DIE 25 BESTEN STAR TREK FOLGEN: PLATZ 5

Review: Star Trek TNG S02E09 – The Measure of a Man

SPOILER !!
Jonas
23.10.18

Als Patrick Stewart sein Picard-Comeback ankündigte,freute mich das sehr. Seine Botschaft lautete, dass man den Teil von Star Trek The Next Generation wiederbeleben will, der für eine klare moralische Haltung steht, für die Akzeptanz von Anderen, für das friedliche Zusammenleben und auch für eine offene Gesellschaft. Platz 5 der Top 25 Star Trek Folgen passt dazu sehr gut.

Eine Übersicht zu allen bisher erschienenen Reviews in der Reihe „Die 25 Star Trek Episoden“ erhaltet ihr hier. Die Auswahl ist übrigens höchst subjektiv und es darf gerne diskutiert und kritisiert werden.

Wem gehört Data? / The Measure of a Man

Der Titel der 9. Episode der 2. Staffel Star Trek The Next Generation bringt die Handlung auf den Punkt. Die Folge beginnt unter anderem mit einer Pokerszene in Rikers Quartier. Dieses ist tatsächlich die erste Szene, in der wir die Brückencrew Poker spielen sehen. Im Verlauf der Serie taucht das muntere Beisammensein häufiger auf. Kern dieser Szene ist, dass Data sich zwar intensiv auf das Pokerspielen vorbereitet hat, aber trotz aller Theorie nicht vermag, das Pokerface von Riker zu durchblicken. Er setzt hohe Einsätze mit guten Karten gleich, was ihn dazu verleitet – trotz guten Blattes – einen Rückzieher zu machen und Rikers Bluff zum Erfolg zu krönen. Einmal mehr empfindet man starke Sympathie für den Androiden, der in dieser Szene kindlich naiv daher kommt. Es ist ein weiterer Baustein im großen fortlaufenden Abenteuer, Data menschlicher zu machen.

Umso mehr wirkt der große Spannungsbogen der Episode, als Data zunächst per Befehl zu einem eventuell für ihn tödlichen Experiment berufen wird. Als er daraufhin den Dienst quittieren will, um diesem Schicksal zu entgehen, wird die Existenzfrage für unseren Androiden gestellt. Ist Data nur ein Gegenstand, gehört somit der Föderation und hat demnach keinerlei Selbstbestimmungsrecht?
Die Verhandlung dieses Falls vor einem Gericht der Föderation ist nunmehr Dreh- und Angelpunkt der Episode. Und ich wundere mich, während ich die Folge noch einmal für dieses Review geschaut habe: Keine Explosion, keine technische Innovation und keine fremde Alienrasse taucht auf, trotzdem ist diese Epsiode extrem spannend. Die Empathie für Data, die sich nach fast eineinhalb Staffeln aufgebaut hat, wird in dieser Folge benutzt, um den Zuschauer zu kitzeln, um die Fallhöhe aufzubauen und damit Spannung zu erzeugen. Denn nichts nimmt den Zuschauer mehr mit, als wenn es ungerecht zugeht. Und hier wird dem großen Kind der Enterprise möglicherweise sehr großes Unrecht zuteil.

Die Verhandlung selbst ist fesselnd, denn man fragt sich unweigerlich selbst: Wenn Data existieren würde, was wäre dann, ist er nicht vielleicht doch „nur“ eine Maschine und keine Persönlichkeit? Riker, der gezwungen wurde, die Anklage zu vertreten, macht seine Sache gut. Er schaltet Data sogar aus als Beweis dafür, dass er eben nicht mehr als eine Ansammlung von Schaltkreisen ist. Am Ende rettet aber Captain Picard als Verteidiger von Data und der Moral im ganzen Weltraum den Tag. Er stellt die entscheidenden Fragen – was macht ein Individuum aus? Und was würde passieren, wenn Data bei einem erfolgreichen Experiment vervielfältigt würde? Eine Horde Datas würde dann wohl die gefährlichen und unbeliebten Jobs ausführen und was würde das über die Gesellschaft aussagen? Die Frage nach der Sklaverei steht im Raum. Das Gericht entscheidet sich für Data, auch wenn die Richterin zugibt, die Komplexität der Fragestellung selbst nicht beantworten zu können und bricht es auf eine konkrete Frage herunter: Hat Data eine Seele? Vielleicht etwas pathetisch, aber passend zu dem warmherzigen Ende der Folge.

Ab Minute 1:50

Philosophie, Moral und Menschlichkeit zeichnen diese Episode als eine der besten aller Star Trek Episoden aus.

Fakten zur Folge:

  • Das Drehbuch dieser Episode wurde als einziges der ganzen Serie von der Writers Guild of America für den WGA Award nominiert als Bestes Originaldrehbuch.
  • Die Episode wurde zu einem Arbeitsthema mehrerer Wissenschaftler. Hervorzuheben ist dabei ein Vortrag von Robert Alexy an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Darin stellt er die Frage erneut und bestätigt die Entscheidung in der Episode, dass Data eine Person ist. Alexy sieht alle notwendigen Kriterien als erfüllt an; er sei intelligent, er fühlt und hat ein Bewusstsein und damit alle drei Dimensionen der Reflexivität: der kognitiven, der volitiven und der normativen.

Bilder: CBS / Netflix

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3 Kommentare

  • Was die Föderation nicht daran hindert in einer späteren Folge Data wieder als rechtloses Ding zu behandeln und ihm seine „Tochter“ wegnehmen zu wollen (siehe Folge „The Offspring“). In dieser Folge macht Picard nicht wirklich eine gute Figur, ja spricht ihm sogar das Recht zur Fortpflanzung ab ohne ihn zu konsultieren, bis er sich am Ende doch dazu entschliesst, sich gegen den Admiral aufzulehnen und Data zu schützen.

    In der Folge „Clues“ droht Picard Data, einem Individuum mit vollen Rechten, an, ihn wegen Befehlsverweigerung bis zum letzten Schaltkreis zu demontieren „um festzustellen, wo der Fehler liegt“. Ob er das bei LaForge oder Riker wohl auch machen würde? Macht sich auch nicht so gut in Picards Zeugnis…..

    Das in der oben zusammengefassten Folge in einer Prozeßpause eine Afro-Amerikanerin einem Kaukasier das Konzept der Sklaverei erklären muss, lasse ich an dieser Stelle mal einfach so stehen….

    • Die Folgen muss ich mir dann nochmal anschauen. Bzw. bei Clues / Beweise meine ich mich zu entsinnen, dass Picard sehr emotional reagiert, da er die offensichtliche Lüge von Data erkennt. Ich würde da jetzt nicht gleich an seinem Charakter zweifeln.

  • https://youtu.be/UP5vrHGplow

    Ab Minute 2:06

    Ziemlich eindeutig. Ob Picard einem Riker auch androhen würde sein Gehirn zu sezieren um „den Fehler“ zu finden. Oder würde er „nur“ unehrenhaft entlassen? Das ist einfach unnötiges schlechtes writing, was den Charakter Picard betrifft. Der, der den Androiden vor Gericht verteidigt behandelt ihn später eben nicht wie eine normale Person, wie ein fühlendes Wesen.



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