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Non sine periculo

Review: „The Gentlemen“ – Staffel 1

Mini-Spoiler
23. März 2024, 12:00 Uhr
Mini-Spoiler
Chris
23.03.24

Guy Ritchie – den kennt man. Regisseur von kleinen und größeren cineastischen Perlen wie „Bube, Dame, König, grAS“, „Snatch – Schweine und Diamanten“ oder „Rock N Rolla“. Das ist natürlich nur ein unvollständiger Auszug seines Oeuvres, allerdings sind das die Werke, die ich persönlich von ihm am coolsten finde. Im Jahr 2019 gab es einen neuen Film von ihm: „The Gentlemen“ – diese hatten, besetzt mit hochkarätigem Cast wie Matthew McConaughey oder Colin Farrell, ihren ersten großen Auftritt. Fünf Jahre später gewährt er ihnen einen Ausflug ins Seriengenre. Aber man darf sich hier nicht täuschen lassen. Bei gleichem Namen orientiert sich die Handlung dann eher lose an der des Films und auch die klangvollen Namen der Darsteller des Spielfilms fehlen hier. Aber das bedeutet ja nicht automatisch, dass das Ganze irgendwie schlechter sein sollte als das „Original“. Allerdings haben sich darüber schon andere Kritiker geäußert und ein solcher Vergleich ist auch nicht mein Ziel. Nein, ich möchte euch hier die seit dem 7. März 2024 bei Netflix online zu findende Serie vorstellen, die in 8 Episoden die Abenteuer des UN-Soldaten Edward „Eddie“ Horniman vorstellt. Beginnen wir gleich mit dem Hauptdarsteller, genau: mit Eddie!

Edward „Eddie“ Horniman (Theo James) ist ein Offizier bei der UN. Während seiner Dienstausübung im Ausland erfährt Edward, dank persönlicher Nachrichtenübergabe, vom nahenden Tod seines Vaters. Dieser ist nicht nur “irgendein“ Horniman, sondern der Herzog von Halstead. Also kehrt Eddie notgedrungen nach England auf das Familienanwesen zurück, wo alsbald die Testamentseröffnung stattfindet und Eddie sich, obgleich nicht der Erstgeborene, plötzlich als stolzer Herzog plus Erbe des nahezu kompletten Familienbesitzes samt 20 Bediensteten wiederfindet. Inklusive unterirdischer Hanfplantage, die jährlich für ihn 5 Millionen Pfund abwirft. Wer von der Familie da noch eingeweiht war in diesen kleinen Nebenerwerb von Papa? Wer weiß? Eddie schon mal nicht. Schließlich stand er freiwillig jahrelang in Diensten des Militärs mit Einsätzen auf der ganzen Welt, um so weit weg wie möglich von seinem Titel, seiner Familie und allem Standesdünkel zu sein. Doch alle seine Pläne werden durch den Tod von Papa Archibald durchkreuzt.

Freddy Horniman (Daniel Ings), ist Eddies älterer Bruder und somit seiner Meinung nach der rechtmäßige Erbe all dessen, was Herzog und Papa Archibald hinterlassen hat. In diesem Glauben lebte bisher auch exakt das Leben, welches Eddie nie haben wollte: Er genießt sein Dasein als gelangweilter Adeliger mit Drogen und Partys, der auf den Tod seines Vaters wartet, um endlich reich zu werden. Kein Wunder, dass ihn die Testamentseröffnung, gelinde gesagt, einen kräftigen Schlag in die Magengrube verpasst. Nichts mehr mit Reichtum und Dolce Vita. Ihm bleibt fast nichts, außer einem riesigen Berg von Schulden und seinen Gläubigern im Nacken. Was macht er nun? Das, was er am besten kann, nur noch extremer: sich völlig dem Alkohol und sämtlichen Drogen, die in seiner Reichweite landen, hingeben. Mit dem Erfolg, dass er von einem Bockmist in den nächsten schlittert. Er baut wirklich nur Mist, im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser reicht vom Anhäufen von Millionenschulden bei extrem zwielichtigen Genossen bis hin zu Schwerstkriminalität und etlichen Straftaten, die von anderen unter den Teppich gekehrt werden müssen. Freddy selbst bekommt natürlich nichts auf die Kette und braucht ständig andere, die ihm seinen Allerwertesten retten dürfen. Gerne Bruder Eddie, der hinter ihm herräumen und seine Probleme für ihn lösen muss oder auch Geoff, der Vertraute seines Vaters.

