einiger Zeit sogar noch weiter und hat sich und euch gefragt, ob Serien uns mittlerweile sogar das Filmvergnügen kaputt machen? Pushen sich Serien und Filme aber nicht vielmehr gegenseitig in die richtige Richtung?

Stop comparing!

Bücher werden für Filmformate adaptiert, werden zu Serien gemacht. Filme werden zu Serien und aus Serien entstehen Filme. Mit „El Camino“ bekommt eine überaus erfolgreiche Serie ein Filmende. „Downton Abbey“ bekommt nach Serienende noch ein großes Finale – und zwar als Film, der zunächst in den Kinos zu sehen ist. Filme und Serien sind sich in den vergangenen Jahren so nah gekommen, sie bedingen einander beinahe schon in ihrer Entwicklung. Und dennoch kreisen wir immer wieder um die gleiche Frage: Was ist besser? Was ist der Ursprung der Unterhaltung? Fabio fragt sich, ob denn alle neuen Erzählstoffe, womöglich aus Trendgründen, vermehrt zu Serien als zu Filmen verarbeitet werden müssen, auch wenn ihre Story nicht mehr als 120 Minuten Material hergibt, stellt aber ganz klar auch heraus, dass wir anderenfalls wohl einige schöne Stoffe gar nicht erst zu sehen bekommen würden.

Ich finde mit Filmen und Serien ist es so ziemlich das gleiche Spiel wie mit Büchern und Verfilmungen. Wir neigen immer dazu, Vergleiche anzustellen und uns auf eine Seite, nämlich die Bessere, zu schlagen. Wir sollten uns lieber davon freimachen und versuchen, diese Medien erstmal nur für sich zu betrachten. Denn was am Ende zählt, ist doch immer die Qualität, die Unterhaltung, die Kunst des Films oder der Serie, uns in eine andere Welt zu entführen und mitzureißen – sei es für 60, 120 oder 3.000 Minuten.

Nichtsdestotrotz kann man seine Gefühle ja nicht verleugnen. Und ganz intuitiv schlägt das eine Herz halt mehr für Serien, während das andere bei Filmen mehr hüpft. Und wie sieht es da bei euch aus?

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