Naive Parodie

Review: Medical Police – Staffel 1

Spoilerfrei
Maik
22.01.20

Ich habe heute die letzten Folgen von „Medical Police“ gesehen und ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz, wieso. Der Trailer zur am 10. Januar auf Netflix gestarteten neuen Comedy-Serie war bereits so semi-lustig und hat im Nachhinein auch einige Überraschungsmomente vorweggenommen. Aber ich hatte Hoffnung auf eine Überraschung und Lust auf neues Lustiges. Wobei, „Medical Police“ ist genauso neu, wie es lustig ist – gar nicht mal soo sehr. Denn eigentlich handelt es sich um einen direkten inhaltlichen Ableger der Serie „Childrens Hospital“, die Medizinserien parodiert hat. Dieses Mal geht es um Spionage-Thriller! Und Medizin…

Wie ein Autounfall…

Stellt sich erneut die Frage, weshalb ich es denn nun zuende geschaut habe? Zum einen natürlich, weil ich meiner journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommen wollte, um euch hier von meiner Erfahrung zu berichten, damit ihr sie ggf. nicht machen müsst. Aber tatsächlich auch, weil es doch gar nicht so übel war. Wie bei einem Autounfall konnte ich dann doch nicht wegschauen. Denn mit welcher Überzeugung hier bewusst Blödsinn dargestellt wird, ist schon beachtenswert. Letztlich muss man sich dem Parodie-Faktor bewusst sein. Das ist keine ernst zu nehmende Serie, im Gegenteil, die nimmt sich selbst nicht mal ernst. Viel mehr erinnert sie an Klassiker wie „Die nackte Kanone“, was Übertreibungen, gelebte Naivität in Reinform und billige visuelle wie wörtliche Gags anbetrifft. Zwischendrin finden sich dann aber doch mal originelle Einfälle, die zu Schmunzlern führen und insgesamt ist „Medical Police“ in ihrer Dämlichkeit sogar stringenter als so manch ausgereiftes High-Budget-Drama. Denn in Überfülle vorkommende Plot-Holes und Ungereimtheiten werden stets direkt als solche angesprochen und dienen letztlich der parodisierenden Darstellung der Fehler in „echten“ Serien. Also könnte man auch sagen, alles, was an „Medical Police“ schlecht ist, ist eigentlich nur ein bewusster Spiegel der Fernsehkultur? Naja, etwas mehr darf es dann doch gerne sein.

Teilweise schafft „Medical Police“ das sogar. Die Handlung ist natürlich stereotypisch (Stichwort: Parodie), aber es gibt sie. Sogar einigermaßen stringent erzählt. Auch finden wir ein paar interessante Figuren, viele exotische Filmschauplätze und ein paar bekannte DarstellerInnen zu sehen.

Überraschender Cast

„Wir hätten da ein neues Projekt für dich. So eine Serie, in der zwei Doktoren in geheimer Mission dem Ursprung eines tödlichen Virus‘ auf der Spur sind und du sollst darin einen Mini-Part als Wasserrutschen-Experte einnehmen“. Das ist nicht wirklich ein Pitch, bei dem die Größen der TV-Industrie eigentlich den Hörer abheben dürften. Aber zum einen ist Netflix am anderen Ende der Leitung, zum anderen hat die Cast-Liste ja bereits den einen oder die andere weitere durchaus bekannte TV-Darstellende/n zu bieten. Wieso sollte Jon Hamm („Mad Men“) da also absagen? Oder Jason Schwarzman („Mozart in the Jungle“, „Fargo“)? Oder Fred Melamed („New Girl“, „Brooklyn Nine-Nine“)? Oder Michael Cera („Arrested Development“)? Oder Craig Robinson („The Office“, „Ghosted“)? Oder Joel McHale („Community“)? Oder… Okay, ich höre auf. Es sind jedenfalls überraschend viele Gaststars zugegen.

Und man muss allen lassen – vornehmlich den beiden Hauptdarstellenden Erinn Hayes und Rob Huebel – dass sie den Klamauk mit einer überraschenden Ernsthaftigkeit übermittelt bekommen. Das verdient auf gewisse Weise auch Bewunderung. Das Timing sitzt größtenteils und neben Slapstick gibt es sogar ein paar deutlich subtilere Mimiken zu sehen. Aber letztlich ist auch ein frittiertes Stück Pappe mit einem satten Klecks Sauce drauf und lecker angerichtet eben vor allem eines: ein Stück Pappe.

Und so bleibt es bei der größtenteils plumpen Unterhaltung, die halt mal zwischendrin geht, wenn gerade nichts anderes auf der Watchlist ist und man nicht allzu groß gefordert werden möchte. Wobei ich damit nicht sagen möchte, dass die Serie komplett dumm ist. Einige Referenzen sind sogar ziemlich smart gemacht und ich weiß die Liebe, die in manche Gags gesteckt wurde, auch durchaus zu schätzen. Insgesamt fehlt mir dann aber doch der große Humor und die Story fühlt sich über die zehn Episoden schon arg langgezogen und nicht gut in Punkto Dynamik erzählt. Aber wie gesagt: Alles nur Parodie.

Bilder: Netflix

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