Inbegriff des Science Fiction

Review & Serientipp: Devs – Staffel 1 (Miniserie)

Mini-Spoiler
Maik
17.04.20

Das „Staffel 1“ im Titel ist in gewisser Weise eine Lüge, rein, damit ihr über Google und Co. eher hier hin findet. Denn eigentlich besitzt „Devs“ keine Staffeln, handelt es sich bei dem von Alex Garland geschaffenen und inszenierten Format doch um eine Miniserie. Sprich, die Folge, die in der Nacht zu Heute in den USA gezeigt worden ist, ist die letzte der kompletten Serie. Ende, aus, vorbei. Das ist aber gar nicht schlecht. Nicht, weil „Devs“ nicht gut sei, im Gegenteil, sondern, weil ich Fan abgeschlossener und durchdachter Handlungen bin. Und da bietet „Devs“ trotz der lediglich acht Episoden einiges, das auch darüber hinaus zum Nachdenken anregt.

„I‘m not afraid of you, man.“ – „Yeah, I see that. I just don‘t know, why.“ (Obdachloser & Securitychef)

Ich versuche euch in diesem Review-Schrägstrich-Serientipp möglichst spoilerfrei ein Bild von „Devs“ zu vermitteln. Zum Trailer hatte ich im Januar noch geschrieben, dass ich einen gehörigen „Ex Machina“-Vibe wahrnehme und Nick Offerman in seiner Rolle „bestimmt so einige Leichen im Keller und Lügen auf dem Tisch liegen hat“. Ersteres hat sich durchgängig bewahrheitet, Letzteres zwar auch, aber doch anders als zunächst gedacht. Auch die erste Folge, die ich hier rezensiert hatte zeigt nicht das komplette Abbild, im Nachhinein weiß ich also ganz gut, weshalb „Devs“ mit einer Doppelfolge gestartet ist.

Nicht ist, wie es scheint

Vor allem zu Beginn spielt „Devs“ viel mit dem Unbekannten. Das Geheimnisvolle Projekt, die abstrus erscheinenden Entwicklungen, der Soundtrack. Der hatte mich eingangs ja noch gestört, da er mir (auch im Nachhinein) in der ersten Folge noch zu übersteuert wirkt, aber danach wird auch er zu einer stabilen Konstante, die die Atmosphäre der Serie ausmacht. Parallel zur Hauptfigur der Lily Chan (die übrigens vortrefflich von Sonoya Mizuno gespielt wird, wenn auch minimal eindimensional, aber für die misstrauische und emotionale Person ideal besetzt!) bekommen wir zudem nach und nach aufgelöst, worum es denn nun genau geht. Mein absoluter „Dosenöffner“ war dazu die Episode 5, auch wenn diese kurioserweise bei IMDb verhältnismäßig schlecht bewertet ist, keine Ahnung, wieso.

In dieser Folge hat sich mir die Serie so richtig geöffnet. Nicht nur erzählerisch, was die Offenbarung rund um das mystische Devs-Department anbelangt, sondern auch visuell. Ja, es gab auch immer wieder zuvor schön in Szene gesetzte Aufnahmen zu sehen und zum Beispiel in der letzten Folge gibt es auch sehr ansehnliche Slowmotion-Passagen zu sehen, aber gerade das Spiel mit den menschlichen Collagen ist sehr gelungen, wie ich finde.

Der Inbegriff des Science Fiction

Wirkt „Devs“ zunächst wie ein total futuristischer Science-Fiction-Thriller, entpuppt sich das Format als erschreckend nah und nachvollziehbar. Nicht, dass unsere Technik dessen in naher Zukunft imstande sein dürfte, wenn überhaupt jemals, aber das Setting wirkt irgendwie realistisch und nicht so weit entfernt. Und statt zeitreisender Terminatoren oder Alien-beschießenden Raumschiffen gibt es hier quasi richtige Science Fiction zu sehen. Mit Betonung auf der Wissenschaft. Denn das Nerdtum durchzieht „Devs“ schon gehörig, was bereits mit der Silicon-Valley-artigen Campus-Gestaltung, der vielen Tech-Jünglinge und letztlich auch dem CEO-Messiah-Gehabe abgebildet wird.

„Life is just something we watch unfold. Like pictures on a screen.“ (Forest)

Durch die theoretische Authentizität der Wissenschaft bietet „Devs“ entsprechend Raum für philosophische Fragen und eine ethische Betrachtung. Das beginnt bei den Figuren und hört beim Zuschauer auf. Was sollten wir Menschen machen dürfen und wovon tunlichst die Finger lassen? Was ist vertretbar, was sollte nie und nimmer eine Möglichkeit sein dürfen? Zwischendurch hatte ich so meine Zweifel an der Theorie und Durchführung. Ich will hier nicht zu viel vorwegnehmen, daher in Spoiler-Manier: Die „man kann nichts ändern“-Logik fand ich nicht komplett erklärbar. Das wirkte auch in der Umsetzung nicht immer stimmig, wenn Lily dann eben doch bei Devs auftaucht oder mit der Waffe rausgeht. Das hat sich dann aber ja am Ende aufgelöst, indem sie doch einen freien Willen offenbart hat. Dass die Maschine nicht weiter gelaufen ist, habe ich jedoch nicht ganz verstanden, das dürfte wohl mit den verschiedenen Welten zusammenhängen, so dass Lilys Waffen-Wegwurf eine andere war?

Insgesamt hat mir „Devs“ sehr gut gefallen. Nicht alles war perfekt, keine Frage. Manche Figuren tauchten auf und dann unter, wie es ihnen gepasst hat (vor allem der bissige Wachhund Kenton), der Sound war gerade anfangs übersteuert und die prinzipielle Abhängigkeit von der Theorie hat nicht vollends gepasst. Dennoch war „Devs“ vor allem eines: besonders. Natürlich hat Alex Garland bereits Filme dieser Art gemacht, in der Serienwelt weiß „Devs“ aber durchaus einen frischen Wind generiert zu haben. Und das eben weil es eigentlich gar nicht frisch ist. Das Pacing ist angenehm zurückgenommen, die ganze Inszenierung überschwillt nur so mit Schwere, aber „Gewicht ist Zeichen für Qualität“, wie es so schön im Film „Snatch“ heißt. Alles wirkt kompakt, die Erzähl-Systematik wirkt durchdacht und vor allem gibt es selbst in der Darstellung der kleinen vorausschauenden Intro-Sequenzen zum Beginn einer Folge oder dem sich auflösenden Titelschriftzug einen sehr passenden Bezug zur zentralen Basis des kompletten Geschichte.

Leider ist noch immer nicht bekannt, wann und wo „Devs“ denn dann nun endlich regulär in Deutschland laufen wird. Am 15. April hat die Serie immerhin über BBC Two einen europäischen Sendeplatz gefunden. Hoffen wir mal, dass es bald bei einem Streaming-Dienstleister unseres Vertrauens landen wird.

Bilder: Hulu / FX

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