Eine außergewöhnliche Liebe

Review: Normal People – Staffel 1

27.06.20 17:25
Review
Mini-Spoiler
Fabio
27.06.20

Normal People Marianne Connell

Manchmal begleitet einen die Jugendliebe ein Leben lang. Eine solche Verbindung haben auch die Protagonisten Connell und Marieanne aus der romantischen Drama-Serie „Normal People“. Beide treffen erstmals in der Schulzeit in einer irischen Kleinstadt aufeinander, wo sich der beliebte Schüler und die Außenseiterin näherkommen und ineinander verlieben. Da sie aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammen, verbergen sie ihre Beziehung vor ihren Freunden. Und obwohl im weiteren Lebensverlauf jeder seines eigenen Weges geht, finden die beiden immer wieder zueinander.

Die einfühlsame Liebesgeschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sally Rooney, die auch am Drehbuch mitwirkte und zeigt die talentierten Jungdarsteller Daisy Edgar-Jones als Marianne und Paul Mescal als Connell. Die beiden Schauspieler sind es auch, die der einfach gestrickten Erzählung Leben einhauchen und einen intimen Blick auf die Verstrickungen einer jungen Liebe über den Zeitraum von vier Jahren gewähren. Der Bücherwurm Connell trifft erstmals auf Marieanne, als er seine Mutter von ihrem Haushälter-Job bei Marieannes Eltern abholt. Von Beginn an ist klar, dass es zwischen den beiden eine Verbindung gibt. Schon kurz darauf kommt es zum ersten Kuss und unbeholfenen körperlichen Annährungen. Vor ihren Mitschülern halten sie ihre Beziehung allerdings geheim. Woran das wirklich liegt, erschließt sich mir nicht ganz. Selbst im katholischen Irland dürften offene Liebesbekundungen unter Teenagern nicht mehr für Aufsehen sorgen. Zumal die Geheimhaltung überwiegend von Connell ausgeht. Selbst seine Mutter kann die Geheimnistuerei des Sohnes nicht verstehen. Das Verschweigen führt dann leider auch zu mehreren Unannehmlichkeiten. Marianne wird von ihren Mitschülern mehrmals vor Connells Augen ausgegrenzt und beleidigt, ohne dass dieser einschreitet.

„I would never pretend to not know you, Connell.“

Marianne wendet sich aber erst von Connell ab, als er ein anderes Mädchen zum Abschlussball einlädt. Dank Daisy Edgar-Jones‘ feinfühliger Darstellung, wirken die Enttäuschung auch für den Zuschauer ganz real. Ihr Charisma trägt auch einen entscheidenden Anteil an der emotionalen Wirkung, die die Serie entfaltet. Auf imposante Weise wandelt sie sich vom Teenager zum Erwachsenen, der immer mehr weiß, was er will.

Normal People Marianne

Mit dem Beginn des Studiums auf dem Trinity College, ändern sich die Rollen. Die inzwischen mit mehr Selbstbewusstsein ausgestattete Marianne findet im Gegensatz zu früher schnell neue Freunde. Derweil tut sich Connell noch schwer und wird zunehmend zurückhaltender. Immer wieder gerät er vor Kommilitonen ins stottern. Als Connells Schulkamerad Selbstmord begeht, treibt ihn dies in eine tiefe Depression, die ihn auch professionelle Hilfe aufsuchen lässt. Obwohl man als Zuschauer keinerlei Zugang zu seinem Freund aufbauen konnte, trifft einen Connells Zustand heftig. Welche familiären Probleme Marieanne hat, deutet sich erst im späteren Verlauf an. Der Vater verstorben, der Bruder ein Grobian und die Mutter abweisend – kein Wunder, dass Marianne sich unverstanden fühlt. Als beide auf dem College über gemeinsame Freunde wieder aneinander geraten, knüpfen sie wieder da an, wo sie aufgehört haben. Erneut wird eine leidenschaftliche Beziehung entfacht und der Zuschauer ist sprichwörtlich hautnah dabei, wie die unumgängliche Anziehungskraft sich Bahn bricht. Dabei dient die dargestellte Nacktheit nicht dem Selbstzweck, sondern schildert deren Art der Kommunikation. Wo offene Worte fehlen, scheinen sie zumindest im Schlafzimmer all ihre Barrieren ablegen zu können. Dank dem Verzicht von überstilisierten Mitteln, fallen die Liebesszenen authentisch aus. Unterlegt mit seichtem Indie-Pop vermitteln sie ein wohliges Gefühl von Intimität. Die musikalische Untermalung drängt sich nicht auf, sondern ist vielmehr ein leiser Begleiter.

Normal People

Dennoch schaffen es die beiden nicht ernsthaft zusammen zu bleiben. Stattdessen versuchen sie sich immer wieder mit anderen Partnern. Marianne entdeckt dabei auch eine neue, devote Seite an sich. Trotz neuer Beziehungen, bleiben sie die Zeit über in Kontakt und so ahnt auch schon der Zuschauer, dass sie früher oder später wieder zueinander finden. Durch sämtliche 12 Folgen hinweg, gelingt es der Serie gut ohne kitschige Liebeserklärungen auszukommen und stattdessen Gesten und Blicke sprechen zu lassen. Auch die Entwicklungen der beiden Figuren sind spannend, wobei ich mir gewünscht hätte, dass sich die Persönlichkeiten auch in der Kleidung und dem Look der Figuren wiederspiegeln. Damit hätte man auch eine erkennbare Trennung zwischen den Lebensabschnitten gehabt. Die Kulissen hingegen, die von grünen Wiesen über abgelegene Feldwege bis hin zum Urlaubsausflug in Italien reichen, betten sich gekonnt in das romantische Setting ein und sorgen für ein behagliches Gefühl. Ich möchte das Ende nicht vorwegnehmen, aber selbst am Schluss sind nicht alle Probleme und Sorgen vom Tisch. Denn wie im realen Leben auch, sind die Dinge nicht immer ganz einfach und so liegt es am Zuschauer sich eine mögliche Zukunft für die beiden auszumalen. Zumindest solange bis eine zweite Staffel ansteht.

„I don’t know, maybe that’s normal?“ „It’s not.“

Fazit

Bewegende Romanze mit einem bezaubernden Cast, die die Höhen und Tiefen einer jungen Liebe auf intime Weise schildert ohne in Kitsch zu Verfallen. Und auch wenn die Story kaum Neues bietet, so vermittelt sie dennoch eine emotionale Tiefe, die größtenteils von ihren Hauptdarstellern getragen wird.

„Normal People“ ist ab dem 16. Juli auf Starzplay verfügbar.

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