5 Folgen von Steven Spielberg

Review: Apple’s Amazing Stories (Unglaubliche Geschichten) – Staffel 1

Mini-Spoiler
Michael
26.07.20

Eine Serie namens „Unglaubliche Geschichten“, oder im Original „Amazing Stories“ – gab’s das nicht schonmal? Gehört das nicht eher in die Reihe Klassiker – oder Hassiker? Jein, muss die Antwort hier lauten. Denn tatsächlich gab es von 1985 bis 1987 45 Folgen von „Unglaubliche Geschichten“, einer Anthology-Serie von Steven Spielberg, die es erst Jahre später zu uns nach Deutschland geschafft hat, und zwar 1991 – auch eine aus heutiger Sicht unglaubliche Geschichte – mit der Premiere von drei Episoden auf Laser Disc! Am 8. März 1993 gab’s dann die TV-Premiere, bei RTL 2, mit täglich einer neuen Folge. Jetzt gibt’s die Rückkehr der Serie, oder besser ein Revival, denn die fünf neuen Folgen, die jetzt bei Apple TV+ veröffentlicht wurden, werden nicht als 3. Staffel gezählt, sondern als eigenständige Serie.

Was vermutlich mehr an den Rechten an den Original-Folgen liegt, die in den 1980er Jahren bei NBC liefen, als an der Serie selbst. Auch jetzt hatte NBC das Revival zwar angestoßen, ehe dann Apple die Führung übernahm, gemeinsam mit Amblin Television. Bei dem Namen horchen Film- und Serienfans natürlich auf: Denn wie 1985 hat auch 35 Jahre später der große Steven Spielberg seine Finger im Spiel. Nicht mehr als Regisseur oder als Autor, wie es damals bei vielen Folgen der Fall war, aber immerhin als Executive Producer. An seine Seite geholt hat er mit Edward Kitsis und Adam Horowitz zwei erfahrene Produzenten, die wir vor allem von „LOST“ kennen. Ursprünglich sollte übrigens Bryan Fuller („Star Trek: Discovery“, „Pushing Daisies“, „American Gods“) als Showrunner fungieren, er wollte eine düstere Version des Klassikers, setzte sich damit aber nicht durch.

Auch beim Score hat Spielberg keine halben Sachen gemacht. Das Main Theme kommt wieder vom großen John Williams, die einzelnen Folgen werden unter anderem von Ramin Djawadi und Brandon Campbell, Nicholas Pike und Mark Isham vertont. Auch bei der Inszenierung setzt Spielberg auf Erfahrung: Mark Mylod („Game of Thrones“, „Entourage“), Michael Dinner („Philip K. Dick’s Electric Dreams“, „Invasion“) oder auch Chris Long („The Americans“, „Gilmore Girls“). 1985 hatte Spielberg viele Vertraute aus seinem Umfeld als Regisseure in die Serie geholt, Michael D. Moore zum Beispiel, Burt Reynolds, Clint Eastwood, Martin Scorsese, Danny DeVito oder Robert Zemeckis.

Lediglich bei den Autoren und beim Cast (ebenfalls wie in den 80-ern) kommen eher unbekannte Akteure zum Zuge – mit Ausnahmen natürlich, allen voran der große Robert Forster, der in einer Folge die Hauptrolle übernimmt – seine letzte Rolle vor seinem Tode. Daran erkennt man auch schon so ein bisschen die Struktur der Serie: Jede Folge hat eine abgeschlossene Handlung, ohne Zusammenhang untereinander, mit wechselndem Cast. So hat es Steven Spielberg vor 35 Jahren schon gemacht, nur dass die Folgen da knapp halb so lang waren, also eher so 25 statt 50 Minuten. Kommen wir also zu den Folgen selbst. Ursprünglich waren zehn in Auftrag gegeben worden, lediglich fünf bekommen wir bei Apple TV+ gezeigt – was vermutlich darauf hindeutet, dass wir eine zweite „Staffel“ mit nochmal fünf Folgen bekommen werden. Die fünf Folgen sind ganz unterschiedlich, handeln von Superkräften, ein Leben nach dem Tod oder Zeitreisen. Leider schwanken die Folgen erheblich in der Qualität, sowohl was das Storystelling als auch die Umsetzung angeht.

Amazing Stories: The Cellar

Die erste Folge ist für mich direkt die beste der fünf Episoden. Es geht um die Brüder Sam und Jack, die ein altes Haus renovieren. Sam wird durch eine Druckveränderung im Keller in eine andere Zeit versetzt. Die Geschichte lebt von der Dramaturgie und von der Story an sich. Man überlegt im Laufe der Folge, wie man sich selbst wohl in der Situation verhalten würde, und ob man nicht selbst in einer anderen Zeit besser aufgehoben wäre. Vor allem der Dreh ganz am Ende macht aus „The Cellar“ eine runde Geschichte.