Geoff Seacombe, dargestellt von Vinnie Jones, einem alten Bekannten aller Guy Ritchie Fans, sorgt für Recht und Ordnung auf dem Landsitz. Welche Rolle Geoff genau hat, ist anfangs noch etwas nebulös. Augenscheinlich pflegt er ein auffällig gutes Verhältnis zu Lady Sabrina Halstead – auch wenn sie sich (zumindest in der deutsche Synchro) gegenseitig siezen und mit scheinbar großem Respekt behandeln. Zudem päppelt Geoff auch gern verletzte Tiere auf, die er im Wald auffindet. So hält er sich beispielsweise einen verletzten Fuchs in seiner Bude (die er übrigens nach Archibalds Tod geerbt hat!). Was aber viel wichtiger ist: Geoff hat immer einen guten Rat parat, egal worum es geht. Er verfügt über fast Yoda-ähnliche, unendliche Weisheit, ist ein Problemlöser durch und durch und verfügt zudem über typisch britischen Humor: schwarz und trocken.

Geoff: „Was jagen wir, euer Gnaden?“ Eddie: „Einen blauen Sportanzug!“

Natürlich hat er auch für den dauerhaft in Problemen steckenden und in Fettpfützen stampfenden Freddy immer guten Rat parat:

„Freddy. Glücklich ist, wer mit seinem Platz im Leben zufrieden ist“

Wenden wir uns nun ab von der Familie Horniman und schauen uns die anderen „Big Player“ an. Als da wäre Susan Glass, genannt Susie (Kay Scodelario). Die Tochter eines der größten Drogenbosse der örtlichen Szene, Billy Glass. Da Eddie, dank Freddy, der mal wieder in der Patsche sitzt und sehr, sehr viel Geld braucht, das Familienanwesen verhökern will, wird sie beim neuen Duke vorstellig. Susie legt ihm schnell dar, dass das nicht so einfach ist, da sich nämlich unterirdisch die bereits bekannte Großplantage befindet, die ihrer Familie und auch den Hornimans bereits schon erwähntes beachtliches (Neben-)Einkommen verschafft. Sie selbst lässt sich immer in ihrem schicken schwarzen Landrover herumkutschieren und taucht selten ohne ihr Leibwächter-Duo irgendwo auf.

Weiter wäre da noch Jimmy Chang (Michael Vu). Seine Aufgabe ist es, sich um die Aufzucht der Marihuanapflanzen zu kümmern, diese zu hegen und zu pflegen, und deren THC-Gehalt durch seine Liebe (oder egal wie) zu maximieren. Leider probiert Jimmy auch sehr oft von den „Früchten seiner Arbeit“ und nimmt entsprechend selten richtig nüchtern am Leben in der realen Welt teil.

„Wusstest du schon, wenn man dem Rotkehlchen den Zeigefinger auf die Brust legt und ihm die Titten ein. Bisschen massiert, und den richtigen Rhythmus trifft, dann ergibt sich der Vogel dir, die Beine breit …Flügel Akimbo“

