Die Serie hat das Zeitliche gesegnet

Review: 12 Monkeys – Staffel 4

Mini-Spoiler
Maik
09.07.18

12-Monkeys-staffel-4-review_01 Review: 12 Monkeys - Staffel 4

Am Wochenende endete die vierte und letzte Staffel der Serienadaption von „12 Monkeys“ in einem Doppelfolgenfinale, was insofern seltsam ist, als dass Episoden 10 und 11 weniger waren, als die drei wöchentlichen Dreierpacks zuvor. Die Syfy-Serie war auch aufgrund fallender Zuschauerquoten schnell zum Event-Programmpunkt geworden. Das ist aber gar nicht schlimm, denn ehrlich gesagt wusste das originelle Format immer dann, sich zu entfalten, wenn es Zeit dazu hatte. Wie ironisch.

Mit Verwunderung musste ich feststellen, dass wir nach dem Review zu Staffel 1 (Initiate Splinter Sequence) im Mai 2015 GAR NICHT MEHR über die Serie berichtet haben. So werde ich in diesem losen Abschluss-Review sicherlich auch das ein oder andere Wort über die Serie im Allgemeinen fallen lassen. Ach, was sage ich das so mysteriös – ich stamme ja quasi aus der Zukunft dieses Textes, ich weiß doch, dass da was kommen wird!

„So, maybe… one minute more? There‘s still time.“ (James Cole)

Richtig spoilern werde ich nicht, eher schreibe ich meine Gedanken aus der Erinnerung heraus, die vor allem bei den Staffeln 2 und 3 doch recht schwammig ist. Vielleicht sollte ich nochmal eine Zeitreise dorthin wagen, aber ehrlich gesagt möchte ich nicht mehr auf „Öt“ treffen. Das war teils sehr schwere Kost und immer wieder ein Kampf, hinein zu kommen. Aber so schwerfällig sich die Serie zwischendurch auch tat, hatte sie doch viele gute, einige auflockernde und sogar ein paar herausragende Momente. Ihr größter Trumpf war dann aber doch, dass die (zwischenzeitlich etwas zu) verwobene Geschichte am Ende mehr oder weniger in Gänze zusammenführte.

[Initiate splinter sequence…]

12-Monkeys-staffel-4-review_03 Review: 12 Monkeys - Staffel 4

Hatten die Staffeln zuvor immer mal kleinere „Loops“, die für den Zuschauer binnen einer Folge oder Staffel nochmal aufgezogen und für den Zuschauer erklärt wurden, konnte man jetzt aus dem Vollen schöpfen. Das hat vom Storytelling her auch größtenteils funktioniert. Man merkt, dass sich die Macher bereits früh ein Ende und den Weg dorthin überlegt hatten, so dass gewisse Hinweise und Brotkrumen wieder aufgenommen werden konnten. Nur wird das leider im Finale dann doch etwas übertrieben. Dass so ziemlich sämtliche alte Bekannte nochmal auftreten, hat zwar irgendwie seine Bewandnis, wirkt aber wie eine inszenierte Abschiedsrunde. Das war zu viel des Guten. Ebenso die Tatsache, dass plötzlich alle Söhne, Töchter, Väter und Mütter von irgendwem sind. Das ist dieser typische „Luke, ich bin dein Vater“-Move, der irgendwann fad wird.

[Initiate splinter sequence…]

Das Ende war an sich eigentlich in Ordnung, hatte aber seine offensichtlichen Schwächen. Neben der Tatsache, dass allgemein viel moralisches Empfinden Einzug hielt, kam es vor allem zu (auch für eine Zeitreisen-Serie) unlogische Momente. Während das ewig zu während scheinende Muster „Treffsichere Scharfschützen auf der guten vs. amateurhafte Fehlschützen auf der bösen Seite“ auch hier beinahe ständig Benutzung fand, haben mich vor allem drei Dinge genervt. So ziemlich alle noch nie in Titan gewesenen Personen schienen sich erstaunlich gut dort auszukennen und wissen immer genau, wo sie hin und was sie tun müssen. Vielleicht habe ich auch den Moment verpasst/vergessen, in dem Lagepläne des Baus zum Pauken ausgehändigt wurden, aber selbst wenn dem so ist, dürften Sprints von einem Ende des Geländes ins Zentrum und auf einen Turm hinauf nicht wirklich binnen zwei Minuten machbar sein.

Zweite Sache: Wieso springt die böse „Öt“ mit ihrer Stadt GENAU zum passenden Zeitpunkt und nicht ein paar Minuten, Stunden oder Tage zuvor? Mal ganz davon abgesehen, dass die mit dem Auto genau wissen, wo sie warten müssen. Naaaa-ja. Drittens: Dieser absolut übertrieben effekthaschende „No this is!“-Moment. Fast so schlecht, dass er wieder gut war, aber eben nur fast.

„Either seven billion people die today or everyone will die forever.“ (James Cole)

12-Monkeys-staffel-4-review_05 Review: 12 Monkeys - Staffel 4

Besonders gelungen empfand ich die Entwicklung von Jennifer Goines. Nicht nur hat Emily Hampshire sie auf wundervolle Art und Weise verkörpert, der Charakter hat die nötige Prise Lockerheit und vor allem auch guten Dialog-Schreibstil mit einbringen können. Ich meine, alleine die geniale Szene mit Geheimagenten-Jennifer (Garner?!) – grandios!

„You can‘t travel through time, except second by second.“ (Cassie)

„Öt“ als Bösewicht habe ich nach der „großen Auflösung“ als etwas zu handzahm vernommen. Auf der einen Seite war es interessant, zu sehen, wie die Figur in die bereits prophezeite Rolle hineinwächst und selbst Unsicherheiten besitzt, das hat aber mit dem zuvor gezeigtem Abbild dieses allsehenden „Zeugen“ nichts mehr zu tun gehabt (und war auch nicht in Gänze logisch, finde ich). Ebenso hätten doch die Primaries viel früher alles offenlegen können, oder nicht? Ja, die Zeitschleifen müssen intakt bleiben, bla-blubb, ich weiß…

Ein Happy End mit kleiner Inkonsistenz hätte ich toll gefunden, so dass man mutmaßen kann, ob das nun die Realität oder der Red Forest sei.

[Initiate splinter sequence…]
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Insgesamt hat es sich tatsächlich gelohnt, dran zu bleiben und weiter zu schauen. Auch wenn es zwischendurch anstrengend war (vor allem, nach der jeweiligen Staffelpause), haben nette Zeitreisen-Spielchen, tolle Charaktere und ein gelungenes Erzählungs-Ende mehr als wieder gut machen können. „12 Monkeys“ ist sicherlich nicht DIE perfekte Serie, aber eine besondere. Ich verkneife mir jetzt den „zeitlos“-Kalauer. Vielleicht hätten ihr ein paar Folgen und Story-Schlenker weniger gut getan, aber die kann man ja bei einem zweiten Anschauen in Zeitreisenden-Manier überspringen. Aber irgendwie reizt es mich ja jetzt schon, die alten Folgen nochmals auf Hinweis bzgl. des finalen Ausganges hin beobachten anzuschauen. Ob die wirren Gedanken Jennifers vielleicht schon viel mehr preisgegeben hatten? Ich werde es gesehen haben.

Gerne hätte ich mir mehr Zeit zum Erstellen dieses Reviews genommen, mehr Splinter Sequencens eingebaut, meine Gedanken mehr geordnet und weitere Inhalte eingefügt, aber leider besitze ich (noch) keine Zeitmaschine. Sollte jemand eine (er)finden – gerne in den Kommentaren melden!

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