Pilot-Review zu Agatha Christies charmantesten Detektiven

Partners in Crime – The Secret Adversary Part 1+2+3

Mini-Spoiler
Tobias
11.08.15

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Ich bin wahrlich kein intimer Kenner der Schaffenskraft von Agatha Christie, aber die Namen Hercule Poirot und erst recht Miss Marple sind mir natürlich bekannt. Auf meinem jugendlichen Nachttisch lagen allerdings eher Bücher von Arthur Conan Doyle und seinem Helden Sherlock Holmes. Wenn überhaupt. Und so war ich nur kurz verwundert, zu erkennen, dass ich die Namen Tommy und Prudence „Tuppence“ Beresford in der letzten Woche das erste Mal gehört habe. Diese beiden sind nicht nur ein niedliches Ehepaar sondern auch die Protagonisten in der neuen BBC Dramaserie „Partners in Crime“, einer Serienverfilmung auf der Grundlage von Christies Büchern rund um ihre wohl charmantesten Detektive.

Die literarische Grundlage

Den beiden hat Agatha Christie vier Romane und unzählige Kurzgeschichten gewidmet, von denen ich bisher noch nie etwas gehört habe. Was wie gesagt kein Maßstab ist. Zwei dieser vier Romane werden inhaltlich Pate stehen für die erste Staffel der sechsteiligen Serie. Die ersten drei Folgen basieren auf den zweiten Kriminalroman Agatha Christies überhaupt, „Ein gefährlicher Gegner“ oder im englischen Original „The Secret Adversary“. Die zweite Hälfte der Staffel basiert dann auf dem Roman „Rottkäppchen und der böse Wolf“ oder weniger märchenhaft im Original „N or M?“.

Die Serie begann vor drei Wochen und läuft Sonntäglich auf BBC One. Ich habe ich mir mal die ersten drei Folgen und somit die komplette Verfilmung des ersten Buches nacheinander angeschaut um ein paar Worte über eine der neuen Dramaserien bei der BBC verlieren zu können. Was man bereits nach diesen drei Folgen sagen kann, mit dem Wissen der Wikipediaartikel zu den ersten beiden Romanen, ist, dass die Produzenten für die Serienadaption einen gewaltigen Zeitsprung hingelegt haben. Das Original „The Secret Adversary“ spielt kurz nach dem ersten Weltkrieg. In der Serie befinden wir uns aber bereits in den 50er. Auch die Handlung ist nur vage angelehnt an der Geschichte des Romans. Beispielsweise sind Tommy und Tuppence bereits verheiratet und haben auch schon ihren Sohn. Andererseits haben sie am Anfang der ersten Folge keinesfalls die Absicht, eine Detektei aufzubauen wie im Roman. Sie schlittern eher so aus Neugierde und Langeweile in die Geschichte und zwischen die Fronten des kalten Krieges. Auch das Ende ist leicht abgewandelt. Das ist nicht weiter schlimm, sollte man aber als Kenner der Bücher wissen, wenn man sich hier auf eine Originalverfilmung gefreut haben sollte.

Die Hauptfiguren

Tommy Beresford ist ein vorsichtiger und zurückhaltender Mann, der mit seiner Frau Tuppence in einem Londoner Vorort lebt. Dort haben sie einen großen Garten und in diesem Garten möchte Tommy ein Bienenvolk ansiedeln. Denn er gedenkt in den Honighandel einzusteigen. Der Zweite Weltkrieg ist nun schon eine Weile her, aber außer Gelegenheitsjobs war wohl nicht viel los im beruflichen Leben des Hausherren. Seine Frau Tuppence ist eher ungestüm, neugierig und mutig zugleich. Keine unbedingt gute Mischung, wenn man eigentlich Hausfrau ist und zudem seine Zeit mit Kriminalromanen verbringt. Zudem lernen wir den Onkel von Tommy kennen, Major Anthony Carter, einen Leiter einer fast schon vergessenen Abteilung im militärischen Nachrichtendienst MI5.

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Tuppence und Tommy im Einsatz – hinter jeder Ecke lauert die Gefahr

Die Handlung

Tommy und Tuppence befinden sich auf der Rückreise aus Frankreich nach London. In Paris hat sich Tommy eine Bienenkönigin besorgt und träumt nun von goldenen Zeiten. Während Tuppence in ihren Kriminalromanen vertieft ist, setzt sich eine auffallend nervöse Frau zu ihnen im offenem Zugabteil an den Tisch. Sie blickt mehrmals aus dem Fenster und erregt so bei Tuppence Aufmerksamkeit. Sie scheint da ein richtiges Näschen zu haben. Denn zum einen nutzt die fremde Frau die Möglichkeit etwas Unbekanntes im Bienenstock zu verstecken, den ihr Tommy voller Enthusiasmus zeigt und zum Anderen wird ihr Bekannter, wie sich später herausstellt ein Mitarbeiter des MI5 und Agent von Major Carter, im Zug erschossen und die Frau, die auf den Namen Jane Finn hört, kann gerade noch so aus dem Toilettenfenster springen. Den Namen erfährt man, weil sie ihr Notizbuch am Tisch liegen gelassen hat. Da die Frau nie an den Tisch zurückkehrt, beginnt Tuppence nun eigene kriminalistische Überlegungen anzustellen. Sehr zum Missfallen ihres Mannes, der sich dann aber anstecken lässt. Bei einem Abendessen mit Onkel Anthony erzählen sie von ihrem Treffen mit Jane Finn und ihren bisherigen Ermittlungsergebnissen.