Dummerweise ergeht es ihm dadurch oft wie seinem „Fast-Best-Buddy“ Freddy: auch er vermasselt es gerne. So ist er für Verluste in Millionenhöhe und allerhand Ärger allgemeiner Natur verantwortlich. Unter anderem verknallt er sich bis über beide Ohren in eine Trickbetrügerin, was noch für etliche Turbulenzen sorgt. Ansonsten ist Jimmy ein herzensguter Mensch, der viel Liebe in sich trägt, sehr harmoniebedürftig ist und zwischendurch sogar noch versucht, sich zu bessern: Zukünftig will er nur noch abends zu kiffen, nicht mehr ganztags bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Unser guter alter Geoff hat natürlich auch für Jimmy, den er wieder einmal gerettet hat, einen passenden Spruch übrig:

„Wir müssen alle hin und wieder unsere Schneekugel schütteln, nicht wahr, aber das Wichtigste ist, dass man etwas daraus lernt“

Nicht vergessen werden darf hier Mr. Stanley Johnston (Giancarlo Esposito). Zunächst möchte Stanley Eddies Familienanwesen anscheinend zu jedem aufgerufenen Preis abkaufen. Bald wird auch klar, warum: Mr. Johnston weiß natürlich von der unterirdischen Aufzuchtanlage, die Susie betreibt. Nach außen hin wirkt er wie aus dem Ei gepellt, ist stets perfekt gekleidet, lässt sich oft von seinem persönlichen Assistenten vertreten, steht auf Etikette, Stil und gute Umgangsformen. Natürlich protzt er auch gerne, indem er zum Beispiel mit einer millionenschweren Uhr aufläuft, die einst angeblich an Winston Churchills Arm prangte. Kleider machen Leute! Bei aller Etikette ist er, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, skrupellos in der Wahl seiner Mittel, um sein Ziel auch zu erreichen. Dies bemerken vor allem Eddie und Susie recht schnell.

Gut, nachdem ich nun die wichtigsten Charaktere der Serie vorgestellt habe, geht es ans Eingemachte: Wie wird denn nun die Geschichte umgesetzt? Anfangs, also nach Folge eins, war ich noch sehr gespannt, fast schon etwas begeistert. Ich dachte: „Cool! Guy hat es wieder einmal geschafft, mich gut zu unterhalten!“ Skurrile Charaktere, abrupte Storyline-Twists, eine Prise ausufernde Brutalität, die natürlich nur angedeutet, nicht schonungslos, gezeigt wird – eben genau die typische Guy-Ritchie-Handschrift. Leider ging es im Fortgang der Serie dann etwas bergab. Ständig wiederholt sich die gleiche Geschichte: Freddy baut Mist, Eddie haut ihn raus und will endgültig aus dem Geschäft aussteigen, Susie holt ihn wieder ins Boot. Auch die Hauptfiguren blieben recht stumpf in ihrem Rollenbild gefangen und entwickeln sich kein bisschen weiter. Freddy war am Anfang dämlich und naiv, steckt bis zum Hals in Schwierigkeiten und bleibt bis zum Ende genauso wie am Anfang ohne ein bisschen Entwicklung in die eine oder andere Richtung. Jimmy ist von Anfang bis Ende der gleiche kiffende Trottel, Geoff der kühle Macher. Lauter Stereotypen: Wer einmal Dummes tut, bleibt dabei, wer wenig intelligent agiert, glänzt auch im Fortgang nicht mit Leistungen auf hohem Niveau. Die Charaktere blieben dabei leider blass und oberflächlich, was dann letztendlich den Funken einfach nicht überspringen lässt.

Deshalb verbleiben leider durchschnittliche 3 von maximal 5 Sternen.

Was blieb denn von der Serie so „hängen“? Also fassen wir zusammen: Das Geschäft mit Rauschmitteln aller Art ist stets gut organisiert in den Händen diverser guter Bekannter, irgendwelcher Kartelle unter Führung mehr oder weniger charismatischer Einzelpersonen. Die Big Player dort kennen sich gut und respektieren sich vordergründig wohl auch. Ein Beispiel dafür: Oft reicht ein Anruf von Bobby Glass, um geplante Anschläge oder Racheakte zu verhindern oder gar schon die Erwähnung seines Namens aus, um Kriminelle „milde“ zu stimmen.

