Marcella ermittelt wieder

Review: Marcella – Staffel 3

27.06.20 14:14
ReviewTV
Mini-Spoiler
Michael
27.06.20

Marcella Backland ist wieder da, beziehungsweise Keira May Devlin. So heißt Marcella nämlich jetzt, 18 Monate nach ihrem Verschwinden am Ende von Staffel 2. Obwohl, für die meisten Menschen ist Marcella ja auch einfach gestorben, bei einem Brand umgekommen. Jetzt ist sie als Undercover-Polizistin Keira May Devlin auf der irischen Insel unterwegs. Ein neuer Fall also, Marcella wieder im Einsatz.

Und dabei müssen wir uns erst einmal an vieles gewöhnen: Die neue Optik mit den blonden Haaren, dazu die Tatsache, dass sie nicht wirklich als Polizistin rüberkommt (okay, war bisher auch schon ein besonderer Fall, jetzt ist’s aber nochmal anders im Undercover-Einsatz), dazu fehlen ihre Aussetzer (zumindest in der ersten Hälfte der Staffel), und der alte Cast fehlt irgendwie. Doch Halt: Immerhin taucht Detective Inspector Rav Sangha auf, ihn spült ein aktueller Fall ausgerechnet in auf die irische Insel. Und natürlich bleibt es nicht dabei, es kommt zur Konfrontation. Das ist allerdings eher enttäuschend umgesetzt. Rav entdeckt Marcella bei einer Überwachung, und bei den späteren Begegnungen im Verhörraum und im Haus der Maguires, wo Marcella ermittelnd gelandet ist, wird viel Potenzial liegengelassen. In diesem zufälligen Zusammentreffen war eh schon wenig Zufall, sondern sehr viel konstruiert. Dennoch war die Vorlage gut, leider wurde nicht viel daraus gemacht. Überhaupt bleibt Rav in der Staffel blass, das war schade.

Die ersten beiden Staffeln haben nicht nur die spannenden Fälle ausgemacht, sondern auch die Abgründe, in die Marcella immer wieder gelaufen ist. Sei es bei den Fällen, oder auch bei den persönlichen Ereignissen. Momente mit höchster Fallhöhe, die auch richtig was mit uns Zuschauern gemacht haben. Dazu Marcellas extrem instabile Psyche, mit den Blackouts, die viel verändern konnten, die einem selbst beim Zuschauen Angst gemacht haben. Davon sehen wir lange gar nichts, weil sie offensichtlich trainiert ist und gut eingestellt ist. Erst in der Mitte der Staffel kehrt dieses Element zurück, und da hat’s dann auch gleich wieder diese „Marcella“-Momente – wenn zum Beispiel feststeht, dass sie selbst ihre Stalkerin ist. Leider bleibt’s bei diesen wenigen Momenten.

Denn die Story ist dann wirklich müde angelegt: Ein patriarchisch geführte Familie, deren Dynastie die Altvordere unbedingt erhalten will; zwei Brüder, die sich nicht ausstehen können, der eine bisexuell, der anderen der totale Neurotiker. Dann der durchgeknallte Schwager, der alles falsch macht und letztlich geopfert wird. Alles leider so extrem durchsichtig, so stereotypisch, so aufgesetzt – eine einzige Enttäuschung. Dass sich am Ende alle irgendwie gegenseitig umbringen – keine Überraschung. Erst kann zum Schluss kriegt’s nochmal einen wenigstens kleinen Dreh, als Keira wieder zu Marcella wird und wieder eine Tochter hat – um mit ihr und neuer Identität zu verschwinden. Ob’s gut geht? Das lässt die Staffel offen, vermutlich auch, um einer vierten Staffel die Tür zu öffnen. Da dürfte sich dann Marcella wohl auf der Flucht befinden – ob’s was wird, werden wir sehen.

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