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Auftakt der FX-Serie bei Disney+

Review: The Old Man S01E01 – I (Serienstart)

ACHTUNG: SPOILER !!
1. Oktober 2022, 12:12 Uhr
SPOILER !!
Michael
01.10.22

Da muss Jeff Bridges erst 72 Jahre alt werden, um seine erste Hauptrolle in einer Serie zu übernehmen. Die kann dann natürlich nur „The Old Man“ heißen – und der alte Mann hat’s noch ganz schön drauf für sein Alter – aber dazu später mehr. Zunächst einmal werfen wir einen Blick auf das generelle Setting der FX-Serie, die bei uns im STAR-Channel bei Disney+ beheimatet ist.

Im Mittelpunkt steht der ehemalige CIA-Agent Dan Chase, der sich vor etlichen Jahren aus dem Staub gemacht hat und untergetaucht ist. Warum, wissen wir nicht. Und warum Agenten auf ihn angesetzt werden, um ihn zu finden – wissen wir auch nicht. Wir erleben zunächst lediglich einen alten Mann, der mit den üblichen Alltagsproblemen zu kämpfen hat: Alle paar Stunden in der Nacht auf die Toilette, offensichtlich ein bisschen vergesslich (oder zumindest mit der Sorge davor lebend, es zu sein/werden), Müll rausbringen, Arzt besuchen, Runde mit den Hunden. Nichts Auffälliges soweit, zumindest in der Geschichte des Dan Chase.

Aber: Von der ersten Sekunde an überzeugt die auffällige Optik der Serie. Regisseur Jon Watts und Chef-Cinematographer Sean Porter leisten hier ganze Arbeit. Sie bleiben minutenlang aus einer festen Perspektive auf dem im Dunkeln liegenden Bett von Dan Chase, erkennbar sind nur das Display des Digitalweckers und das Licht im Bad. Auch nach dem letzten Aufwachen von Chase geht’s gemächlich zu: Gefühlt schlurfen wir zusammen mit Chase durchs Haus, machen uns einen Kaffee (mit Butter als Zutat?), telefonieren mit Chase‘ Tochter – nichts Aufregendes. Dann geht’s wie gesagt zum Arzt, wo sich Chase offensichtlich Aufschluss darüber erhofft, ob es bei ihm ein Problem gibt in Sachen Vergesslichkeit oder Verwirrtheit. Die Autoren Jonathan E. Steinberg und Robert Levine spielen hier schön mit den Erwartungen von Chase – und von uns Zuschauer:innen. Chase sagt, dass er den Arzt nicht kenne, obwohl er schon seit 15 Jahren in die Praxis gehe. Dieser klärt ihn auf, dass er die Praxis von seiner Mutter übernommen hat und als Sohn den gleichen Namen trägt. Sean Porter lässt dabei wieder durchgehend die Kamera auf Chase stehen – den Arzt sehen wir nur im Anschnitt oder in Reflektionen in Scheiben. Der ist auch gar nicht wichtig für die Szene, sondern einzig und allein Dan Chase. Hier spielt Jeff Bridges seine ganze Klasse aus – seine Mimik, seine Gestik, sein Hadern und leichtes Verzweifeln – das ist richtig stark gespielt.

Auf dem Rückweg fällt Chase eine verdächtige Person auf – und das eigentliche Spiel beginnt. Er stellt kleine Fallen im Haus auf, und diese schlagen natürlich auch direkt an. Ich hätte vermutet, dass es ein Fehlalarm ist, weil die Serie sich vermutlich weiter langsam aufbaut und es nicht gleich zum Knall kommt. Doch da habe ich mich geirrt – tatsächlich geht es gleich zur Sache; Chase‘ Hunde bringen den Mann zu Fall, Chase erledigt beinahe rücksichtslos den Rest. Dann ruft er die Polizei und gibt sich als Opfer.

