Strategy

Review: Westworld S03E07 – Passed Pawn

11.05.20 19:31
ReviewWestworld
SPOILER !!
Kira
11.05.20

Den Vogel abschießen. Das war der Wunsch in der vergangenen Woche für die beiden verbleibenden Episoden der dritten Staffel „Westworld“. Hat „Passed Pawn“ das geschafft? Abgeschossen wurde einiges. Der Vogel aber nicht unbedingt.

Chaos in the Streets

Wir starten diese Episode in Jakarta in Indonesien. In einer pompösen Bar treffen wir auf Musashi-Dolores, der einen Boten mit der Auslieferung eines geheimnisvollen Koffers beauftragt und von Halores angerufen wird. Sichtlich getroffen von den bisherigen Ereignissen versucht diese Musashi vor Dolores zu warnen und ihn von einem neuen Plan zu überzeugen. Empfänglich ist er dafür allerdings nicht.

Überzeugungskraft für einen Alternativplan möchte da auch eine alte Bekannte beisteuern: Clementine. Wie schön, sie wiederzusehen! Endlich wissen wir, wessen Neuproduktion Maeve da letzte Woche gespannt erwartet hat.

„Hello Musashi. Saito. Dolores. Whatever it is you are.“ (Clementine)
„You and Maeve have some practice selling yourselves. But I thought you‘d be more selective about a buyer.“ (Musashi-Dolores)

Sie scheint von Maeve beauftragt, Dolores in der Ausführung ihres Plans zu stoppen. Von ihren Kampfkünsten konnten wir uns ja schon häufiger überzeugen. Und auch hier liefert sie sich schließlich mit Musashi und seiner Gefolgschaft einen starken Schlagabtausch… bis Musashi-Dolores schließlich den finalen „Dolchstoß“ von Hanaryo – Shogun World Armistice – verpasst bekommt und diese zusammen mit Clementine und einem Andenken an Musashi aufbricht. Dolores kleine Armee ist mehr und mehr geschwächt.

Combat

Weiter geht es in Calebs Erinnerungen an seine Zeit als Soldat, in denen wir immer wieder zu dem Punkt gelangen, an dem Caleb sich von seinem Freund Francis verabschieden muss, als dieser erschossen wird. Doch diesmal steigen wir tiefer in die Erinnerungen ein. Wir sehen Caleb auf dem gleichen AR-Therapiestuhl sitzen wie William und so langsam beschleicht einen doch das Gefühl, dass an seinen Erinnerungen möglicherweise das ein oder andere Detail nicht ganz der Wahrheit entsprechen könnte.

Doch zunächst einmal weg von den Erinnerungen und hin zum Plan: Caleb und Dolores befinden sich in Sonora, Mexiko und die Kulisse ist atemberaubend. Weite, Leere. Hier fühlt Dolores sich Zuhause, denn dies könnte auch Westworld sein.

„I‘ve never been out this far. It‘s so… empty.“ (Caleb)
„It‘s perfect. Like home.“ (Dolores)

Und in der Tat erfahren wir, dass dieser Ort die Modellvorlage für Westworld gewesen ist. Caleb möchte von Dolores wissen, was für eine Revolution sie eigentlich genau im Sinn hat. Interessant, dass ihm diese Frage jetzt erst kommt. Aber immerhin sind Dolores Absichten ehrenhaft: Sie möchte einen Platz finden, an dem ihresgleichen Zuhause und frei sein können. Und sie möchte zudem, dass Caleb die Menschheit anführen wird.

Unterbrochen wird die Reise der beiden immer wieder durch Calebs Erinnerungseinschübe. Wie wir lernen, wurde er früher mit Francis und ihrer Unit dafür eingesetzt, Verbrecher zu tracken und umzubringen, unter anderem im Russischen Bürgerkrieg. Die Methoden, die sie angewendet haben, waren brutal. Die Missionen waren nur mit Drogen auszuführen und auszuhalten.

Área Prohibida

Dolores und Caleb erreichen ihr Ziel: Eine Einrichtung mitten im Nirgendwo – Seracs Versuchsstation, die sie zunächst einmal mit einem Drohnenflug erschließen und die sich darin befindenden Menschen kurzerhand ausschalten. Die folgenden Szenen sind technisch sehr schön gemacht. Die Idee, dass die Drohne die Blickwinkel ermöglicht und Dolores aus größter Entfernung Treffsicherheit verspricht, ist smart. Und innen muss Caleb dann leider schnell feststellen, dass er diesen Ort kennt, dass hier Experimente an ihm durchgeführt und ihm genau die Erinnerungen eingepflanzt wurden, an die er sich erinnern sollte.

Nun wird alles wieder sehr komplex: Dolores ist auf der Suche nach Solomon – der technischen Erfindung von Serac und seinem Bruder, die vor Rehoboam existiert hat – und die angeblich einige der Anomalitäten von Seracs schizophrenem Bruder übernommen hat, während sie unendliche Simulationen vom Ende der Welt entworfen hat.

„An insane AI – great.“ (Caleb)

Von Solomon erhofft Dolores sich eine letzte Strategie für ihre Revolution. Denn wer könnte da besser helfen als eine künstliche Intelligenz?

