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Mein TV-Aufreger der Woche: Disney+ feiert sich für erweiterte Jugendschutzfunktion

13.03.21 08:13
TV
Spoilerfrei
Michael
13.03.21

Okay, das ist dann doch schon strategisch irgendwie clever gemacht von Disney, auch wenn mich das persönlich ziemlich ärgert, weil ich’s ein bisschen unredlich finde. Vor einem Jahr hat man Disney+ als familenfreundliches Streamingangebot an den Start gebracht – ausschließlich mit FSK12 oder noch kinderfreundlicheren Titeln im Programm. Der Aufschrei bei den Erwachsenen war natürlich einigermaßen groß, auch bei uns wie in diesem Kommentar von mir zu dieser Sache.

Dann hieß es irgendwann: Okay, dann bringen wir ein Erwachsenenangebot an den Start, nennen es STAR und präsentieren damit ganz, ganz viele Serien und Filmen aus dem weitläufigen Disney-Regal. Das hat man dann nicht nur als große Angebotserweiterung verkauft, sondern damit auch endlich einen Jugendschutz eingeführt sowie die Möglichkeit, personenbezogene Profile anzulegen. Also eigentlich ein Standard, den alle anderen Streamingdienste sowieso mitbringen. Wozu also die Aufregung ein knappes Jahr lang?

Disney hat das so verkauft: „Damit Disney+ auch weiterhin ein sicheres Umfeld für Familien bleibt, das altersgerechte Unterhaltung in allen Facetten für Kinder bereithält, gibt Disney+ allen Nutzern gleichzeitig zum Launch von STAR dank einer verbesserten Kindersicherung die Möglichkeit, auch weiterhin die volle Kontrolle über die abrufbaren Inhalte zu behalten.“

Der Clou kommt aber jetzt: Denn heute lässt sich Disney für diesen erweiterten Jugendschutz feiern und kassiert unter anderem das Gütesiegel der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM e.V.). Die Begründung: Die neue verbesserte Kindersicherung beinhaltet nun zudem die Option, den Zugang zu Titeln für bestimmte Profile auf der Grundlage von Inhaltsbewertungen zu beschränken. Das heißt konkret: Wird das Angebot von STAR aufgerufen, können Abonnenten ihre Einwilligung für den Zugriff auf Inhalte für ältere Jugendliche (ab 16 Jahren) und Erwachsene erteilen. Im Anschluss lässt sich die freigegebene Altersstufe für jedes Profil ganz nach Wunsch auf 0, 6, 12, 16 oder 18 Jahre festlegen. Wird diese Einstellung nicht vorgenommen, bleibt Disney+ bei der aktuellen Altersfreigabe von 12 Jahren, wobei eine Änderung jederzeit in den Profileinstellungen möglich ist. Die neue Funktion erlaubt es also, verschiedene Profile mit unterschiedlichen Altersfreigaben zu versehen. Außerdem wird es möglich sein, eine PIN zu erstellen, um Profile mit Zugang zu Inhalten für eine höhere Altersstufe zu sperren. Eine weitere Möglichkeit, sichere Inhalte für Kinder auszuwählen, bietet nach wie vor die Download-Funktion für mobile Geräte: Eltern können Filme und Serien für ihre Kinder herunterladen, die zu einem späteren Zeitpunkt offline angeschaut werden können.

Neben der Erweiterung der Jugendschutzfunktionen in der App, ist Disney+ seit Januar dieses Jahres auch Mitglied der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM e.V.). Als solches verpflichtet sich der Streaming-Service sowohl die gesetzlich vorgegebenen als auch die von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) erarbeiteten Kriterien strikt einzuhalten. Zusätzlich wurde nach Prüfung durch die Gutachterkommission der FSM an Disney+ das Gütesiegel für Jugendschutzprogramme vergeben. Das Prüfsiegel soll es laut Disney Eltern nun noch einfacher, Disney+ als sichere Anwendung für jugendschutzkonforme Unterhaltung auf den ersten Blick zu erkennen.

Wer auch immer sich diese Strategie der Fokussierung auf Familienfreundlichkeit und erweiterten Jugendschutz bei Disney ausgedacht hat – Gratulation zu diesen cleveren Schachzüge. Aber ganz ehrlich: Ich find’s nüchtern betrachtet ziemlich albern, sich für eine Jugendschutz-Funktion feiern zu lassen, die überall sonst Standard ist.

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