Auf nach Harlem

Review: Run the World S01E01 – Pilot

Mini-Spoiler
Kira
10.05.21

In den ersten Sekunden von „Run the World“ stellt sich ein positives Gefühl ein: Es wird gesungen, getanzt, gelacht und getrunken – und am nächsten Morgen aufgrund der guten Party am Vorabend verschlafen. Nicht so schön, wenn ausgerechnet dann – wie bei Ella McFair – der erste Tag bei der neuen Arbeit ansteht. Gut, dass ihre langjährige Freundin sie kurz vor knapp aus den Federn wirft.

Phänomenale Frauen

Die vier Frauen, um die es in diesem Comedy-Drama geht, sind langjährige, sehr gut Freundinnen. Ella McFair, gespielt von Andrea Bordeaux, ist Autorin, doch nachdem ihr erstes Buch nicht die erhoffte Begeisterung ausgelöst hat, bittet sie eine alte Bekannte um einen Job und startet kurz darauf bei HotTeaDigest.com, einer Klatsch und Tratsch-Website, für die sie sich eigentlich zu qualifiziert fühlt. Der erste journalistische Auftrag, den sie erhält, bestätigt das direkt, denn sie soll ein Interview mit Rapper Soulja Boy zu seiner legendären Party führen, von dem sie prompt aufgrund ihrer „Reife“ abgelehnt wird. Immer an Ellas Seite und ihre Retterin in Not ist Renee Ross (Bresha Webb), über die wir in dieser Episode noch nicht sehr viel erfahren, außer, dass sie eine selbstbewusste, tanzbegeisterte Frau ist, die immer einen guten Spruch auf den Lippen hat und vermutlich für die meisten Schmunzler während der Episode sorgt.

„I’m a woman phenomenally. Phenomenal woman – that is me.“

Whitney Green (Amber Stevens West) macht direkt den Eindruck der selbstdisziplinierten, durchstrukturierten Frau. Sie plant eine Hochzeit, deren Gästeliste sich durch das Zutun vieler Menschen um sie herum verselbstständigt hat und mittlerweile schon mehr Leute zählt, die sie eher nicht kennt. Doch ganz intakt scheint auch die Beziehung zu ihrem Verlobten nicht zu sein, anderenfalls würde sie wohl nicht so leicht in Versuchung geraten wie es bereits in dieser ersten Episode der Fall ist. Und dann wäre da noch Sondi Hill (Corbin Reid), die mit ihrem Partner Matthew und seiner sechsjährigen Tochter zusammenlebt, zu der sie ein tolles Verhältnis hat. Doch als Sondi entscheidet, dass die Ballettschule, in der die Kleine Tanzunterricht hat und die schon bei den Sechsjährigen mit Ernährungstipps um die Ecke kommt, um die Kinder möglichst schlank zu halten, nicht die richtige für ihre Ziehtochter ist, geht Matthew das dann doch ein bisschen zu weit.

Das moderne „Sex and the City“?

Gelenkt wird die Story insgesamt sehr von Ella und ihrer Figur, zumindest im Rahmen dieser ersten Folge, ohne dass dennoch die anderen Charaktere zu kurz kommen. Da wird spannend zu sehen sein, wie sich der Flow der Serie weiterentwickelt. Besonders gut gefällt mir dabei die Darstellung der langjährigen Verbundenheit der vier Frauen und das Vertrauensverhältnis, das zwischen ihnen besteht. Frauen, die sich gegenseitig unterstützen und voran bringen auf dem Weg zu ihrem Ziel – gepaart mit ganz viel Humor und Charme und schönen Settings und Kostümen.

Ich komme nicht drumherum, als beim Schauen immer wieder Vergleiche zu „Sex and the City“ zu ziehen. Die Serie spielt eben in New York City, handelt von vier Frauen in ihren Dreißigern, die überaus gut befreundet sind und mit den Herausforderungen des Lebens zu kämpfen haben: Job(wechsel), Beziehung, Erziehung – und eine von ihnen ist Autorin. Und als dann noch die Aussage „he is my Big“ fällt, ist die Assoziation komplett. Doch „Run the World“ ist so viel mehr als „Sex and the City“. Die Zeiten haben sich geändert – was sehr gut ist, denn immerhin ist „Sex and the City“ bereits vor mehr als 20 Jahren an den Start gegangen. Beim Rewatch von SATC fallen immer wieder sexistische, diskriminierende und rassistische Dialoge auf, welche die Serie aus heutiger Sicht absolut rückständig erscheinen lässt. „Run the World“ rückt dagegen vier Schwarze Frauen in den Fokus, die sich auf dem Weg zur Weltherrschaft gegenseitig bestärken. They run the world.

Das könnte endlich mal wieder eine gute Comedyserie werden, die dennoch Tiefe hat und reale Frauenbilder zeichnet, die wirklich Identifikationspotenzial mit sich bringen. Ich freu mich auf die weiteren Folgen.

„Run the World“ ist von Autorin Leigh Davenport („Boomerang“) und Showrunnerin Yvette Lee Bowser („Dear White People“). Die erste Staffel umfasst acht Episoden und feiert am 16. Mai Weltpremiere. In Deutschland können wir sie über den Streamingdienst Starzplay sehen, der unter anderem über Prime Video Channels zu beziehen ist. Wöchentlich steht eine neue Episode zum Abruf bereit. Hier seht ihr den Trailer zur Serie.

Bilder: Jojo Whilden | STARZ

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