Zerstückelte Rechte-Situation

Alle Fußballspiele der Saison 2018/19 zu sehen ist ein Sport für sich

Spoilerfrei
Maik
15.08.18

„Ein Spiel dauert 90 Minuten“, „Abseits ist, wenn der Schiri pfeift“ und „Früher war alles besser“ – es gibt so Weisheiten rund um das runde Leder, die sich wohl nie ändern werden. „Früher“ ist zumindest, was das passive Sportbetrachten im Fernsehen angeht, noch gar nicht so lange her. Vor zwei Jahren war die Welt noch einfach, gab es damals doch bei Sky wirklich „alle Spiele, alle Tore“ zu sehen. Dieses Wochenende begibt sich auch die oberste deutsche Liga aus der Sommerpause und es stellt sich die Frage, wie man als Fußballfan alle Spiele seiner Mannschaft in der Saison 2018/19 zu sehen bekommt. Zum Glück ist der Einstieg mit dem DFB-Pokal noch relativ einfach, da bleibt nämlich vieles beim Alten.

Zerstückeltes Mediensystem

Jeder will ein Stück vom Kuchen und pro Stück verkauft kann man als Bäcker nun mal mehr Geld machen, als wenn man ihn in Gänze verkauft. Ähnlich läuft es auch bei den Senderechten des deutschen TV-Premium-Produktes Bundesliga. Um zumindest annähernd mit den episch gewachsenen britischen Fernsehgeldern mithalten zu können (wobei „mithalten“ noch SEHR positiv gemünzt ist), musste man eben handeln. Statt nur die Zweitverwertungsrechte zerstückelt diversen TV-Sendern anzubieten, wurde auch das Live-Geschäft bereits zur letzten Saison angefasst. Der „Eurosport Player“ kam als Streaming-Alternative aus dem Nichts, hat sich die „Randanstoßzeiten“ am Freitag, Montag und frühen Sonntagmittag gekrallt. Diese Saison wird es wettbewerbsübergreifend noch zerstückelter, denn DAZN (noch ein Streaming-Anbieter) hält nun auch Rechte an der Champions League. Wer als Fan eines international ambitionierten Klubs ganz sicher alle Partien mit eigener Beteiligung sehen möchte, muss demnach zumindest diese drei Anbieter abonnieren. Da Sky sich abändert und die Streaming-Anbieter (noch) recht überschaubare Preise veranschlagen, geht das natürlich „irgendwie“, aber am Ende ist es teurer und vor allem undurchsichtiger, wo denn nun überhaupt das heutige Spiel läuft. Und damit könnt ihr euch auch die Frage beantworten, weshalb ich auf einem vornehmlichen Serien-Blog über Fußball schreibe: Das verhält sich sehr ähnlich zur Dezentralisierung des Serien-Konsumes. Statt X TV-Sender, die man eh größtenteils sehen kann, gibt es mittlerweile Y Streaming-Anbieter, die bitte alle ihr eigenes Geld bekommen möchten. Wer neben TV-Serien auch noch Sport sehen möchte, muss demnach richtig tief in die Tasche greifen. Netflix, Sky, Amazon Prime Video, Eurosport Player, DAZN – vielleicht noch Telekom Entertain TV oder Maxdome? Hm…

Wer zeigt was?

Ich weiß, das ist kein wirklicher „Kommentar“-Kommentar hier, hat man sich ja bereits letztes Jahr zu genüge zu diesem Thema aufgeregt und letztlich sind mir die Ursachen ja auch bewusst und führen dazu, dass die Bundesliga und letztlich auch mein Verein (DORTMUND!) wettbewerbsfähiger bleiben. Vermutlich habe ich das Thema auch gewählt, um mich einfach selbst ein bisschen orientieren und alle Senderechte ordnen zu können. Daher hier eine kleine Übersicht, wo diese Saison welche Fußballspiele zu sehen sein werden.

Fußball-Bundesliga

Sky überträgt weiterhin alle Einzelspiele (und möglichen Konferenzen) der Samstagsspiele sowie der Partien am Sonntag, die um 15:30 und 18:00 Uhr angepfiffen werden. Im Eurosport Player sind sämtliche Freitags- und Montagspartien sowie die Spiele, die zur Entlastung der Europokal-teilnehmenden Teams sonntags bereits um 13:30 Uhr angepfiffen werden. Was Live-Komplettpartien anbetrifft, ist man mit dieser Kombi komplett abgedeckt. Im Free-TV werden dieses Jahr jeweils eine Auftakt-Partie zur Hin- und Rückrunde sowie eine Partie des 17. Spieltages im ZDF übertragen.

An allen Spieltagen zeigt DAZN ab 40 Minuten nach Abpfiff Zusammenfassungen der Partien. Im Free-TV werden diese wie gehabt über die „Sportschau“, das „Aktuelle Sportstudio“ oder auch bei Sport1 zu sehen sein.

