Weil Geld nicht alles ist...

Review: Haus des Geldes – Staffel 1 (Teil 2)

SPOILER !!
Jessie
11.04.18

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Das war das Ende. Und es ist noch druckfrisch. Und tief. Mit Tränen. Und einem Lächeln.

Wow. Was für eine Serie. Der erste Teil hat mich schon umgehauen. Und begeistert. Ich musste sofort einen Serientipp schreiben, weil ich dachte, die Serie „Haus des Geldes“ kennt keiner. Doch wenn selbst Netflix dafür wirbt wie für keine andere Serie, scheint es ein Durchbruch zu sein.

Und zu Recht! Denn die Serie lässt einen nicht mehr los. Die zweite Hälfte der ersten Staffel ist sogar noch spannender, noch emotionaler, noch trauriger, noch toller als die erste. Wow! Aber fangen wir vorne an.

Wir wurden am Ende des Mid-Season-Finales zurückgelassen mit der Polizei vor der Finca. Mit einem Tisch voller Beweise und der Professor direkt vor ihrer Nase. Und damit hat der erste Teil der ersten Staffel mich schon mit offenem Mund zurückgelassen und voller Spannung.

Was alles passiert

Und jetzt geht es weiter. Die Finca ist natürlich inszeniert. Die Inspectora und Salva verlieben sich mehr und mehr. In der Druckerei kochen die Emotionen hoch und die Gruppenmitglieder gehen aufeinander los. Es eskaliert und Tokio spielt mit Berlin russisches Roulette und wird dafür vor die Tür gesetzt. Die Polizei nimmt sie fest und sie ist zerissen zwischen beiden Seiten. Doch – wie versprochen – wird sie befreit und flieht. Direkt zurück in die Banknotendruckerei. Doch bei der Flucht kommt es zur Schießerei und Moskau wird getroffen. Vorher haben die Insassen versucht zu fliehen und weil sie keinen Toten wollte, wird Mónica ungewollt Mittäterin. Es wird heikel.

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Die Inspektora kommt dem Professor auf die Schliche. Ein Katz und Maus Spiel beginnt. Der Professor kann fliehen. Sie wird suspendiert. Und sucht auf eigene Faust weiter. Sie findet ihn – noch vor der Polizei. Diese will stürmen und somit muss aufgeräumt werden. Sie graben und graben. Und kommen durch. Doch Moskau stirbt. Aber es bleibt keine Zeit. Die Inspectora findet den Professor und wird übermannt. Ángel wacht auf und ruft sie an. Sie verbündet sich mit dem Professor und fährt zu Ángel. Der sieht zu, wie sie festgenommen wird. Die Polizei stürmt. Die Geiselnehmer fliehen. Raquel wird befragt. Doch es ist zu spät. Und alles endet auf den Philipinen. Ein Jahr später.

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Puh! Und das alles im Schnelldurchlauf. Die Meuterei. Die Liebe. Die Trauer. Der Schmerz. Die Freude. Ich bin Teil der Gruppe. Ein Komplize geworden. Zähle ab jetzt mit Nairobi das Geld. Bin verliebt in Denver und Mónica. Fliehe mit Tokio und küsse Rio. Lache mit Moskau. Und tanze mit Helsinki. Trauere um Oslo. Und streite mit Berlin. Und applaudiere dem Professor. Eine Serie, in der die echten Namen keine Rolle mehr spielen. In der die Menschen an ihre Grenzen gebracht werden.

Wer ist der Held?

Geiselnehmer. Bankräuber. Aber auch die Geiseln. Die Grenzen verschwimmen. Wer hilft? Wer unterstützt die Falschen? Und wer zettelt die Revolte an? Arturo Román (der Chef der Banknotendruckerei und Geisel) ist ein verdammter Held oder wäre so gern einer. Er ergibt sich nicht seiner Situation, überlickt aber auch nie das große Ganze. Jammert ständig rum. Und versucht immer wieder unüberlegte Pläne, womit er mehr Menschen in Gefahr bringt, statt sie zu retten. Und damit stellt sich die eine Frage: Kooperieren oder rebellieren?

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Rio bringt Arturo Román erst auf den finalen Plan. Der fast alles zum Scheitern bringt. Wer ist die Geisel? Wer ist der Geiselnehmer? Wer ist gut? Und wer ist böse? Und wo ziehen wir die Grenze? Damit wird der Zuschauer zurückgelassen, denn es gibt keine klare Antwort. Selbst die Polizei und der Geheimdienst verlieren am Ende immer mehr das Vertrauen des Volkes und des Zuschauers. Man weiß nicht mehr, wo man steht. Denn es sind alles nur Menschen. Und alle wollen überleben.

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Ich gebe zu, Tokio hat mich zwischenzeitlich sehr genervt. Sie lernte nicht aus ihren Fehlern. War immer höchst emotional, denkt nicht nach oder nur an sich und verhält sich damit sehr kindisch. Sie hat nicht den Plan im Sinn, sondern will einfach agieren. Purer Aktionismus. Etwas, wozu viel zu viele Menschen neigen. Einfach handeln, damit etwas passiert, anstatt sich kurz zurückzulehen und die Situation zu betrachten. Einen kühlen Kopf zu bewahren und rational zu handeln. Die Gefühle und Leidenschaften außen vor zu lassen.