Wir lernen auch einiges über Geschichte allgemein, so zum Beispiel über die wohl weltberühmteste Taube, „Cher Ami“. Diese rettete am 04.10.1918 einem Trupp US-Armeeangehöriger das Leben, als sie von deutschen Truppen umzingelt waren und ihre eigenen Truppen dann das Feuer eröffneten, ohne zu wissen, dass hinter den Deutschen eine Gruppe US-Soldaten auch mit beschossen wurde. „Cher Ami“ überbrachte eine entsprechende „Stoppt den Beschuss“-Nachricht, die 194 Soldaten das Leben rettete. Wer erzählt oder weiß denn sowas? Natürlich Bobby Glass, der in einer Art „offenem Vollzug“ vor allem seiner Liebe zu Tauben,die in seinen Augen die Verkörperung der Harmonie zwischen Mensch und Natur darstellen, frönt. Aha, okay, für viele Städter sind sie einfach nur als „Ratten der Lüfte“ bekannt, die eher ein großes Problem darstellen. Aber, lassen wir das mal so stehen.

Natürlich gibt es noch mehr Positives zu berichten. Die Nebencharaktere sind gut erdacht und besetzt. Da wäre der Tatortreiniger, der zwar wohl Alkoholiker ist, aber stets perfekt darin bleibt, hier und da auftretende Leichen spurlos zu beseitigen. Auch der „Apostel“, der dank Freddys sehr unbedachter Tat plötzlich zu einem Gegenspieler von Eddie wird, ist ziemlich charismatisch. Liest er doch jedem seine Leviten, auch wenn es eben das Letzte ist, was der gerade lebendig in einem tiefen Loch begrabene Kleinganove in seinem kurzen Leben je hören wird. Auch andere Nebenrollen sind für einen Lacher gut, wie zum Beispiel Tony Blair. Nein, nicht der einst bekannte Politiker, der bis 2007 UK-Premierminister war, sondern ein Kosovo-Albaner, der einer der Großkunden von Susie ist und einfach seinen Namen änderte, weil er eben ein Riesen-Fan des Briten ist. Fußfesseln behindern unseren Tony und seine kleine Gang blöderweise bei ihren kriminellen Tätigkeiten, „weil sie jeden Abend um 6 zu Hause sein müssen“. Deshalb erhalten Eddie und Susie einen Spezialauftrag mit Tücken, Episode drei verrät darüber mehr.

Weiter gibts Ärger mit Erpressern, Stress mit einem hochadeligen Sammler von Nazi-Devotionalien, (darunter einigen echt schrägen, höchst persönlichen Unikaten aus dem Besitz von A.H.), Zigeunern (ja, die bezeichnen sich selbst in der Serie wortwörtlich genauso!), die mal schnell Generatoren für den Eigenbedarf klauen, extrem langweilige Buchmacher, sehr abgedrehte Geldwäscher, den, vielleicht ein klein wenig an „Snitch“-Charakter „One Punch“ Mickey O’Neil, erinnernden Bruder von Susie (Jack „Attack“), Spaß mit selbstgebranntem ‚Pointin‘ mit schlappen 90% Alkohol und natürlich immer wieder Ärger mit diversen anderen Drogenbossen.

Alles in allem reicht das aber eben nicht aus, um richtig cool zu sein und die ganze Sache wirkt dann doch schlussendlich über weite Strecken unrund und holprig. Dabei wäre durchaus viel Potential zu einer Kultserie vorhanden, ganz nach dem Familienmotto der Hornimans: „Non sine periculo“ – Nicht ohne Gefahr. Warten wir doch noch die Einschaltquoten dieser ersten acht Folgen ab, vielleicht ergibt sich die Chance auf eine zweite Staffel. Zu Ende erzählt sind die Geschichten rund um die Familien Horniman und Glass auf jeden Fall noch lange nicht. Ich würde ihr auf jeden Fall eine Chance geben und mich darüber freuen!

Bilder: Netflix

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