UEFA Champions League

Hier wird es komplizierter – und ja auch erst wirklich neu, nicht nur, was die auf 18:55 und 21:00 Uhr gezogenen Anstoßzeiten betrifft. Sky (34 Einzelspiele) und DAZN (104) teilen sich hier die Live-Übertragungsrechte der 125 Partien, kein öffentlich-rechtlicher Sender ist mehr dabei, ergo (fast) ausschließlich Pay-TV für die Königsklasse.

Gruppenphase

Sky hat an neun der zwölf Gruppenphasen-Spieltage Erstwahlrecht und darf sich jeweils ein Spiel mit deutscher Beteiligung herauspicken, bei den anderen drei Spieltagen darf DAZN zuerst wählen, das ansonsten ALLE anderen Partien komplett zeigt (Sky lediglich Konferenzen, die es wiederum nicht bei DAZN geben wird).

K.O.-Phasen

In Achtel- und Viertelfinale darf Sky jeweils die Hälfte in voller Länge übertragen (Rest Konferenzen). Dabei gibt es Erstwahlrecht für Sky bei einem der Hinspiele sowie vier (Achtelfinale) bzw. drei (Viertelfinale) der Rückspiele, alle anderen Partien werden in Gänze bei DAZN zu sehen sein. Das ändert sich alles etwas, sollte nur noch eine deutsche Mannschaft vertreten sein.

(Halb-)Finale

Hier wird es einfacher: Alle Spiele laufen in voller Länge sowohl bei Sky als auch bei DAZN. Gibt es ein Finale mit deutscher Beteiligung, MUSS dieses nach dem Rundfunkstaatsvertrag auch frei empfangbar sein und dürfte dann vermutlich über „Sky Sport News HD“ übertragen werden.

UEFA Europa League

DAZN zeigt ALLE Partien in voller Länge live, Sky gar nichts. Immerhin 15 der 205 Partien werden im Free-TV über RTL (Nitro) zu sehen sein.

DFB-Pokal

Hier ist noch alles „gut“. Sky zeigt alle 63 Einzelpartien des Wettbewerbs live. Neun Partien (darunter Halbfinals und Finale) werden im Ersten übertragen.

Die günstigste Variante

Um Sky kommt man noch immer nicht herum, was ja gerade auch als Serienfan nicht wirklich unglücklich ist. Wenn man geduldig ist oder Glück hat, bekommt ein gutes Angebot, aufgrund schwindender Rechtepakete (weniger Bundesliga, internationaler Ligen-Fußball ist so ziemlich komplett zu DAZN gewandert), kann man mittlerweile sogar zweijährige Preisgarantien für unter 30 Euro im Monat inklusive monatlichem Kündigungsrecht ergattern, soweit ich weiß. Am besten jetzt zum Bundesligastart die Augen aufhalten und abschließen – im Idealfall kündigt man dann zu Mai 2019 wieder.

Der Eurosport Player hatte mich letztes Jahr durch eine gute Analyse fachlich überzeugt. Auch hier gibt es immer wieder Angebote, wie aktuell eines für 25 Euro im Jahr. Alternativ kostet es 49,99 Euro im Jahr oder 5,99 Euro im Monat über Amazon Prime Video. Vorteil hier: Es ist monatlich kündbar. Sprich, schaut am besten, welche Partien eures Vereins wann an Eurosport-Zeiten angesetzt sind. Da reicht es ggf., nur zwei Monate separat zu buchen.

Auch bei DAZN könnt ihr monatlich künden. Und vor allem einen Gratismonat (als Neukunde) beanspruchen. Das könnte auch schon einmal die wichtigsten Partien abdecken. Ansonsten sind es stets stabile 9,99 Euro pro Monat. Nicht wenig, aber aufgrund des stetig wachsenden Sportangebotes durchaus fair.

Fazit: Fußball kostet Geld und Nerven

Ich bleibe vorerst bei meiner Konstellation mit Sky und dem Eurosport Player-Deal, den ich im Herbst letzten Jahres abgeschlossen habe. Letztlich rechne ich mir das aber so schön: Als Student ging es vor Sky-Abo-Zeiten in die Sports Bar, wo einige überteuerte Biere das Spiel begleiteten. Wenn ich jetzt das Geld in einen Monat Streaming packe und mir ein Sixpack aus dem Supermarkt hole, komme ich aufs Gleiche raus. Und irgendwie unterstütze ich damit ja auch meinen Verein. Das kann man übrigens noch besser, indem man einfach mal wieder ins Stadion geht. Dann braucht man sich auch keine Gedanken darüber zu machen, wo denn jetzt das heutige Spiel übertragen wird. Gut Kick!

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