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Mehr Familien-Drama als Science-Fiction

Review: Night Sky (Amazon Original) – Staffel 1

Mini-Spoiler
3. Juni 2022, 20:20 Uhr
Mini-Spoiler
Michael
03.06.22

‚Oh, eine neue Science-Fiction-Serie auf Amazon Prime Video‘, dachte ich, als der Trailer zum Amazon Original „Night Sky“ erschienen ist. Tatsächlich schafft es der Trailer, uns in gewisser Weise zwar sehr neugierig zu machen, aber auch ein wenig in die Irre zu führen. In den acht einstündigen Folgen „Night Sky“ gibt’s nämlich deutlich weniger übernatürliche Phänomene und Besuche fremder Planeten, als man hätte vermuten können.

Stattdessen bekommen wir hier vielmehr ein klassisches Drama präsentiert, ja fast schon ein etatmäßiges Familiendrama. Hier das ältere Ehepaar Irene und Franklin York, das mit den Gebrechen und Auswirkungen des Alterns zurecht kommen muss. Gerade am Anfang spürt man das deutlich: Franklin vergisst gerne mal was, letztlich sogar seine Frau in der Stadt. Diese kommt nicht mehr so richtig auf die Beine und erhält keine allzu positive Diagnose beim Arzt. Im Laufe der Staffel bessern sich die Zustände der beiden etwas überraschend – aufgelöst wird das aber nicht. Was man lobend hervorheben muss, ist natürlich die schauspielerische Leistung von Sissy Spacek und J.K. Simmons. Was die beiden über Mimik und Blicke transportieren, ist schon wirklich großartig. Alleine den beiden bei der „Arbeit“ zuzuschauen, macht große Freude.

In der zweiten Staffelhälfte rücken die familiären Bindungen mehr in den Vordergrund: Wir erfahren mehr über den Verlust von Michael, der sich das Leben genommen hat. Wir bekommen Einblick in die Gefühlswelt von Denise, die keine Lust mehr auf Chicago hat, und die vor allem auch wissen möchte, welches Problem ihre Großmutter mit ihr hat.

Dann gibt’s da noch Jude, der sich auf die Suche nach seinem Vater macht, und dabei von Stella aufgehalten werden soll, die ihre Tochter Toni bisher vor dem Phänomen des Reisens beschützen wollte, sie jetzt aber immer mehr mit hineinzieht. Auch bei den beiden gibt es immer wieder neue Konflikte. Und dann ist da noch Byron, der Nachbar der Yorks, dessen Art bei seiner Frau zu immer mehr Widersprüchen führt. Er wird zunächst so ein bisschen als Bösewicht der Story aufgebaut, doch auch damit lockt man uns auf eine falsche Fährte, denn Byron wird später zum treibenden Element für die ganze Story. Letztlich ist es so, dass wir tatsächlich sehr viel mehr über Familien, Beziehungen und Bindungen nachdenken, als man das vorher erwartet hätte.

Natürlich geht’s auch um übernatürliche Phänomene. Die nur Sekunden dauernde Reise zwischen zwei weit entlegenen Punkten ist eine spannende Idee, und glücklicherweise wird auch nicht aufgelöst, warum es das Phänomen gibt, wie das funktioniert und was es damit auf sich hat. Offensichtlich ist das Phänomen aber nicht nur auf die Erde beschränkt, sondern zumindest Irene und Franklin haben auch einen Weg gefunden, einen anderen Planeten zu besuchen. Sie landen regelmäßig auf einer Art Aussichtsplattform und genießen dort den Blick auf den Planeten. Es gibt auch eine Tür nach draußen, die nutzen sie jedoch nicht. Ohne Ausrüstung könnte der erste Schritt nach draußen schließlich den Tod bedeuten.

Dass dann ausgerechnet Byron den ersten Schritt in die Außenwelt wagt, ist eine tolle Entwicklung der Geschichte. Klasse, wie Byrons Skepsis gegenüber seinem Nachbarn umgewandelt wird in ein fast schon freundschaftliches Verhältnis. Der vom Leben enttäuschte Byron (ich bin so froh, dass man ihn nicht einfach zum Bösewicht der Geschichte gemacht hat) begeistert sich vollkommen neu für das Abenteuer, er steckt all seinen Elan hinein, findet Lösungen – großartig, wie er mit einer simplen Überbrückung die Hochtechnologie, die man zum Reisen braucht, wieder ans Laufen kriegt. Und auch dass vollkommen offen bleibt, was mit ihm da draußen geschieht, war clever erzählt von den beiden Showrunnern Holden Miller und Daniel C. Connolly. Man muss nicht immer alles gleich erklären. Diese Entwicklung von Byron hat mir storytechnisch mit am besten gefallen.

Dagegen fällt die Story von Stella und ihrer Tochter Toni zum Ende hin leider etwas ab. Ich fand den Start Anfang der Staffel mit der völlig anderen Story im Vergleich zur Geschichte von Irene und Franklin richtig klasse, und man ist wirklich die ganze Zeit gespannt, wie sich diese beiden Stränge irgendwann kreuzen werden. Wie es dann am Ende passiert, ist tatsächlich etwas enttäuschend.

Die gesamte Entwicklung der Staffel weg von dem Science-Fiction-Aspekt, hin zum Thema Familie, sorgt auch dafür, dass man gar nicht so sehr darauf brennt, zu erfahren, ob es sich bei Irenes und Franklins Ziel wirklich um einen anderen Planeten handelt – und was dort zu sehen sein würde. Ja sicher, am Ende geht man gerne mit raus und schaut interessiert zu, was Franklin da wohl entdeckt. Und dann freut man sich über den cleveren Schachzug, dass man für das Leben auf dem Planeten gar keinen Raumanzug braucht. Er gerät nur in Atemnot, weil der Sauerstoff im Ökosystem Raumanzug ausgeht (wobei man natürlich diskutieren könnte, ob je nach Bedingung auch der selbstgebaute Anzug wirklich ausgereicht hätte). Erst Irene traut sich, einfach ohne Anzug rauszugehen und rettet so ihren Mann. Wobei, auch hier: Es könnte natürlich sein, dass wir uns (ab jetzt) in einer Art Traum oder Einbildung von Franklin befinden und das, was wir ganz am Ende sehen, gar nicht mehr real ist.

Falls doch, muss auf jeden Fall eine 2. Staffel kommen. Denn das, was wir dann auf dem Planeten angedeutet bekommen, ist wirklich so spannend, dass man jetzt doch unbedingt wissen möchte, was sich da unten im Tal befindet. Wer lebt dort? Ist Byron dort? Tolle Perspektive für Staffel 2, die ganz anders werden könnte als Staffel 1 – ich hoffe, sie kommt.

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