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Perlen der Vergangenheit #97

Klassiker der Woche: Liebling Kreuzberg

Spoilerfrei
Tobias
02.07.17

Es wird mal wieder Zeit für einen deutschen Klassiker der Woche. Und Anwaltsserien hatten wir in unserer Klassikerreihe eh noch nicht viele, zudem gehörte „Liebling Kreuzberg“ zu meinen absoluten Lieblingsserien in meiner Jugend. Der Grund war, ähnlich wie bei „Drei Damen vom Grill“, ganz klar der Berliner Dialekt und die Berliner Schnauze. Und zu guter Letzt die charismatischen und liebevoll gezeichneten Figuren sowie ihre Darsteller. Manfred Krug wäre hier als Erstes zu nennen. Aber auch die restlichen Darsteller waren allesamt keine Unbekannten. Und ein wenig war auch die Stadt Berlin mit seinen Einwohnern so etwas wie ein Nebendarsteller, der heimliche Star der Serie.

Was man aber auch nicht unterschätzen darf ist die Wirkung dieses actiongeladenen und hochmusikalischen Intros. WTF?! Das zieht immer noch mal so richtig in den Spirit der Serie. Oder?

Liebling Keuzberg - Intro

Seriensteckbrief

Titel: Liebling Kreuzberg
Genre: Anwaltsserie
Laufzeit: 50 Minuten
Folgen: 58 (5 Staffeln)
Ausstrahlung: 1986 – 1998 (ARD)
Darsteller: Manfred Krug, Roswitha Schreiner, Michael Kausch, Corinna Genest, Anja Franke u.v.m.

Handlung

Alten Menschen wie dem Michael und mir dürfte der Inhalt der Serie, das, was sie uns erzählen möchte, hinlänglich bekannt sein. Sind wir doch mit diesen deutschen Serien wie „Schwarzwaldklinik“, „Lindenstrasse“, „Drei Dramen vom Grill“ und eben „Liebling Kreuzberg“ aufgewachsen. Und diese Reihe der tollen deutschen Vorabendserien – wohl auch so ein Relikt der guten alten Zeit – ließe sich problemlos erweitern. Denn es gab sie, die gute deutsche Serie im Programm von ARD und ZDF. Mit ihren großen und kleinen Alltagshelden. Solche Helden wie eben Robert Liebling, dem Hauptcharakter dieser Serie. Gespielt von Manfred Krug.

Robert Liebling ist Rechtsanwalt und Notar. Gäbe es ein serielles Wörterlexikon, neben dem Begriff Müßiggang würde sehr wahrscheinlich ein Bild von einem Mann mit Schlapphut und Dreitagebart zu sehen sein. Robert Liebling nämlich. Arbeit ist jetzt nicht unbedingt ein Fremdwort für Robert Liebling, aber wenn es nicht unbedingt sein muss, sitzt er lieber am Teich und füttert Enten, trinkt ein Kaltgetränk in seiner Lieblingskneipe und spielt am Flipper ein paar Spiele oder genießt ungestört in seinem Büro eine Götterspeise. Oder Zwei, oder Drei.

Man darf dieses Verhalten nicht missverstehen, Robert Liebling versteht sein Handwerk, ist empathisch und versteht es die Situationen für seine Klienten zufriedenstellend zu beenden. Und Fälle zu gewinnen. Aber nur Fälle für die er sich persönlich interessiert. Denn er macht seinen Job sehr gerne, ist aber auf die Einnahmen als Rechtsanwalt nicht unbedingt angewiesen. Denn Robert Liebling ist ein kleverer Hund. Das Immobiliengeschäft, welches er von seinem Vater geerbt hat, hat er verkauft und die Vereinbarung mit dem Käufer getroffen, dass sämtliche von einem Notar zu beurkundenden Vorgänge eines Immobiliengeschäftes über seinen Schreibtisch zu laufen haben. Und wer schon mal ein Haus oder eine Wohnung gekauft hat, weiß, dass der Notar auch die ein oder andere Rechnung stellen wird. Dies macht ihn als Rechtsanwalt unabhängig und er kann sich seinem Leben widmen, wie er es für sich vorgestellt hat.