Und deswegen war Berlin der Anführer. Emotionslos. Absolut nicht empathisch. Rational. Und immer das große Ganze im Blick. Und dabei verrückt und kaltblütig. Absolut nicht sympathisch. Und sicherlich kein Held. Oder doch?

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Ich weiß es nicht. Es ist alles noch frisch. Aber ich habe das Bedürfnis, sie alle in den Arm zu nehmen. Mit ihnen zu jubeln. Denn sie haben niemanden weh tun wollen. Sie machen das Gleiche wie der Staat. Sie blieben mehr oder weniger human. Und man ist auf ihrer Seite. Man fiebert mit. Bis zur letzten Sekunde.

Was macht diese Serie besonders?

Was ist das Besondere an dieser Serie? Der Plan. Die Charaktere. Die Idee. Denn dieser Plan ist so durchdacht, so scheinbar perfekt. Und hätten sich alle an die Regeln gehalten, hätte er funktioniert. Aber es sind Menschen. Und Menschen ohne Beziehung und Emotionen sind Roboter. Und deswegen war es klar. Denn wenn man mit neun Leuten fünf Monate etwas plant, tagaus und tagein zusammen ist, dann baut man eine Beziehung auf. Denn gibt es Emotionen. Und dann verliebt man sich. In den anderen Geiselnehmer. In eine Geisel. In den Feind. Denn Adrenalin und Übermut sorgen für ein verzerrtes Weltbild.

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Und das macht die Serie aus. Wenn man den Plan aufs Papier schreibt, ist er perfekt. Wenn man ihn mit Robotern umsetzt, wird er klappen. Aber Menschen sind Variablen, die man – zum Glück – nicht berechnen kann! Und so wurde es immer spannender. Denn jedes Mal, wenn man dachte: „Jetzt haben sie sie!“ kommt der Professor um die Ecke und zaubert eine neue Idee aus dem Hut. Es gibt für alles einen Plan B. Auch für Plan B – nämlich Plan C. Er hat über 30 Jahre geplant und alles bedacht. Naja, fast.

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Und das macht es so faszinierend. Ich versuche immernoch zu verstehen, was da gerade passiert ist. Und dann all diese Charaktere. All diese Egos. All diese Menschen. Personen. Liebende. Väter. Mütter. Söhne. Töchter. Verrückte. Emotionale. Sie zeigen das Leben. Und sie zeigen es so toll und vielschichtig, wie es eben ist. Denn selbst wenn wir wissen, wo es langgeht, können wir nicht immer aus unserer Haut.

Fazit

Mein Fazit also: Eine fantastische Serie. Mit vielen, tollen Charakteren. Nervenkitzel bis zur letzten Sekunde. Tränen vor Wut, Trauer und Freude. Viele Emotionen. Und spanisches Temperament. Eine Serie, die einen nicht nur mitnimmt, sondern reinzieht. Man ist nicht nur Zuschauer. Man ist plötzlich Mittäter. Und stolz darauf!

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Also: Bankraub anyone?

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7 Kommentare

  • Robin Hood

    Kann mich der Filmkritik nur anschließen- wirklicher Suchtfaktor…
    – ich hätte noch gerne gewusst, was der Originale Fluchtplan von Tokio gewesen wäre
    – warum man den verletzten Arturo nicht vor die Tür stellen konnte (bzw. einsperren)
    – das MG ist keine Browning sondern das MG42

  • Hey Robin Hood,

    das stimmt. Die Frage um Tokio wurde leider offen gelassen. Aber die Sache mit Arturo hat mich auch genervt. Dass sie ihn nicht einfach mal wegsperren, so dass er mit niemanden reden kann. Aber letztendlich haben sie das mit den Bomben ja auch getan :D

    Und bei den Waffen kennst Du Dich besser aus… Da bin ich raus ;)

  • Eskaluke

    Ich kann den Hype um die Serie absolut nicht nachvollziehen. Nach solch sorgfältiger Planung passieren den Geiselnehmer viel zu viele unnötige Fehler. Warum wird Arturo nicht umgebracht, nachdem er so viel scheiße baut?
    Inside Man ist ein wesentlich besserer Film, welcher eine ähnliche Geschichte in viel kürzerer und spannender erzählt.

    • Nun ja, das Interessante ist ja, dass der Hype eben durch die Serie entstand. Denn am Anfang war es nur eine neue, unbekannte, spanische Serie auf Netflix. Und erst als immer mehr Leute sie toll fanden, hat Netflix die Serie gepusht.

      Aber ich verstehe Dich. Es ist eben nicht für jeden was. Ich hingegen finde gut, dass den Geiselnehmern Fehler passieren. Denn in dieser intensiven Situation, auf die sie niemand vorbereiten kann, zeigen sie ihre menschliche Seite. Und die macht eben Fehler. Sonst wären es ja Roboter. Und ohne diese Fehler wäre diese Serie ja bei weitem nicht so spannend gewesen und viel schneller zu Ende.

      Aber ich werde mir Deinen Filmtipp mal anschauen. Der Film steht eh schon länger auf der Watchlist und ist nun nach ganz oben gerückt ;)

  • Kotstulle

    Tolle Serie mit Suchtpotenzial. Sie bedient sich einiger Klischees, was positive aber auch negative Momente verursacht. Charakterlich war Berlin am interessantesten und dessen Off-Kommentare wären sehr Interessant gewesen!



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