Trigger-Trash-Serien aus 30 Jahren

AWESOME 5: Guilty Pleasures

Spoilerfrei
Leonie
01.06.19

Man sagt mir mitunter einen schrecklichen Musik-Geschmack nach, da ich fast jede Bravo Hits von 95 bis ca 2004 besitze und mir „Sie ist weg“ (erste Jugend-Disco, Mann war ich verknallt!) genauso ein Lächeln aufs Gesicht und Schwung in die Hüften zaubert wie der Ketchup-Song (endlich 18, Mann war ich verknallt!). Musik triggert mich einfach, solange ich etwas damit verbinde – ich kann davon traurig werden, mich amüsieren, mich wieder wie 16 fühlen, an diesen einen besonderen Tag denken, oder diesen Sommer, oder diese Party. Und wenn die ersten Takte von „Coco Jambo“ mein Herz hüpfen lassen, dann ist das eben so. Jeder hat ja das ein oder andere „Guilty Pleasure“.

Bestimmte Serien triggern mich fast genauso – und meist sind das auch Serien, über die andere die Stirn runzeln. Da ich bekanntlich nichts davon halte, mich für etwas zu schämen, stelle ich euch ein paar Formate der 90er und 2000er vor, die in meinen Augen unbedingt in die Top 5 der besten „Guilty Pleasures“ gehören. Bei manchen von euch wecken sie vielleicht auch Erinnerungen, die jüngeren Leser lassen sich hoffentlich zumindest amüsieren. Alle folgenden Serien sind (zumindest genug Teile davon) kostenlos online zu sehen.

„Talk Talk Talk”

Von 1999 bis 2011 lief „Talk Talk Talk“, erst von Jessica Stockmann, dann von Sonja Kraus moderiert. Die Sendung ist sozusagen ein Meta-Tipp, denn sie zeigt die besten schlechtesten bemerkenswertesten Szenen deutscher wie internationaler Talkshows. Das ist teilweise nicht leicht zu ertragen und ich bin mir relativ sicher, dass so mancher Talkshow-Kandidat sich nicht allzu sehr darüber freut, dass das Material dank Internet auch heute noch in durchaus vernünftiger Qualität verfügbar ist – aber mei, hinterher ist man immer klüger.

„Absolut Schlegl“, „Sonja“, „Franklin“, „Ricky“ und wie sie nicht alle hießen – wer Lust hat auf guten alten Talkshow-Trash, kann bei 7tv kostenlos mehr Folgen „Talk Talk Talk“ als genug ansehen. Und als Bonus gibt es die Popmusik der jeweiligen Zeit bei den Einspielern. Liebe!

Es folgt eine Überleitung:

„Switch Reloaded“

Ebenfalls bei 7tv zu sehen und ebenfalls ein Meta-Tipp: „Switch Reloaded“. Das Format hat alles auf´s Korn genommen, was im Free-TV zu sehen war, von Werbung über „TV Total“ bis hin zu „CSI“. Und das oft richtig gut! Legendär: „Obersalzberg“, die Stromberg-Parodie. Schaut euch das an!

„Herr Hitler, ich hab Ihnen das extra bei meiner Schreibmaschine gezeigt, dass die Hakenkreuztaste kaputt ist und Sie haben selber gesagt, dass ich dann auch die Raute nehmen kann.“

Auch ziemlich episch (und das einzig Gute am diesjährigen „GNTM“-Finale) – Martina Hill als Heidi Klum. Fun Fact (und auch wieder eine super Überleitung – läuft bei mir!): Hill hätte auch noch Bill Kaulitz spielen können – hätte der Final-Show bestimmt keinen Abbruch getan.

