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Jetzt mit noch mehr Superheld:innen!

Review: The Umbrella Academy – Staffel 3

Mini-Spoiler
28. Juni 2022, 11:38 Uhr
Mini-Spoiler
Maik
28.06.22

Vergangene Woche, am 22. Juni, wurde die dritte Staffel von „The Umbrella Academy“ (Trailer) bei Netflix veröffentlicht. Rund zwei Jahre nach dem Finale von Season Zwei bekommen wir also endlich Antworten darauf, was es mit der mysteriösen Sparrow Academy auf sich hat, die unsere Heldengruppe nach der erneuten Rettung der Welt in „ihrem“ Haus vorgefunden haben. Ich wollte das Staffelreview zunächst zumindest Spoiler-arm belassen, aber das ist mir bei dieser Staffel fürchte ich nicht gänzlich möglich. Dennoch habe ich versucht, nur auf wenige Details Bezug zu nehmen und die ganz konkreten Give-Aways entsprechend zu verschleiern. Fast wie die Serie selbst es macht, ähem…

Auftritt Sparrow Academy! Und das direkt mal auf der Tanzbühne, tritt die neue Siebener-Kombo doch direkt mal gegen das alte Sechserpack im Dance-Off an. Auch wenn dieser Moment vielleicht etwas zu ulkig war, hat mir der Auftakt grundsätzlich sehr gefallen. Neben der Verwirrung der Umbrellas und des Kampfes um das Haus, das alle für sich beanspruchen, lag besonders viel Reiz im Erfahren der Fähigkeiten der Sparrows. Number 1, Marcus, ist so etwas wie der direkte Luther-Ersatz, ein athletischer Kraftprotz. Number 3, Fei, kann Raben kontrollieren, die für sie sehen können. Number 4, Alphonso, kann seinen körperlichen Schmerz auf andere übertragen. Number 5, Sloane, kann die Schwerkraft manipulieren. Number 6, Jayme, kann Schlangen-artig ein halluzinogenes Gift spucken. Number 7, Christopher, ist ein telekinetischer Würfel, der alles möglich zu können scheint. Das ist beinahe so mysteriös wie die Tatsache, dass ein eigentliches Menschenkind ein fliegender Würfel ist, der eine andere Sprache spricht… Ach ja – und da wäre natürlich noch Number 2: Ben!

Yep, der gute alte Ben, der eigentlich zu den Umbrellas gehört hat, davon aber nichts weiß, befinden wir uns in einer durch die Ereignisse im 1963er Dallas veränderten Realität. Sir Reginald Hargreeves hat sich aufgrund dessen nämlich dazu entschieden, sechs andere Kinder zu adoptieren und trainieren. Aber das ist nicht die einzige Änderung. „The Umbrella Academy“ schafft es hier deutlich besser als in der sehr nach einer Kopie von Staffel Eins anfühlenden Staffel Zwei, eine mysteriöse Ausgangslage zu schaffen.

Kurzer Einwurf zu einer Veränderung, die bereits im Vorfeld kommuniziert worden war. Nach der Kundgebung von Elliot Page, ein Trans-Mann zu sein, sollte auch seine Serienfigur diesen Schritt gehen. Aus Vanya wurde Viktor. Dabei finde ich nicht nur toll, dass die Serienschaffenden nicht darauf bestanden haben, dass Elliot das vermutlich bereits über Jahre in der Realität umgesetzte „Verkleidungsspiel“ komplett fortführen muss (so sie sich damit unwohl gefühlt hätte) und dass man so ein gewaltiges sowie reichweitenstarkes Zeichen setzen kann, nein, ich fand die Umsetzung auch gelungen. Zuerst noch nicht so ganz, da der initiale Haarschnitt-Moment etwas plötzlich und seltam wirkte, immerhin hatte Diego bereits von einer Szene auf die andere eine komplett unbemerkte neue Frisur. Mir hat aber gefallen, dass es nicht bei diesem „Abhaken-Moment“ geblieben ist. Über mehrere Folgen hinweg haben diverse Figuren die Wandlung wahrgenommen und wohlwollend kommentiert, man hat viel Liebe und Respekt zur Schau gestellt, was gerade in diesem familiären Umfeld trotz des Superhelden- und Adoptivkontextes vielleicht Menschen da draußen Kraft geben kann, ihre eigene Identität zu kommunizieren. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass diese Neuerung vermutlich aufkam, als bereits die kompletten Drehbücher zur Staffel standen. Das ist dann schon stark, dass man da tiefgreifende Änderungen durchgeführt hat.

Aber zurück zur eigentlichen Handlung. Staffel Drei von „The Umbrella Academy“ wirft nicht nur ganz viele neue Fragen auf, es werden auch endlich mal wieder ein paar beantwortet! Oder zumindest Hinweise in Richtung einer Erklärung geliefert, was ich sehr befürwortet habe. Zum Beispiel bekommen wir zu sehen, wie kleine gelbe Partikel Auslöser für die Spontan-Schwangerschaften gewesen sind. Eben die, die Viktor in Staffel Zwei an Harlan weitergegeben hat und die später in der Staffel aus den Figuren gezogen werden. Auch gibt es Hinweise auf Bens Tod – der „Jennifer Incident“, der allerdings nicht weiter ausgeführt wird. Was mich auch gefreut hat, ist dass die Vergangenheit einiger Figuren deutlicher beleuchtet worden sind. Zum Beispiel die von Reginald Hargreeves, der in dieser Realität noch lebt.

