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Wer war da an der Tür?

Review: Netflix‘ „Weihnachten zu Hause“ – Staffel 2

SPOILER !!
Michael
21.12.20

Was hat Johanne am Ende von Staffel 1 so zum Strahlen gebracht, als sie die Tür öffnete und in die Kamera blickte? Mit diesem offenen Finale hatten uns Kristian Andersen und Amir Shaheen vor einem Jahr mit der ersten Staffel des Netflix Originals „Weihnachten zu Hause“ zurückgelassen (hier geht’s zu unserem spoilerarmen Review). Man hätte natürlich zu gerne gewusst, wer denn da vor der Tür stand, und als Netflix die zweite Staffel ankündigte, konnte man sich sicher sein, dass dieses Rätsel wohl aufgelöst würde.

Aber so einfach machen es uns Kristian Andersen und Amir Shaheen nicht. Zwar setzt Staffel 2 genau am Ende von Staffel 1 an, aber erst einmal blicken wir dann nur in einen riesigen Strauß Rosen. Von wem dieser Strauß stammt – ungewiss, sowohl für uns als auch für Johanne, unsere 30-jährige Protagonistin, die zwar selbstbewusst und selbstbestimmt durch die norwegische Welt wandelt, aber dann doch irgendwie ständig auf der Suche nach einer festen Beziehung ist. Um diese zu finden, hatte sie ja in Staffel 1 einiges ausprobiert und war ihrem Glück auch ziemlich nahe.

Letztlich hatte die erste Staffel aber auch die schöne Botschaft, dass es auf mehr als eine feste Beziehung zu einem einzigen Menschen ankommt, nämlich um Familie, Freunde, einfach ein positives Umfeld. Das hat Johanne ohne Zweifel, und doch ist es so wie bei vielen Menschen und vielen Dingen: Man möchte immer das, was man nicht hat, obwohl es einem eigentlich gut geht.

Johanne rutscht also in die nächste Beziehung mit ihrem Arbeitskollegen, der ihr ja noch am Ende der ersten Staffel zwischendurch gestanden hatte, dass er sich möglicherweise in die verliebt haben könnte. Offensichtlich hält diese Beziehung auch einige Monate. Regisseur Per-Olav Sørensen zeigt uns in Ruhe, wie aus dem anfänglichen Feuer schnell Alltag wird, wie dieser dann anfängt zu nerven und sich beide Partner irgendwann in einer Sackgasse befinden. Erst einige Folgen später wird beiden klar, dass sie sich schon recht früh gedanklich voneinander verabschiedet hatten – ein gutes, klärendes Gespräch, das Johanne zwar um einige Schritte bei der Beziehungsplanung zurückwirft, aber auch für Klarheit sorgt.

Um sie herum zerbricht derweil die heile Beziehungswelt ihrer Familie. Die Eltern trennen sich, bei den Geschwistern läuft auch nicht alles so rosig, so dass sich diese sogar dazu hinreißen lassen, Johanne insgeheim für ihren Lebensstil zu beneiden und zu loben. Auch hier zeigt sich wieder: Die in einer Beziehung lebenden Geschwister wollen auch irgendwie wieder das, was sie nicht (mehr) haben.

Richtig Charme in die zweite Staffel bringt ein neuer Nachbar, der mit seiner Tochter direkt neben Johanne einzieht. Der ist zwar nichts für sie, wird aber sozusagen direkt mal auf die Freundesliste gesetzt. Seine schrägen Gesangseinlagen, seine skurrilen Outfits, seine Art, ein Gespräch zu führen – irgendwie ganz witzig. Durch ihn wird Johanne fast schon zur Beziehungsberaterin, denn sie begleitet ihn zum Speeddating (in Staffel 1 war sie noch die Kandidatin). Natürlich geht der Nachbar dort erstmal leer aus, aber Johanne findet in Knut einen neuen Freund. Der bringt eigentlich alles mit, was sich Johanne wünschen könnte, nur, und das bringt Johannes beste Freundin Jørgunn auf den Punkt: Er ist etwas für den Kopf, nicht fürs Herz. Das gehört immer noch Jonas, der in Staffel 2 wieder auftaucht und alte Gefühle weckt.

Wie sich dann alles fügt, ist tatsächlich ganz nett gemacht: Jonas entdeckt Johannes großes Herz (neu), und Johanne kommt dem Geheimnis der roten Rosen auf die Spur. Toller Moment, wie Jonas mit den Nachbarn am Tisch sitzt und bastelt, derweil Johanne im Bad quasi ausrastet und sich über sich selbst ärgert. Natürlich endet alles wieder an der Festtafel an Heiligabend, und natürlich kommen auch alle Freunde und Familienmitglieder wieder zusammen. Eine heile Welt, heiler sogar als unsere, was man schnell bemerkt, wenn man die große Gruppe da so zusammensitzen sieht und weiß, dass unser Weihnachten dieses Jahr ganz anders aussehen wird. Johannes Mutter erklärt sogar noch, dass man Weihnachten einfach nicht ausfallen lassen könne. Doch, kann man, müssen wir sogar in diesen Tagen – da ist die Serie mehr Utopie, als es sicher ursprünglich gedacht war.

Aber zurück zum großen Finale: Trotz der heilen Welt vermisst Johanne ein Mosaik-Steinchen, und das ist offensichtlich Jonas. Die Moral am Ende gefällt mir dann nicht so ganz, drückt aber womöglich die Gefühlslage vieler Menschen in der heutigen Zeit aus: Johanne gibt selbst zu, dass sie so viele Menschen um sich hat, die sie glücklich machen, und doch fehlt ihr jemand Spezielles, ohne den sie sich trotz allem alleine fühlt. Das verkehrt die Kernaussage von Staffel 1 so ein bisschen ins Gegenteil: Freunde, Familie, ein funktionierendes Umfeld – ja, schön und gut, aber eine Beziehung ist dann doch das, was der Mensch braucht. Wenn das das Lebensmotto ist, dann ist Johanne am Ende doch noch am Ziel angekommen.

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