„Germany´s Next Topmodel“

Mit ist schon klar, dass besonders der männliche Teil der Leser die Awesomeness an diesem Punkt nicht nachvollziehen können wird, und wer jetzt „buuuh“ schreit, möge bitte einfach zum nächsten Teil springen, zwei hab ich ja noch ;)

Pro7 hat alle Folgen von „Germany´s Next Topmodel“ ab mindestens Ende der 10. Staffel zum kostenlos Streamen verfügbar, mehr Folgen gibt es bei Maxdome gegen Geld. Wer sich mit Leuten zu einem Revival-Abend verabreden möchte, tut gut daran, sich vorab zu überlegen, welche Folgen man sehen möchte. Einfach eine Staffel? Oder alle „Umstyling“-Folgen? Alle Finale? Alle Castings? Alle Folgen, in denen eins der Mädchen seinen Freund vermisst (könnten viele sein!)?

Unstrittig ist, dass einem unheimlich viele „Meedchen“ gar nichts mehr sagen, während einem bei manchen ein „Aaach stimmt, das war diiie“ entweicht. Die im TV hängengebliebenen „Sternchen“ wie Gisele „ich bin so traurig“ Oppermann oder Rebecca Mir nochmal in ihren jungen Jahren zu sehen, hat auch einen gewissen Charme. Und die Musik gibt´s natürlich auch wieder on top.

Spielshows

Ganz ohne Überleitung, ich liebe Spielshows! Vor allem von den Oldies – „Der Preis ist heiß“, „Geh auf´s Ganze“, „Glücksrad“ – kann ich manchmal gar nicht genug bekommen. Analytisch wie ich bin, führe ich das darauf zurück, dass die Stimmung einfach immer gut war und nicht im Mittelpunkt stand, jemanden bloß zu stellen. Als Kind fand ich außerdem immer extrem erstaunlich, wie schnell die Leute sich beim „Glücksrad“ bei der Riesen-Auswahl an Preisen entscheiden konnten, was sie nehmen mochten. Für mich war Fernsehen damals noch live, immer. Auch bei der Mini-Playback-Show, aber das ist ein anderes Thema.

Schaut euch mal diesen Rekord-Gewinn beim „Glücksrad“ an:

Bei Youtube finden sich ohne Ende Clips und ganze Folgen, Best Ofs, Worst Ofs, klickt euch durch und freut euch an der Freude (und den Klamotten und den Frisuren ;) ).

Daily Soaps

„Verbotene Liebe“, „Marienhof“, Lindenstraße“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ – die Liste der Soaps ist lang. Viele wurden abgesetzt, eine liegt gerade im Sterben, ein paar haben überlebt, von praktisch allen gibt es aber Folgen oder auch Best Ofs auf Youtube oder in Mediatheken.

Nochmal erleben, wie Jan und Julia sich das erste Mal begegnen, sich an Charaktere erinnern, die ziemlich hot waren, oder ziemlich böse, oder beides, die man geliebt oder gehasst hat, die alten Sets mal wieder sehen, die man früher täglich vor Augen hatte – ein Guilty Pleasure, das ich am liebsten allein genieße, aber ich genieße es, oh ja. Ich habe mir immer ein Crossover von „Verbotene Liebe“ und „GZSZ“ gewünscht, Clarissa von Anstetten und Professor Dr. Dr. Joachim Gerner, ein derart teuflisches Paar, nicht auszudenken, zu was die beiden fähig gewesen wären.

Man kann von Soaps halten, was man möchte – sie spiegeln die Gesellschaft bis zu einem gewissen Grad wider und thematisieren aktuelle Problematiken, von Mobbing und Homosexualität über Gewalt in der Ehe bis hin zum nach wie vor mehr als aktuellen Rassismus in unserer Mitte. Ein Beispiel?

Der Türke Sülo bekommt es schon in der ersten Folge von „Marienhof“ mit fremdenfeindlichen Jugendlichen zu tun – das war im Oktober 1992. Die Szene könnte auch morgen so bei „GZSZ“ laufen. Bei allem Spaß, den ich beim Recherchieren hatte, lässt mich das doch auch sehr traurig und nachdenklich zurück. Wie schön wäre es, wenn Rassismus schon bald nur noch in alten, längst vergangenen Soap-Folgen ein Thema wäre.

In den Kommentaren ist Platz für eure „Guilty Pleasures“ – nur Mut!

Habt noch ein schönes Wochenende.

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