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Kleines Comeback

Review: Better Call Saul S06E10 – „Nippy“

ACHTUNG: SPOILER !!
26. Juli 2022, 10:15 Uhr
SPOILER !!
Maik
26.07.22

Nachdem die letzten Episoden vieles in Bewegung und zum vermeintlichen Teil-Abschluss gebracht hatten, war klar, dass es anders weiter gehen würde. Aber nicht so ganz, wie das genau aussehen würde. Dass Gene irgendwann in den ausstehenden Episoden nochmal ausführlicher in Aktion treten würde, hatten wir alle erwartet, teilweise sogar, dass es direkt komplett überspringen könnte. Das glaube ich zwar nicht, aber diese Woche habe wir eine komplette Gene-Folge spendiert bekommen – und die hatte ordentlich Zuckerguss drauf!

Eine weitere Theorie, die in dieser Folge ausdrucksstark untermauert wird, ist, dass die Vorspann-Grafiken mehr und mehr verblassen und in VHS-Schlieren verschwinden, weil Gene sich immer wieder die alten Saul-Aufnahmen in Erinnerung bringt. Doch damit wird clever Schluss gemacht, indem nicht nur das Alte gestoppt sondern auf „REC(ORD)“ gestellt wird, was symbolisiert, dass ein neues Kapitel geschrieben wird.

Die Einführung in diese Gene-Zwischengeschichte ist mal wieder Textbook-„Better Call Saul“, wird sich doch viel Zeit genommen, um die Figur der Miriam sowie ihr Aufeinandertreffen mit Gene zu inszenieren. Der Cheddar von Executive Producer Thomas Schnauz kam dabei nicht ganz so gut weg…

„Call me Gene!“ (Saul)

Hat Gene sich jetzt etwa einen Hund angeschafft? Nein, schnell wird klar, dass er hier lediglich etwas im Schilde führt. Wie tiefgreifend das ist, wird klar, als der Taxifahrer nach Hause kommt. Wobei, zunächst nicht ganz, wurde doch der Schauspieler gewechselt, was die Rückbezug-Erinnerung an Staffel Fünf ein bisschen erschwert hat. Immerhin trug er noch das gleiche Shirt wie damals.

Gefallen hat mir, wie mit Soundtrack aber vor allem visueller Inszenierung beim Müllraustragen direkt klargemacht wurde, dass von der Eitel-Sonnenschein-Fassade auf zwielichtigen Kriminal-Talk umgeswitcht wird. Gene lockt den Erpresser mit Aussicht auf Zutritt in „das Spiel“ – also die ganz großen Sachen. Bereits zu diesem Zeitpunkt merken wir, dass noch jede Menge Saul Goodman in Gene steckt und er es nicht verlernt hat, andere Menschen mit Sweet Talk zu manipulieren. Visuell wird das Schlüpfen in die alte Saul-Rolle durch das Aufsetzen eines alten Ringes unterstützt.

Und dann startet der eigentliche Coup, wobei wir interessanterweise nicht den Plan vorab erfahren, sondern uns nach und nach zusammenreimen müssen dürfen, was Gene da im Schilde führt. Bei der Inspektion der Mall Security trifft er auf Sport- und Süßkram-Fan Frank (gespielt von Jim O’Heir, der Jerry in „Parks and Recreation“ war). Beim ersten Aufeinandertreffen hat mir gefallen, wie Gene sich mit kurzen Phrasen durch das Gespräch über ein anderes „Game“ durch wieselt. In der anschließenden Montage stecken viele kleine schöne Details, zum Beispiel der Wandel der Securities, die ihm letztlich vorfreudig die Tür aufsummen oder dass Gene Sportberichte paukt, um mitreden zu können. Ein aufwendiges Ritual wird etabliert, das Vertrauen schaffen und vor allem Zeit messen soll.

Was mich an dieser Stelle jedoch gestört hat, war, dass der Security sich von sich aus prinzipiell von den Monitoren abgewendet hinsetzt. Er scheint seinen Job ansonsten recht ernst zu nehmen, setzt sich aber nicht automatisch an die andere Seite des Tisches, um das Geschehen zumindest peripher im Auge zu behalten. Oder dreht sich auch so mal um. Mir ist klar, dass das sonst alles nicht funktioniert hätte, wirkt auf mich aber nicht ganz authentisch.

