Review zum Serienauftakt

Gotham S01E01 – Pilot

25.09.14 14:36
GothamNeue SerienReview
Mini-Spoiler
Maik
25.09.14

Gotham_S01E01_screen_01

Endlich ist das ganze Vorgeplänkel mit Trailern, die enttäuschen oder hypen, vorbei. Eine der spannendsten neuen Dramaserien der TV Season 2014/15 ist Gotham. Das liegt vor allem daran, weil eigentlich jeder bereits Berührungspunkte mit dem dargestellten Universum hat und somit Erwartungen und Wissen aufbauen konnte. Positiv betrachtet kann so gerade im Piloten nahezu jeder diese Momente spüren, in denen man Charaktere wiedererkennt und sich selbst total schlau fühlt, weil man bereits weiß, in welche Richtung wohl welcher Charakter sich entwickeln wird. Negativ betrachtet sind das aber auch Erwartungen, die enttäuscht werden können und jede „Origin“-Story birgt auch immer die Gefahr, dass die eigentlich bekannte und vll. gewollte Action nicht zu sehen sein wird. Denn einen Batman wird man in dieser Serie zumindest zu Beginn nicht zu sehen bekommen.

Genau 2:31 Minuten ist die Welt noch in Ordnung. Der kleine Bruce Wayne hat noch beide Elternteile und kommt gut gelaunt aus einer Kinovorstellung. Doch nach gut zweieinhalb Minuten ist Gotham eine düstere Geschichte reicher und der Ursprung des gedankengesteuerten schwarzen Ritters geschaffen. Neben der Tatsache, dass Bruce Wayne noch ein kleiner Junge ist, bekommen wir auch einen jungen James Gordon zu sehen, der gerade erst als Detective-Frischling nach Gotham gekommen ist und sich seine Sporen verdienen muss. Vor allem bei seinem Partner Harvey, der ein Abziehbild des Cops alter Zeiten ist. Ein verlogener wie verbitterter „letzter Bulle“, dem Sprüche und Alkohol wichtiger sind als Ordnung und Regeln.

„Somebody takes a cops gun, you shoot him – that’s basic!“ (Harvey)

Dazu bekommen wir erste Anzeichen weiterer Figuren zu sehen. Eine junge Parkour-Catwoman, einen wunderbar fluchenden Alfred Pennyworth und einen blutjungen aber bereits sehr spitznasigen Penguin, der gar nicht Penguin genannt werden möchte, dafür aber gerade Gefallen an überzogener Gewalt findet. Und interessante Figuren wie den mächtigen „Geschäftsmann“ Falcone, der zeigt, welche Komplexität möglich ist im Zusammen- und Gegenspiel der Parteien Gothams.

„You can’t have organized crime without law and order.“ (Carmine Falcone)

Es bleibt schlicht abzuwarten, wie lange der „das ist doch XY!“-Effekt und die Freude über ein etwas anderes Wiedersehen mit bekannten Charakteren anhält. Letztlich muss die eigentliche Krimi-Geschichte um Jim Gordon und seine Abenteuer überzeugen. Die auftretenden „Star“-Figuren dürften vermutlich stets schmückendes Beiwerk sein, das vor allem ihren Reiz aus den unterschiedlichen Origin-Stories ziehen kann. Spannend wird dabei sein, wie homogen man die Entwicklung von Bruce Wayne einbauen kann. Theoretisch müsste er nun jahrelang nicht mehr gezeigt werden, aber wir sehen bereits erste Szenen, in denen er sich „die Angst abtrainiert“. Hoffentlich wirkt das nicht zu unrealistisch in der Umsetzung.

„You seem like a nice guy, but this city or job isn’t for nice guys.“ (Harvey)

Insgesamt war der Auftakt okay, jedoch tritt Gotham einen schweren Gang in ein etabliertes Comic- und Filmuniversum an. Dazu wirkt leider einiges in der Umsetzung zu pathetisch, etwas zu über-epochal inszeniert, vor allem musikalisch. Nett anzusehen war dagegen die Lampenpendel-Montage sowie bspw. einige Perspektiv-Sequenzen während der Verfolgungsjagd. Ansonsten bewegt sich die Serie bildlich an solidem aber unspektakulärem Spielfilmniveau. Kleine coole Randnotiz: Eine Stadt im Chaos – was passt da besser als Richard Kind als Bürgermeister, den wir alle aus der tollen Michael J. Fox-Comedy „Chaos City“ kennen? Großartig, ihn mal wieder zu sehen (auch wenn es irgendwie surreal wirkt in einem solchen Setting).

Gotham_S01E01_screen_02

Ich bin noch skeptisch, ob sich die Serie wirklich von alleine lange trägt oder sich nur krampfhaft von bekanntem Charakter zu Charakter hangelt. Gerade in Ben McKenzie liegen dabei die Hoffnungen, dass er die Figur des Jim Gordon entsprechend die Züge und Kanten verleiht, die man aus den späteren Film-Geschichten kennt. Im Piloten hat er bereits angedeutet, dass er das durchaus schaffen kann – hoffen wir, dass die Story ihm die charakterlichen Tiefen und Entwicklungen auch zulässt.

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