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Das Spiel geht weiter

Review: Alice in Borderland – Staffel 2

Mini-Spoiler
29. Dezember 2022, 09:58 Uhr
Mini-Spoiler
Maik
29.12.22

Nach der überraschend guten ersten Staffel von „Alice in Borderland“ mussten wir auch aufgrund dieser nervigen Pandemie zwei Jahre auf die Fortsetzung warten. Doch seit 22. Dezember 2022 ist die zweite Staffel auf Netflix verfügbar (Trailer). Im Spoiler-armen Staffelreview möchte ich euch erzählen, ob sich ein Einschalten lohnt. Kurzum: Ja, aber einige Aspekte sind auch anders als in der ersten Staffel – mal besser, mal schlechter.

Darum geht es in Staffel 2 von „Alice in Borderland“

Nachdem in der ersten Staffel der Netflix-Serie numerierte Spielkarten gesammelt worden waren, sind im Anschluss an das Fiasko in der Resortanlage „The Beach“ Zeppeline mit riesigen Stoffbannern über der Stadt aufgetaucht, die die Bildkarten eines Decks offenbarten. Entsprechend dieser finalen Prämisse zum Abschluss werden jene Todesspiele in Staffel Zwei gezeigt, mit dem Ziel der noch lebenden Spieler:innen, alle Karten zu sammeln und so wieder in ihre eigene Welt gelangen zu können.

Leider verkauft sich dieses zentrale Prunkstück der Serie unter Wert, wie ich finde. Die Spiele wirken zu Beginn aufgebläht, als wolle man den „Squid Game“-Hype nachahmen. Das wirkt vor allem unsinnig, weil einige der Spiele viel zu leicht wirken und doch auf plumpe Art und Weise spannend gestaltet werden. Am meisten hat mich hierbei geärgert, wie dümmlich die Teilnehmenden agieren – oder eben gerade nicht. Da wird massig Zeit verplempert, um dann mit einem ach so überraschenden Einfall Last Minute zu gewinnen. Mein Lowlight der zeitlichen Darbietung war ein Spiel, in dem binnen einer fünf-Minuten-Runde erstmal eine gefühlt sieben Minuten lange Ansprache gehalten wird. Und immer wieder musste ich mich auch fragen, wie überhaupt noch so viele Menschen am Leben sind?! Also, wo kommen die alle plötzlich her? Und bei einigen Teilnehmenden fragt man sich auch, wie die es überhaupt so weit geschafft haben sollen. Eine starke Gruppe oder ganz viel Glück?

Dennoch war es jedes Mal aufs Neue reizvoll zu erfahren, wie das Regelwerk lautet und bei einigen Spielen konnte man gar als Zuschauer:in vor dem Fernseher mitknobeln. Allgemein haben mir die Spiele mit Chishiya am besten gefallen, was zum einen an seinem stark inszenierten Charakter liegt, zum anderen an der smarter konzipierten Erzählung der Spiele. Hat man sich zu Beginn noch unnormal viel Zeit für einzelne Spiele gelassen, handelt man andere dann binnen weniger Minuten im Schnelldurchlauf ab. Das empfand ich als schade, aber vermutlich hatte man nur Ansatz-Ideen für die Spiele und wollte nicht zum X-ten Mal den gleichen Spannungsbogen aufziehen.

Schöne neue Welt

So bescheuert vor allem die Pik-Spiele inszeniert wurden (Pik-König mal unnormal stark, dann treffsicher wie ein Stormtrooper…), so bildgewaltig waren sie anzusehen. Vor allem bei der Pik-Dame gab es einige ziemlich coole Passagen zu sehen! Die zweite Staffel von „Alice in Borderlands“ besteht aber nicht nur aus den Spielen selbst, auch die mysteriöse Welt als solche nimmt einen größeren Stellenwert ein.

Besonders aufgefallen sind mir die schön weit gesetzten Shots der Szenerie mit klein erscheinenden Charakteren, die wohlbedacht positioniert und verteilt sind. Die gab es immer wieder zu sehen, vor allem in der zweiten Staffelhälfte. Allgemein war die bildliche Inszenierung auf hohem Niveau. Auch wurde an der Welt selbst ordentlich gefeilt, die zwischenzeitlich an „The Last of Us“ oder „I am Legend“ erinnert hat. Hinzu kam eine gehörige Prise Mystery, was seltsame Entwicklungen anbelangt, so dass die eigene Neugierde gekonnt angefüttert worden ist, was es denn nun mit dieser Welt auf sich hat.

