Was ist "Devs"?

Review: Devs S01E01 – Episode 1

SPOILER !!
Maik
06.03.20

Anfang des Jahres hatte ich Trailer zur neuen FX-/Hulu-Serie „Devs“ hier im Blog gebracht. Was so richtig die Handlung der Sci-Fi-Coder-Serie sein würde, kam dabei nicht wirklich raus, also bin ich recht offen und ohne viele Erwartungen an die heute Nacht veröffentlichte erste Folge gestartet (es gab eine Doppelfolge zu Beginn, aber ich kam bislang lediglich zum Schauen des Piloten). Um es vorweg zu nehmen: Es ist anders als erwartet und so richtig weiß ich noch immer nicht, worum es geht. Wobei, doch: Mystery!

Der Beginn wirkt bereits skurril. Aufnahmen, die einem als Zuschauer zunächst nichts sagen, Personen, die vor sich hin fluchen und vor allem bereits jetzt dramatische Musik. Nein, „Devs“ nimmt sich wenig bis gar keine Zeit für lockerleichte Einführungs-Spielchen, einen Spaziergang später wird es bereits ernst. Zunächst „nur“ arbeitsseitig für Sergei, Spezialist im Bereich künstlicher Intelligenz und in einer Art Pitch-Meeting mit Forest (Nick Offerman), dem haarigen Chef der Firma Amaya. Algorithmus-basierte Bewegungsvorhersage von Kleinstelebewesen hat zumindest so weit überzeugt, dass Sergei direkt mal befördert wird – in die Abteilung „Devs“. Aber, was ist das überhaupt?

„You Russian, she Chinese, me nervous.“ – „Why?!“ (Sicherheitsmann & Sergei)

Schnell wird klar, dass zumindest ein großes Ass im Ärmel der Serie vor allem Geheimnistuerei ist. „Mystery“ halt. Das gilt jedoch nicht nur für uns Zuschauer, sondern auch für den Charakter des Sergei. Er durchläuft ein intensives Sicherheitsprotokoll und erhält auf viele Fragen nur andeutende Antworten. So richtig sollen nicht mal die Mitarbeiter der Abteilung wissen, was sie da eigentlich genau machen. Okay…

Durch einen Wald mit äußeren Baumringen gelaufen und an goldenen Pfeilern vorbei, die vor allem für perspektivisches Kameraspiel dienen, geht es zu einem gigantischen Betonklotz. Ein Magnet-geführter Horizontal-Fahrstuhl gewährt Zutritt in einen schwebenden Würfel, in dessen Mitte eine anscheinend ultra-mächtige Maschine steht (die wie eine große Murmelbahn aussieht).

„How many cubics is it running?“ – „Huh! A number that seems pointless to express as a number.“ (Sergei & Forest)

Die Einführung verläuft fix: „Es gibt äußerst flexible Arbeitszeiten, hier ist dein Platz – viel Spaß!“. Sergei verzweifelt bereits nach wenigen Momenten und lässt sich das alles nochmal durch den Kopf gehen. Und hier beginnt es, wirklich ernst zu werden. Denn nein, er verzweifelt nicht etwa an zu schwer zu verstehendem Programmier-Code, er weiß ganz genau, was er da liest. Und genau das bringt ihn zur Verzweiflung. Im Gespräch mit Neu-Kollegin Katie wird angedeutet, dass der Code „alles ändern“ kann – und nichts ändern würde. Für den Zuschauer ist nur klar, dass es gewaltig innovativ ist, und irgendwas mit Sergeis Armbanduhr sein muss. Zumindest das löst sich relativ fix aus, hat die doch ein gewisses „James Bond“-Feature, das Datentransfer erlaubt. Dieser Diebstahl geschah jedoch berechnend, wie Forest zugibt. Ein jedes Handeln habe seine Ursache.

Weshalb der Soundtrack bereits die ganze Zeit so nervenaufreibend ist, obwohl eigentlich noch gar nichts Konkretes passiert war, zeigt sich dann doch, als nämlich sehr konkret jemand umgebracht wird. Sergei will fliehen, darf aber nicht, und es wird deutlich schneller düsterer, als ich im Vorfeld anzunehmen wagte.

Wirklich interessant wird es jedoch erst danach. Sergeis Freundin Lily sorgt sich natürlich um den Vermissten. Videoaufnahmen zufolge hat Dev (einigermaßen) normal (45 Minuten lang!) das Firmengelände verlassen. In meinem Kopf rattert es bereits. Ist dieser auf dem Bildschirm zu sehende Sergei ein Roboter-Ersatz mit künstlicher Intelligenz?

Nur gut, dass Lily Data Encryption Expert ist und sich an Sergeis Backup-Passwort erinnern kann. Die nerdigen Zahlenreihenspielchen zugetane Entwicklerin hat dann aber doch Probleme mit einer gestellten Sudoku-Aufgabe und wendet sich – an ihren Ex? Dass der erstmal keine Lust darauf hat, seinen Nachfolger zu retten, leuchtet ein, dass er aber spätestens in der übernächsten Folge auf der Matte stehen dürfte, wissen wir doch glaube ich alle, oder?

Sergei kommt dann jedenfalls doch zurück. Laut Videobericht. Um sich selbst anzuzünden. Kein guter erster Arbeitstag, möchte man meinen. Eindrucksvoll fand ich, in welcher Intensität und mit welcher Überzeugungskraft Sonoya Mizuno die Schocktrauer gespielt hat, die ihr Charakter beim Anblick des verkohlten Körpers empfunden hat. Aber auch Foster scheint diese eigentlich geplante Begebenheit mit dem „geklauten“ (im Sinne von freigelassenen) Code mitzunehmen. Gerade hier wird interessant, welche ethischen Dilemmas zukünftig noch zum Vorschein kommen könnten.

Ich bin ein bisschen hin und her gerissen. Natürlich hat die Folge Neugier geschürt. Was ist „Devs“ denn nun wirklich, und welche Machenschaften stecken hinter den mysteriösen Gegebenheiten? Auch scheint mit der Cast gut zu spielen und die visuelle Inszenierung ist sehr atmosphärisch gestaltet, inklusive einiger sehr gelungener Bildkompositionen. Aber so ganz überzeugt bin ich dennoch noch nicht. Vielleicht war es mein Fehler, nicht direkt Folge Zwei hinterher zu schauen (hole ich noch nach, versprochen!), denn aktuell wirkt es doch eher nach dem One-Trick-Pony mit dem Spiel der Geheimnistuerei. Das war mir teils zu plump. Ebenso wirkte die Musik gerade zu Beginn etwas unpassend, auch wenn sie sehr wirksam war.

Insgesamt war das aber auch bei Weitem nicht schlecht. Ich bin gespannt, wie sich das Gebilde im Laufe der weiteren sieben Episoden dieser Miniserie auflösen wird. Und, ob die offensichtliche Benamung von Forest nun wirklich etwas mit diesem kreis-illuminierten Wald zu tun hat oder einfach nur „schön klingt“.

Leider steht noch nicht fest, wann und wo „Devs“ dann auch in Deutschland über reguläre Kanäle zu sehen sein wird.

Bilder: Hulu

2 Kommentare

  • Danke für den Tipp, Maik. Ich guck mir zumindest die erste Folge heute einmal an und bin gespannt wie mir die Serie gefällt ;)

    • Schreib gerne mal, wie du es fandest – bin auf deine Meinung gespannt! :) Irgendwas hat die Serie auf jeden Fall, die zweite Folge war auch ganz gefällig.


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