Amazing Stories: The Heat

Es geht um die beiden Mädchen Tuka und Sterling, die für einen Lauf-Wettkampf trainieren. Tuka ist immer einen Tick schneller als Sterling, bis sie einen Unfall hat. Die Folge profitiert vor allem von Chris Longs Inszenierung, die Story hat mich irgendwie nicht so richtig angesprochen. Vieles ist vorhersehbar, der Twist am Ende etwas zu inszeniert und zu überzogen für meinen Geschmack, außerdem ist das Thema auch kein wirklich Neues.

Amazing Stories: Dynoman und der Volt

Eigentlich eine schön angelegte Story, die das Thema Superkräfte einmal neu erzählt und darstellt. Irgendwie bleibt für die gesamte Geschichte aber zu wenig Zeit, um sie in der notwendigen Breite zu erzählen – was schade ist, denn die Idee hätte sicher noch mehr Potenzial gehabt. Großes Highlight ist natürlich der Auftritt von Robert Forster in seiner letzten Rolle.

Amazing Stories: Signs of Life

„Signs of Life“ war für mich die Folge mit dem größten Mystery-Faktor. Die Idee fand ich klasse, auch die Umsetzung ist in großen Teilen solide. Mich störte aber auch hier die Auflösung am Ende. Saras Handeln war am Ende nicht mehr konsequent genug aus meiner Sicht. Für diese weitreichende Entscheidung, die sie trifft, ist vorher einfach zu wenig passiert – oder erzählt worden.

Amazing Stories: The Rift

Es bleibt dabei: Bei vielen Folgen kann man sagen: ‚Gute Idee, aber nicht konsequent zu Ende erzählt‘. So auch hier: Der Ansatz mit dem Riss und der Notwendigkeit, alles wieder durch den Riss zurück zu schicken, war gut, die Verknüpfung mit dem Schicksal des Jungen war dann wieder ein wenig zu sehr drüber. Leider war auch der Moment des Wiedersehens zwischen Cole und seiner Freundin zu emotionslos und zu lieblos gemacht. Was mich in der Folge besonders gestört hat, waren die vielen Schnitt- und Einstellungsfehler – das war am Ende nur noch nervig.

Amazing Stories -Staffel 1: Fazit

Insgesamt bekommen wir fünf Folgen präsentiert, die nicht mehr als guter Durchschnitt sind. Bei mir ist die Staffel den hohen Erwartungen, die ich nach dem Lesen der mitunter großen Namen hatte, nicht gerecht geworden. Das sind Durchschnittsfilmchen, die man so nebenbei weggucken kann und die sich vermutlich problemlos in die Liste der Folgen aus den 80-ern hätte einreihen können. Noch ein Grund mehr, hier von einer 3. Staffel zu sprechen als von einer neuen Serie. Ach ja, und irgendwann nervt’s dann auch, wenn in jeder Folge iPad, iMac, iPhone & Co. in den Vordergrund gerückt werden. Ja, es ist eine Apple-Serie, aber das ist dann doch zu viel des Guten.

Bilder: Apple TV+

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2 Kommentare

  • Oh, wusste gar nicht, dass die Serie schon draußen ist. Aber ich bin auch kein Apple Nutzer.

    Klingt auch nicht wirklich so, als wäre sie qualitativ weit vom Original entfernt. Die hervorragenden Folgen kann man da an einer Hand abzählen. („Die Mumie“ oder „Die Notlandung“, welche zu Spielbergs spannendsten Regiearbeiten zählt, auch wenn das Ende eindeutig eine Liebe-oder-hasse-es Affäre ist, fallen mir da ein. Und natürlich Brad Birds „Family Dog“.)

    Der Rest hatte oft das Problem, dass die Geschichten hervorragende Grundideen hatten („Mutter, die die Spielsachen ihres Sohnes wegschmeißt, bekommt Besuch von einem Monster, dass ihre Möbel auffrisst“ oder „Aliens besuchen die Erde, weil sie die Fernsehübertragungen von alten Varieteshows lieben“), aber trotz der kurzen Laufzeit, am Ende nur enttäuschten.

    • Nee, leider hebt sich das nicht so sehr vom ‚Original‘ ab. Gleiches Schema: Gute Storyideen, maximal durchschnittlich umgesetzt.


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