Mein zwischenzeitlicher Tipp war ja, dass es sich vielleicht um eine ultrarealistische Virtual-Reality-Welt handeln könnte, was um so lustiger war, da es ja am Ende der Staffel von der Herz-Dame aufgegriffen worden ist.

Was ist ein Leben wert?

Spannend fand ich auch den philosophischen Aspekt, der immer wieder behandelt worden ist. Zentrale Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Oder auch: Was ist ein Menschenleben wert? Immer wieder wagt man es, die banal und todeslustig wirkenden Spiele mit gedanklichem Tiefgang zu versehen, was eine weitere Ebene der Erzählung aufzieht.

„Wenn es sieben Milliarden wie mich gäbe, wärt ihr die Bösen. Du hast einfach Glück. Glück, dass du der Mehrheit angehörst.“ (Niragi)

So schafft „Alice in Borderland“ mit moralischem Empfinden zu spielen und vor allem jede:n Zuschauer:in dazu zu bringen, selbst nachzudenken. Wie würde man selbst das Spiel angehen? Wen oder was wäre man zu opfern bereit? Und wie ist es um das eigene, reale Leben bestellt? Denn irgendwie haben alle Menschen, die an den Spielen teilnehmen, ihre Makel und Tiefen. Diese werden nicht nur durch interessant gezeichnete Rückblenden sondern vor allem im Eifer des Gefechts aufgezeigt. Nämlich dann, wenn Menschen im Angesicht des Todes ihr wahres Ich und Inneres offenbaren.

Und dann wäre da das Ende der Staffel (ab hier geht es in diesem Absatz SPOILERISCHER zu!!!). Grundsätzlich finde ich gut, dass man die Sache nicht weiter hinausgezögert hat und eine schlüssige Erklärung abliefert, die zudem auch noch einen gewissen Realismusgrad besitzt. Dabei hat mir die Auflösungsszene durchaus gefallen, bot sie doch lange Zeit Ungewissheit und viel Interpretationsspielraum für uns Zuschauer:innen, die genau wie die Figuren selbst lernen müssen, die neue Situation einschätzen zu können. Auch hält diese Auflösung viele Erklärungen für zuvor Unerklärliches oder Unsauberes bereit. Und doch ist es schade, dass man derart in die Wirklichkeit zurückgeschubst wird und mal wieder alles mit dem Totschlag-Vehikel Fantasie abdeckt. Aber so haben wir ein kompakt gehaltenes Ende erhalten, das man so auch als gelungenen Abschluss ansehen möchte, sollte die Serie an dieser Stelle komplett enden. Das ist ja in der heutigen Zeit und beim fröhlichen Absetz-Verhalten von Netflix auch nicht so verkehrt.

Auch die Fortsetzung von „Alice in Borderland“ konnte mich persönlich überzeugen. Erneut bekommen wir ausgefallene Spiele präsentiert, in denen es um Leben und Tod geht. Darüber hinaus schafft die Serie es auch, mit einer eindrucksvoll(er) inszenierten Welt und einer verbesserten Cinematography sowie gedanklichen Anregungen zu punkten. Leider werden aber auch einige kleinere und größere Schwächen offenbart, was die Erzählung anbelangt, vor allem bei den Abläufen der Spiele. Oftmals betrifft das leider vor allem die Aufbereitung für uns Zuschauer, so dass man das eigentlich recht leicht am Schnitt-Tisch bzw. im Zuge der Folgen-Struktur hätte regeln können. Die logischen Fehler nerven teilweise auch, lassen sich aber innerhalb der Welt teilweise erklären, was man als schlauen Schachzug oder einfach nur lazy writing beurteilen könnte. Hin und wieder hat mich zudem das Overacting des Casts gestört, so dass mich auch emotionale Szenen in ihrer Überlänge nicht immer komplett abholen konnten, das kann aber auch schlicht am soziokulturellen Unterschied zwischen asiatischen und westlichen Produktionen gelegen haben.