Dazu gehören insbesondere auch Frauen. Meist mehr als eine. Denn unser Robert Liebling ist ein kleiner Charmeur dem die Frauen erliegen. Und Robert Liebling liebt die Frauen und umgekehrt. Meist eben nicht nur eine gleichzeitig. Und dies führt natürlich immer wieder zu Schwierigkeiten.

Zudem haben wir in der Serie immer wieder Figuren, meist seine Partner in der Anwaltskanzlei, die rein vom Berufsethos her eine fast schon gegenteilige Auffassung haben. Sie sind meist konventioneller, sachlicher in ihrer Arbeitsweise und stehen damit im Gegensatz zum lässigen und eigenwilligen Robert Liebling. Dies führt in den Dialogen der Serie für diverse witzige Situationen und in Verbindung mit der offenen Berliner Art, die man natürlich mögen muss, hat man oft etwas zu lachen. Oder zumindest zu schmunzeln.

In den einzelnen Folgen haben wir also meist eine Mischung aus dem Fall der Woche und den Liebesaffären des Robert Liebling. Wobei die Fälle meist den kleinen Bürger von Nebenan betreffen und die Frauen sich im Laufe der Serie nicht mehr ganz so häufig die Klinke in die Hand geben und die Auf und Abs einer längerfristigen Beziehung mehr und mehr Handlungsspielraum erhalten.

Meinung

„Liebling Kreuzberg“ war Manfred Krug, Manfred Kruf war „Liebling Kreuzberg“. Für mich steht Manfred Krug, auf dessen Leib die Serie geschrieben wurde, sogar noch mehr für „Liebling Kreuzberg“ als für „Auf Achse“ . Auch wenn ich deutlich mehr Erinnerungen an „Auf Achse“ habe. Und wie bei der Truckerserie kann man sich diese Serie aus den 80iger bzw. 90iger Jahren heutzutage immer noch anschauen. Was definitiv für die Serie und sein damals schon hohes Produktions- und Drehbuchniveau spricht.

Natürlich sind die Fälle von Robert Liebling nicht mit den Fällen heutiger Anwaltsserien zu vergleichen. Die Fälle unseres charmanten berliner Anwalts sind eher klein aber immer emotional, liebevoll und durch den gewissen berliner Lokalkolorit gekennzeichnet. Wer wissen mag, wie das geteilte und später vereinte Berlin Ende der 80iger und in den 90igern ausgesehen hat, der sollte unbedingt mal in diese Serie schauen. Freunde der Stadt Berlin sowieso. Dieses Berlin dürfte es so nur noch an wenigen Ecken geben.

Und da wäre noch die Figur des Notars und Anwalts, des Frauenschwarms und Müßiggängers. Denn Robert Liebling ist das genaue Gegenteil des stereotypischen Deutschen. Von wegen zielstrebig und arbeitsam. Hier regiert der berliner Charme, gepaart mit einem netten Chaos und der Lust am Nichtstun. Durch das Spiel Manfred Krugs dürfte die Figur des Robert Lieblings zu den Kultfiguren des deutschen Fernsehens gehören. Und sollte in einer Reihe wie die TV Figuren Peter Brockmann („Praxis Bülowbogen“), Prof. Klaus Brinkmann („Schwarzwaldklinik“) oder Else Kling („Lindenstrasse“) genannt werden.

Liebling Online

Wer mal oder wieder in die Serie reinsneaken möchte, hat hierzu diverse Möglichkeiten. Natürlich gibt es sämtliche Staffeln als DVD. Ihr werdet sie auf der Webseite eures Dealers finden. Man kann natürlich auch auf Wiederholungen in den dritten Programmen hoffen, hier vorrangig beim rbb. Klar. Berlin eben. Oder ihr besucht eine Webseite namens YouTube. Da gibt´s auch alle Folgen. Online. In vernünftiger Qualität.

Habe mir eben mal wieder nach langer Zeit die erste Folge angeschaut und muss sagen, ich hätte mal wieder Lust auf ein paar Folgen „Liebling Kreuzberg“ mehr für Zwischendurch.

Bilder: ARD

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