Wie viel Energie Gene in die Vorbereitungen steckt, wird deutlich, als wir ihn (nach einem sehr gelungenen Übergangs-Schnitt) beim Ablaufen eines auf einem Feld nachgebauten Grundrisses sehen. Dort wird mit eingänglichen Produktreimen das Abrennen der Mall-Stationen geübt und eine sehr direkte Walter-White-Referenz fallengelassen:

„Crazy… I tell you what’s crazy! 50 year old high school chemistry teacher comes into my office. The guy is so broke, he can’t pay his own morgage. One year later he got a pile of cash as big as his Volkswagen. THAT’S crazy!“ (Saul)

Wunderbar fand ich die „Aaaannnd scene!“-Geste, die Gene nach seinem Telefonat zu sich selbst gemacht hat. Ein kleiner Rückbezug auf seine Saul-Zeiten, der so viel gegeben hat.

Insgesamt ist es schön, mal wieder so einen Coup in Aktion zu sehen – ja, Gene aka Saul aka Jimmy kann es noch! Eine Sache, die mir jedoch nicht gefallen hat, war die unglaubwürdige Zeit-Darstellung. Drei Minuten Zeit gab es, um sehr umständlich aus dieser Kiste zu krabbeln, in die Mall zu rennen (etliche Türen scheinen nachts einfach problemlos durchschreitbar zu sein), Sachen abzugreifen sowie Sicherheits-Chips abzuschneiden (wo sind die eigentlich hin?), zurück zu rennen und alles in der Box zu verstauen. Das klingt bereits mit den beim Training aufgesagten Reimen und einem Durchlauf knapp – und dann rennt der nochmal hoch und die Reime gehen bis Stufe 20?! Selbst wenn jede dieser Stufen nur zehn Sekunden benötigen würde, wäre man bei 200 Sekunden und somit bereits über dem Zeitlimit von 180 Sekunden. Ne, das wirkte auf mich nicht realistisch. Dafür hat mich der „Slippy Jeffy“-Moment erfolgreich überraschen können, hatte ich das angeordnete Polieren bereits vergessen und lediglich als Charakterisierung der eingeführten Figur abgestempelt gehabt.

„What am I doing?! Look at me! I don’t know, I don’t know…“ (Saul)

Zuletzt muss ich leider Frank nochmals kritisieren. Dass es dem Security nicht auffällt, wie oft Gene sehr offensichtlich an ihm vorbei auf die Monitore schaut, passt auch nicht ganz. Mal kann man das als „In die Ferne schauen und sinnieren“ erachten, klar, das war teilweise aber sehr direkt, so dass er zumindest kurz checken müsste, ob da was ist. Aber gut, ist halt so, und spannend war es ja dennoch inszeniert.

Gut geschafft hat man es dagegen, selbst der abschließenden Phase nach dem durchgeführten Coup gewaltig Bedeutung einzuräumen. Gene macht den Erpresser-„Freunden“ klar, dass er nichts mehr mit ihnen zu tun haben möchte, wobei ich bezweifle, ob es das nun wirklich war. Ja, er hat jetzt auch was gegen sie in der Hand, werden die jedoch bei etwas erwischt, können sie ihn widerum problemlos dran bekommen. Und da sie sichtlich euphorisiert aus der Sache gegangen sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass die die Füße stillhalten werden, jetzt, wo sie eine Kostprobe des „Games“ bekommen haben. Ohne ein Mastermind wie Gene wird es schwer, da nicht geschnappt zu werden.

„Alberquerque? Never been.“ (Gene)

Gefreut hat mich aber auch die letzte Einstellung, in der Gene quasi zum Tatort zurückkehrt und auch selbst sichtlich beflügelt ist. In einem kurzen Anflug von Saul-Reaktivierung schaut er sich sogar eine auffällige Hemd-Krawatten-Kombi an, legt das Set aber letztlich wieder weg im Wissen, dass es einfach zu gefährlich wäre und er es sich nicht leisten kann. Aber es kribbelt in ihm und offensichtlich kann er sein eigentliches Ich nicht auf Dauer verschließen.

