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Michael regt sich auf

Mein TV-Aufreger der Woche: „ÜberWeihnachten“ von Comedypreis-Nominierungsliste gestrichen – wegen Luke Mockridge

Spoilerfrei
Michael
02.10.21

Ich muss ja zugeben, dass die deutsche Netflix-Comedy „ÜberWeihnachten“ an sich aus meiner Sicht kein Aufreger war. Ich hatte mal kurz reingeschaut, fand’s aber zu fad irgendwie und hab’s dann lieber sein gelassen. Vielleicht bin ich auch nicht im passenden Alter – Maik hat dazu in seinem Review zur Serie entsprechende Überlegungen angestellt.

Wie auch immer: „ÜberWeihnachten“ kam beim Netflix-Publikum solide an und kam außerdem in die engere Wahl für den deutschen Comedypreis. Neben dem von Joyn und ProSieben gesendeten Serie-Stück „Frau Jordan stellt gleich“, dem TV Now-Original „KBV – Keine besonderen Vorkommnisse“ sowie „Slavik – Auf Staats Nacken“ (Joyn) und „Unter Freunden stirbt man nicht“ von Vox und TV Now landete „ÜberWeihnachten“ auf der Nominierungsliste in der Kategorie „Beste Comedy-Fiction“.

Ein Tag vor Verleihung gestern Abend machte man dann allerdings einen Rückzieher: „ÜberWeihnachten“ wurde von der Liste gestrichen – wegen Hauptdarsteller und Co-Produzent Luke Mockridge. Hintergrund sind anhaltende Berichte über seine frühere Beziehung zu Ines Anioli. Luke Mockridge hatte dazu erst vor kurzem noch ein Statement veröffentlicht, bei dem er sich an den Vorwürfen abarbeitete und schließlich eine TV-Auszeit bis zum Jahresende verkündete.

Erledigt war das Thema damit allerdings nicht, denn vor einer Woche legte der SPIEGEL mit einer Berichterstattung nach, nach der sich Luke Mockridge veranlasst sah, seine Auszeit auf 2022 zu verlängern. Die Autorinnen Ann-Katrin Müller und Laura Backes erzählen bis ins Detail recherchiert die Geschichte rund um Luke Mockridge – sehr lesenswert und hier zu finden.

Diese Berichterstattung hat jetzt aber eben auch Auswirkungen auf den deutschen Comedypreis. Cologne Comedy Festival, Sat.1, Netflix, Brainpool Pictures und Luke Mockridge als Co-Produzent haben sich entschieden, „ÜberWeihnachten“ aus dem Wettbewerb zu nehmen. Weil hier nicht eine einzelne Person, sondern die gesamte Produktion nominiert ist, solle mit dem Schritt die Beteiligten aus Cast und Crew geschützt werden. So wird Ralf Günther als Geschäftsführer des Cologne Comedy Festival von DWDL zitiert.

Das wirkt auf den ersten Blick merkwürdig, deutet aber auch das Dilemma an, in dem man mit so einem festival steckt. Es geht um Spaß, Witz, Humor, aber es bekommt durch die ganze Diskussion einen faden Beigeschmack. Wie hätten sich Cast und Crew verhalten sollen, wäre „ÜberWeihnachten“ tatsächlich ausgezeichnet worden? Auf der anderen Seite ist es für alle Beteiligten, die mit Luke Mockridges Privatleben nichts zu tun haben, natürlich bedauerlich, so um die Chance gebracht zu werden, die Auszeichnung zu erhalten – unabhängig davon, ob sie gewonnen hätten.

Zum Glück – aus meiner Sicht – wurde das Thema auf der Comedypreis-Verleihung selbst dann noch einmal aufgegriffen – von gleich mehreren Akteuren, von subtil bis direkt, wie DWDL zusammenfasst. Hazel Brugger und ihr Mann Thomas Spitzer hatten Shirts mit der Aufschrift „Konsequenzen für Comedian XY“ vorne und „Künstler ohne Rückgrat sind Künstler ohne Geschmack.“ hinten angezogen. Kabarettist Sebastian Pufpaff nahm das Thema mit auf die Bühne: „Toxische Beziehungen sollte man auf keinen Fall ohne eine sehr, sehr, sehr teure Anwaltskanzlei beenden.“ Ehrenpreisträgerin Maren Kroymann wurde in ihrer Dankesrede dann ganz direkt: „Jetzt bin ich doch froh, dass ich hergekommen bin. Ein Kollege von uns hat Übergriffe gemacht und eine junge Kollegin hat das gesagt. Ich werde dafür ausgezeichnet, dass ich lustige Geschichten erzähle und es gibt Frauen, die ihre Geschichte erzählen, die nicht lustig sind.“ Sie hätte gerne gehabt, dass sich die Verantwortliche für diesen Preis nicht nur mit dem beliebten Künstler, sondern mit den Frauen, die betroffen sind, solidarisiert hätten: „Ich würde mir wünschen, dass ihre Geschichte gehört wird, dass diese Frauen ernst genommen werden, dass sie respektiert werden. Dass man ihnen glaubt.“

Ein emotionales Thema, wie auch der Umgang der Humor-Profis an dem Abend gezeigt hat. Wie steht Ihr dazu?

PS: Gewinnen hat übrigens „Slavik – Auf Staats Nacken“ – hat’s jemand gesehen?

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