Classification U

Unterdessen klärt Bernard William in der Einrichtung darüber auf, dass Halores William durch den vor einiger Zeit verpassten Piekser dazu genutzt hat, um die Einrichtung, in der er festgehalten wird, auffinden zu können. Es war eine Art Tracking-Virus, der seinen Standort verraten hat und damit auch Bernard und Stubbs zu ihm führen konnte. Scheinbar gehören William und Caleb zu derselben Sorte „outliers“, an denen revolutionäre Projekte durchgeführt wurden und werden, damit diese für die Gesellschaft keine Bedrohung mehr darstellen. Sie werden dort neu konditioniert und dürfen gehen, wenn die Methoden anschlagen – oder müssen sterben, wenn nicht. Caleb wurde entlassen und einem Leben ausgesetzt, das er sich nicht selbst ausgesucht hat. William dagegen ist im System bereits als tot vermerkt. Das Tragikomische daran: Die biometrischen Daten, die Serac für die Experimente an diesen „Ausreißern“ des Systems benötigt hat, hat William ihm aus dem Park verkauft. What goes around…

Hell Hole

Für Caleb wird es besonders hart: Nicht nur findet er mit Dolores den Ort, an dem viele der aussortierten Outliers gelagert werden, er erfährt von Solomon selbst, dass er mit Francis nach seiner Reprogrammierung essentieller Bestandteil dessen war, Outliers aufzuspüren und auszuschalten. Sie wurden zu diesem Zweck regelrecht ausgebildet. Doch nach dieser Schocknachricht bleibt keine Zeit für Trost, denn sie bekommen Gesellschaft. Und während Dolores sich innerlich schon auf den Kampf ihres Host-Lebens mit Maeve einstellt, gibt sie Solomon den letzten Auftrag, Caleb die Strategie für die Revolution zu übermitteln, in der er diese anführen kann.

Es folgen aufwendige Kampfszenen zwischen Dolores und Maeve mit Slow Motion-Einlagen, Drohnenflügen, eindringlicher Musik und abgetrennten Körperteilen. Doch auch wenn es für Maeve und Dolores nicht so gut ausgeht, hat immerhin Caleb ein ziemlich wertvolles Laufwerk in der Tasche.

„Hello Caleb. I have some instructions for you.“

Am meisten gefallen hat mir an dieser Folge wieder einmal: Ed Harris. Er ist einfach so ein großartiger Schauspieler und legt so viel Ausdruck in seinen Auftritt, dass man sich von seiner Rolle nur mitreißen lassen kann. In viele Richtungen. Sein Monolog gegenüber Bernard und Stubbs, in dem er seine Beihilfe, den Park und die Hosts erschaffen zu haben, als „one original sin“ bezeichnet, geht unter die Haut. Und seine Aussage, er wäre der einzige Mensch unter ihnen, lässt einen doch schmunzeln, denn so sicher wäre sich zum jetzigen Zeitpunkt da wahrscheinlich niemand mehr bei ihm.

Und natürlich müssen wir auch in dieser Folge Aaron Paul ganz viel Lob aussprechen, den wir in seiner inneren Zerrissenheit doch gerne einfach mal auffangen möchten. Wieder einmal gut gefallen haben mir darüber hinaus die vielen Kleinigkeiten, die man gerne auch mal übersieht: Das Einschussloch in Dolores Lederjacke vom Schusswechsel, der Caleb ihre (körperliche) Unmenschlichkeit offenbart hat. Oder auch die „Lab to Stab“-Werbung, die am Ende an der Tankstelle zu sehen ist.

Nach wie vor ist es schwierig, eine Haltung im Kampf zwischen Dolores und Maeve einzunehmen. Ist Caleb nur Dolores Spielball? Hat er Dolores in der Nacht ihrer ersten Begegnung wirklich zufällig gefunden? Wird er, wie Bernard es voraussagt, derjenige sein, der die Menschheit auslöscht, weil er davon überzeugt ist, dem richtigen Pfad zu folgen? Oder hat Dolores sich ganz uneigennützig wirklich dem höheren Sinn zur Rettung der Menschheit und der Hosts geopfert? In diesen ungewissen Gefilden werden wir wohl noch ein Weilchen länger verweilen müssen. „Passed Pawn“ ist eine würdige finale Episode vor dem Finale. Aber da geht noch was!

Bleibt nur noch zu klären: Welcher Schachzug folgt auf den passierten Bauern?

Hinweis: Seit dem 20. April zeigt Sky die neuen Folgen „Westworld“ nicht mehr im linearen Programm, sondern immer ab Montag nur noch auf Abruf über Sky Go, On Demand und Sky Ticket. Hintergrund ist die Schließung der deutschen Synchronstudios aufgrund der Corona-Krise. Daher sind die neuen Folgen zunächst auch nur in der Originalversion mit einblendbaren deutschen Untertiteln abzurufen. Die acht Episoden der dritten Staffel werden voraussichtlich ab dem 8. Juni wieder im linearen Programm bei Sky Atlantic starten, dann wahlweise auch in der deutschen Synchronfassung.

Bilder: HBO

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