Insgesamt habe ich mich aber erneut gut unterhalten gefühlt, auch wenn die ganz große positive Überraschung leider ausgefallen ist. Staffel Eins wirkte frischer und stimmiger auf mich. Aber gegen eine Fortsetzung hätte ich dennoch nichts einzuwenden! Wie es darum steht, fragt ihr?

3. Staffel von „Alice in Borderland“?

Inhaltlich hält die zweite Staffel von „Alice in Borderland“ ein eigentlich abschließendes Ende für uns parat und auch die zugrundeliegende Geschichte des gleichnamigen Mangas von Haro Aso (der übrigens Anfang nächsten Jahres erstmals in einer deutschen Auflage erscheinen wird – Partnerlink) ist grundsätzlich auserzählt. Und doch gibt es ein paar lose Halme der Hoffnung, an die sich Fans noch klammern können.

ACHTUNG: AB HIER WIRD SOWOHL HINSICHTLICH DER TV-SERIEN-ADAPTION ALS AUCH BEZÜGLICH DER MANGA-VORLAGE GESPOILERT WERDEN! (Nur im folgenden, längeren Absatz, der abschließende letzte kurze Absatz ist wieder gefahrenfrei.)

Zum einen wäre da die vielsagende Andeutung ganz am Ende, als ein Kartenspiel von einem Tisch geweht wird und lediglich die Jokerkarte liegen bleibt, auf die dann sehr dramatisch hineingezoomt wird. Dabei könnte es sich um einen Hinweis auf eine weitere Spielebene handeln, vermutlich ist es aber lediglich eine kleine Referenz zu einer Figur, die im Manga vorkommt. Dort trifft Arisu nämlich vor der Rückkehr in die reale Welt auf eine Art Fährenmann zwischen Leben und Tod, dessen Zeichen die Jokerkarte ist. Diese intensive Szene wurde uns auf Netflix leider entbehrt. Vielleicht soll die Karte aber auch darauf hindeuten, dass wir den Moment noch nachgeliefert bekommen. Oder aber, dass Netflix schlicht noch einen Joker parat hat – zum Beispiel die Adaption des Mini-Sequels zum Manga, der den Namen „Alice in Borderland: Retry“ trägt und von einer Rückkehr Arisus in die Borderlands erzählt, als diese durch einen Unfall erneut in Lebensgefahr schwebt. Außerdem kursieren Theorien, dass selbst die zuletzt gezeigte vermeintliche Realität lediglich eine Illusion sei, die das finale Level darstellt. Dagegen spricht jedoch, dass sich die Teilnehmenden anscheinend nicht an das Geschehene erinnern können. Wahrscheinlicher ist da, dass wir ein Spin-off erhalten, in dem die weiteren Geschehnisse jener gezeigt werden, die sich für einen Verbleib in den Borderlands entschieden haben und die nächste Reihe an Spielen ausrichten. Oder weitere Erzählungen über bisherige Randfiguren, so dass wir weitere Spiele zu sehen bekommen können. An sich bietet die Geschichte jedenfalls genug Ansatzpunkte, die man aufgreifen kann. Letztlich dürfte es den meisten eh vor allem um die ausgefallenen Todesspiele gehen, von denen man mehr sehen möchte.

Fest steht bislang lediglich, dass Netflix weder die Beendigung noch die Fortsetzung der Serie offiziell bekanntgegeben hat. Da auch die zweite Staffel ein großer Erfolg zu sein scheint, wird man aber genau überlegen, ob man das Format nicht doch irgendwie weitererzählen möchte. Immerhin sollte die südkoreanische Schwester-Serie (da inhaltlich ähnlich) „Squid Game“ ursprünglich nur eine Staffel lang sein und hat dann doch eine Fortsetzung erhalten… Also, Netflix – wie schaut es aus?

Bilder: Netflix / Kumiko Tsuchiya

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Ein Kommentar

  • Ich bin leider von der zweiten Staffel etwas enttäuscht.
    den Grund hast du aber auch schon aufgegriffen.
    Mich haben die vielen -dummen- Mitspieler genervt. da habe ich mich auch immer gefragt, wie sollen die es soweit geschafft haben und vor allem warum gibt es noch so viele Überlebende bei den Bilder-Spielen.
    Fand das mega unlogisch und die Spiele wurden, wie schon gesagt, teilweise unnötig aufgebläht oder nur angerissen…schade 😪


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