Major Carter ist wenig erfreut über das Wissen der beiden, es hält ihn aber nicht davon ab, ihnen mehr zu Jane Finn, die er kennt, und dem gefährlichen Leben eines Spions im kalten Krieg zu erzählen. Tuppence ist ganz angetan von den Aussichten auf Abenteuer. Tommy eher nicht so aber was soll er auch machen, wenn seine energische Frau einmal Feuer gefangen hat. Und so stolpern die beiden eher zufällig mitten in die Machenschaften der gegnerischen Geheimdienste im kalten Krieg der 50er Jahre.

Die Schauspieler

Verkörpert werden die beiden Hauptfiguren von David Walliams, wohl am besten für seine mit Matt Lucas produzierte Comedyserie „Little Britain“ bekannt, sowie von bloody wonderful Jessica Raine. Hoffentlich bei euch allen als Jenny Lee aus der Serie „Call the Midwife“ bekannt. Zu Walliams könnte man sagen, er ist einer der ausführenden Produzenten, klar das er sich die Hauptrolle gibt. Allerdings hält diese Meinung nur eine Folge durch. Am Anfang hatte ich wirklich Probleme nicht vor jeder seiner Antworten ein „computer says no“ zu erwarten. Ab der Mitte der zweiten Folge lässt das allerdings stark nach, denn dann sieht man, dass Walliams ein guter Schauspieler ist. Denn das zurückhaltende Gemüt Tommy Beresfords, verbunden mit seiner schnellen Auffassungsgabe und seiner analytischen Herangehensweise, wird dann sehr gut von Walliams auf den Bildschirm gezaubert. Raine stiehlt ihm daher mindestens für anderthalb Folgen schauspielerisch die Show. Das ungestüme ja fast schon naive ihrer Figur, verbunden mit einer Portion Mut und der kindischen Freude auf ein Abenteuer, um aus ihrer Rolle als „nur Hausfrau“ auszubrechen und sich zu emanzipieren – das wäre so mein erklärender Ansatz ihres Charakters – ist natürlich für eine Schauspielerin Gold wert und wird ihr große Freude bereitet haben. Zumindest glaubt man das ihrem Spiel anzusehen.

Als einen der Nebendarsteller in den ersten drei Folgen möchte ich Clarke Peters aus „The Wire“ oder auch „Treme“ erwähnen, der Julius Hersheimer spielt. Den reichen Onkel der vermissten Jane Finn. In „The Wire“ fand ich Peters wunderbar, in „Treme“ glorios. Hier empfinde ich ihn als überbesetzt und unpassend. Ich vermute aber mal ganz stark, dass man mit ihm noch etwas vorhat. Warum sonst sollte man mit Peters einen so bekannten Schauspieler für eine Nebenrolle nehmen. Lassen wir uns mal überraschen.

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die Wege einer Ermittlung sind manchmal unergründlich

Fazit

Der Fall an sich baut sich sehr, sehr langsam auf. Man weiß zwar recht schnell, wohin die Geschichte wohl gehen wird, die Geschichte selbst bewegt sich aber eher schleichend zu diesem Ende. Die unmittelbare Gefahr für Tommy und Tuppence ist nur an wenigen Stellen offensichtlich und wenn dann doch mal die Gefahr droht, entdeckt zu werden, so taucht aus dem Nichts ein Mann vom MI5 auf. Einmal führt dies sogar dazu, dass dieser Mann umgebracht wird. Vor den Augen Tommys. Die Serie spart also nicht mit Gewalt, setzt diese aber nur phasenweise ein.

Was wirklich gefällt, ist, dass es Walliams und Raine schaffen, hier und da die kleine Prise britischen Situationshumors einfließen zu lassen, der in keiner britischen Serie fehlen darf. Die Kostüme und das ganze Setting sind zeitgemäß und passend. Auch die Optik an sich finde ich ansprechend zur Serie. Sie will kurzweilig unterhalten aber nicht nach vorne springen, um den Zuschauer in die Handlung zu reißen. Nicht mit der Handlung, nicht mit den Dialogen und auch nicht mit dem Setting der Szenen. Beide Schauspieler und ihre Figuren kommen sehr sympathisch und charmant bei Zuschauer an. Es entfaltet sich eine wohlige Wärme vorm TV Gerät. Zumindest bei mir.

Alles in allem ist „Partners in Crime“, welches die BBC aus Anlass des 125.Geburtstages Agatha Christies aufgesetzt hat, eine solide Drama bzw. Krimiserie, die nicht wirklich irgendwo anecken wird. Nicht bei den Kennern der Bücher und auch nicht bei Krimifans. Allerdings sollte man zu mindestens einer der Gruppen gehören, sonst wird man keine allzu große Freude verspüren. Die dritte Folge fiel zwar im Vergleich zu den beiden vorherigen Folgen ab und die Serie verlor etwas von ihrem Charmepotenzial, ihrer Leichtigkeit und ihrem Humor aber im Grunde nichts worüber man sich aufregen sollte. Man darf hoffen, dass die Produzenten im zweiten Teil der Staffel zur Leichtigkeit der ersten beiden Folgen zurückkehren. „Partners in Crime“ ist demnach die positive Seite der Medaille des Mittelmaßes.

Nicht viel spannender als der sonntägliche Tatort in der ARD, allerdings sympathischer besetzt und liebevoller umgesetzt. Abschließend ein kleiner Blick in den Trailer der BBC.

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