Dann wechselt die Szene und wir sind Zuhause beim stellvertretenden FBI-Direktor für Spionageabwehr, Harold Harper, der zum Fall Dan Chase hinzugerufen wird. Offensichtlich gibt es eine direkte Beziehung zwischen den beiden, den es dauert nicht lange, bis Harper Chase vor weiteren Agenten warnt, die es auf ihn abgesehen haben. Ein Wettlauf beginnt, und die Agenten holen Chase schneller ein als gedacht. Wir sind da wieder mitten im Geschehen, derweil Harper und die Einheit, die den Zugriff koordiniert, per Bildschirm verfolgen können, was der immerhin über 70 Jahre alte Chase (und damit auch Jeff Bridges) noch zu leisten imstande ist. Gefühlte Ewigkeiten bleibt Sean Porter mit seiner Kamera wieder auf Chase, zeigt ausführlich den Kampf mit den beiden Agenten. Das kann Chase nicht gewinnen, und auch seine Hunde können ihm da nicht mehr helfen. Aber Chase ist vorbereitet, kann sich beim Abtransport aus der Szene befreien und den Agenten den Rest geben. Und ja, da sind dann auch die Hunde wieder mit von der Partie. Am Ende ruft Chase Harper an und gibt ihm zu verstehen, dass er sich nicht ergeben wird.

Was für ein Auftakt für „The Old Man“: Erst lassen es Jon Watts (der die drei letzten Spider-Man-Filme inszeniert hat) und Sean Porter ganz gemütlich angehen, um dann gegen unsere Erwartungen mächtig Tempo zu machen und die Story explosionsartig durchstarten zu lassen. Dabei machen sie immer das, was wir als Zuschauer:innen gerade nicht erwarten. Dieses Spiel mit den Erwartungen und der extreme Tempowechsel gefallen mir richtig gut. Mit der Optik überzeugt der Pilot dann vollends: Das sieht richtig gut aus, mit perfekten Einstellungen und dem Mut, auch einmal einfach aus einer einzigen Einstellung draufzuhalten. Und dann ist da natürlich noch Jeff Bridges, der eine großartige Leistung abliefert. Der alte Mann zeigt noch einmal, was er drauf hat – und damit sind sowohl Schauspieler als auch Serienfigur gemeint.

Bilder: FX

Nächste Folge

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7 Kommentare

  • … aber so was von! :-D

  • Das ist wieder so eine Serie, die sehr gut klingt, die ich aber vermutlich ohne dein Review völlig übersehen hätte.
    Und dabei spielen mit Bridges, Lithgow und Brenneman lauter Schauspieler:innen mit, die ich ziemlich gerne schaue.
    Von daher, jetzt schon mal einen wiederholten Dank für den Tipp.
    (So langsam läppert’s sich ;))
    Die Serie bekommt auf jeden Fall eine Chance!

    • Gerne, gerne, ich hoffe, Dir gefällt’s – und die Serie hält die Qualität.

      • Ich wurde von der ersten Episode tatsächlich nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Der, immer wieder überraschende Wechsel des Tempos. Die vielen kleinen Details, die gezeigt und erzählt werden. Die Charaktertiefe der zentralen Protagonisten und wie es gelingt, selbst aus einer, an sich unspektakulären Situation, eine spannende Szene zu machen (siehe das Gespräch zwischen Bridges und Lithgow während der Autofahrt) haben mir wirklich SEHR gefallen. Dass Jeff Bridges mit 72 noch so viel Körpereinsatz aufbieten kann, hat mich sogar fast ein wenig neidisch werden lassen. Ich wollte seine Kampfszenen nicht mehr spielen wollen, und bin fast 30 Jahre jünger als er…;)
        Ach, und natürlich waren unvermeidlich & sofort die treuen „Dave & Carol“ meine Lieblingsdarsteller:innen!
        DAS wird auf alle Fälle weiter geschaut…XD

  • Klingt als ob mir das sehr gefallen könnte;)

  • Dagobert

    lohnt sich! und ist so überzeugend realistisch! und benutzt clevere Einschübe…. muss man gucken. zwei Folgen sind da! ich weiß nur nicht wann die nächste kommt

  • wahrscheinlich habe ich oben den Hinweis übersehen, dass aktuell nur 2 Folgen vom Staffel 01 verfügbar sind.
    Die restlichen 5 Folgen von E01 folgen noch.



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