Manche Leute scheinen diese Episode als eher unpassende Füll-Folge anzusehen, was ich nicht so empfinde. Für mich ist „Nippy“ eine Art Abgrenzungs-Folge, die nicht nur eine Geschichte aus der letzten Staffel vermeintlich abschließt, sondern so viel über den uns zuvor rudimentär präsentierten Gene zeigt. Letztlich wird mit diesem erfolgreichen „Rückfall“ in alte Saul-Tage auch eine große Tür aufgestoßen, was die weiteren Folgen angeht. Vielleicht hat das Weghängen des Hemdes repräsentieren können, dass es das für immer war und der Coup die letzte Aktion dargestellt hat, vielleicht ist das aber auch nur der Anfang und Gene setzt alles auf eine Karte und nimmt die Gefahr einer Verhaftung in Kauf, um wieder sich selbst spüren zu können.

Die kleineren Zurechtbiegungen mit den Securities hat mir nicht gänzlich gefallen, ansonsten hat die Folge aber viele schöne kleine Elemente für uns parat gehabt. Es war wunderbar, mal wieder so einen ausgetüftelten Plan kompakt in seiner Vorbereitung und Durchführung zu sehen zu bekommen. Da hat nicht nur Gene erneut Geschmack dran gefunden!

Der seit dieser Staffelhälfte übliche kleine Audio-Fetzen am Ende der Folge, der auf die nächste Episode hinweisen soll, lässt mich im Glauben, dass es sich um Sauls Worte handelt, die an Kim gerichtet sind. Vielleicht bekommen wir sie dann nochmal zu sehen. Eine reine Gene-Fortsetzung über die letzten drei Episoden hinweg wird es meiner Meinung nach nicht geben. Eher zweieinhalb aus der großen Saul-Zeit vor dem Aufeinandertreffen mit Walt und Jesse und dann einen abschließenden Gene-Sprinkle on top.

Bilder: AMC / Netflix

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10 Kommentare

  • Aurelius

    Ich kann den Security verstehen.
    Ich esse bei der Arbeit auch nie vor’m Monitor.
    Routine ausblenden.
    Zimtschnecke genießen.
    Fühl ich!

    • Hehe, okay, das ist ein Argument! ;)
      Ist aber ja nicht seine reguläre Pause, sondern ein Mittendrin-Snack, den er anscheinend nicht einmalige sondern wochenlang täglich(?) zu sich genommen hat.

      • Aurelius

        …doch seine Statur läßt auch auf eine besondere Leidenschaft schließen, die durchaus zu Pflichtvergessenheit führen kann. 😉

      • Dass liegt daran, dass er immer den Kollegen auf die Parkplatz-Runde gehen lässt! :P

      • Aurelius

        …weil er keine verurteilende Blicke ernten möchte, wenn ihn seine Leidenschaft übermannt. 😜

      • Dabei nimmt sein Kollege, den er auf die Parkplatz-Runde schickt, seine Zimtschnecke ja auch mit.
        Um sie ebenfalls in einer „dunklen Ecke“ leidenschaftlich zu verputzen?
        Ach, hätten sich die beiden Securitys ihre Liebe doch gestanden…ihre Liebe für Zimtschnecken…Dann hätte sich Gene/Saul nicht noch eines Verbrechens schuldig machen können, weil immer nur ein Serucity seine Zimtschnecke mampft während der andere die Monitore im Auge behält.
        Wenn das kein Stoff für ein Spin-Off ist. ;)

  • Netter Touch: Die Musik während der Planungsmontage war Lalo Shifrins JIM ON THE MOVE, ein Stück aus dem Soundtrack der alten MISSION: IMPOSSIBLE Serie.

  • Wolfgang von Bockenheim

    Hat eigentlich niemand die Stanley Kubrick-Referenz erkannt?



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