Leider verstrickt sich die Staffel aber auch immer wieder im eigenen Informations-Netz. Viel zu oft habe ich mich darüber ärgern müssen, dass bestimmte Entwicklungen nur gerade so logisch erklärt werden können, weil bestimmte Figuren irgendwo im Alleingang unterwegs sind, oder gar am gleichen Ort, aber nicht mit anderen reden. Das war teilweise nicht nur ärgerlich, sondern schlichtweg nicht passend für die Figuren bzw. das aktuelle Setting. Das führt letztlich dazu, dass man stets das Gefühl hat, originelle Ausläufer präsentiert zu bekommen, die so eigentlich nicht hätten stattfinden können. Und dann wären da noch die ganz hanebüchenen Momente, die komplett aus dem Nichts kommen. Zum Beispiel, als der zurückgekehrte Harlan (aka Lester) auf die Idee kommt, seine Kräfte einfach an Viktor zurück zu geben. Solche „Woher sollen die denn bitte wissen, ob das überhaupt und wie das genau gehen soll?!“-Momente gab es leider einige, da hätte ich mir etwas mehr Erklärungs-Substanz gewünscht.

Dennoch ist und bleibt „The Umbrella Academy“ vor allem ein starkes Ensemble ausgefallener Charaktere. Die Figuren machen weiterhin Spaß, bieten allerlei Momente zum Schmunzeln, Lachen und fürs Herz. Die Chemie zwischen vielen Darsteller:innen ist einfach großartig anzuschauen, da ist es schon fast egal, was die eigentlich gerade verzapfen. Aber eben nur „fast“. Von vornherein hat mich zum Beispiel die ungewohnte Darstellung von Allison sehr gestört. Klar gab es einen Grund dafür (die Nicht-Existenz ihrer Tochter und in gewisser Weise auch das Übersprüdeln angestauter Wut), aber das hat nicht ins Bild gepasst, finde ich.

Und dann wäre da die Geschichte selbst. Erfreulicherweise fühlte es sich nicht ganz so sehr wie eine direkte Kopie der ersten Staffeln an (die ja auch schon Unterscheidungsmerkmale hatten, aber letztlich ging es um die nahende Apokalypse…). Der gute alte Weltuntergang wird dieses Mal gar zum Universums-Kollaps, erneut spielen aber alle gegen die Zeit, soweit wie immer also. Die Familien-Konstellation hat hier für frische Dynamiken gesorgt, die aber sehr schnell dezimiert und letztlich schnell offensichtlich auf ein Szenario geführt wurde, das lediglich die alten Umbrellas übrig lässt – inklusive zuvor verstorbener Personen. Das wirkte schon arg konstruiert, zu Teilen selbst für eine Comic-Adaption zu sprunghaft. Dennoch gab es einige tolle Effekte und schön eingefangene Szenen zu sehen, vor allem das Hotel war sehr schön atmosphärisch inszeniert. Die Action-Sequenzen waren ebenso gut dosiert und choreografiert, außerdem haben mir die kreativen Opening-Sequenzen für den Titelschriftzug gefallen, bei dem stets das Umbrella- sowie das Sparrow-Logo zu sehen waren. Auch sind einige Charakter-Entwicklungen und kleine Twists gelungen (zum Beispiel mit Reginald Hargreeves, wobei vieles, wie der Handschlag mit Allison meiner Meinung nach vorhersehbar gewesen ist). Gerade in diesem Segment sind aber wieder einige vermeintliche Offenlegungen nur deshalb zustande gekommen, weil zuvor fragwürdig inszenierte Vertuschungen stattgefunden haben. Für jeden „Ah!“-Moment später hat es mindestens einen „Wieso hat die Figur denn jetzt bitte das gemacht/gesagt?!“-Moment zuvor gegeben. Ich meine alleine, dass so viele aus teilweise nicht nachvollziehbaren Gründen den nahenden Tag wählen, anstatt mit durch dieses Portal zu gehen, um das Universum (und somit sich selbst) zu retten….

Lustig war dafür, wie alle ständig das Wort „Kugelblitz“ ausgesprochen haben (was teilweise besser gelang als der Satz dieser einen deutschen Frau in Lilas Flashback – oh man, Klischee vollends erfüllt, Netflix!).

Wie Fabio bei Staffel Zwei gehe auch ich dieses Mal auf 3,5 Kronen. Insgesamt war die Staffel vielleicht sogar etwas schlechter als die vorherige, die deutlich mehr Zeitreise-Spaß sowie emotionale und gesellschaftliche Tiefe besessen hatte. Was sich wie leicht über grundsolidem Durchschnitt liest, ist aber deutlich differenzierter zu deuten. „The Umbrella Academy“ ist alles andere als Durchschnitt. Im Gegenteil. Es gibt Momente, Charaktere, Folgen und Elemente, die ganz große Klasse sind. Und dann wiederum einige, bei denen man sich ärgern muss. Zum Beispiel diese insgesamt doch eher ernüchternde Hochzeitsfeier-Folge. Da pendelt sich Fünf-Kronen-Potenzial und 2,5-Kronen-Disaster dann eben irgendwo in der Mitte ein. Nicht alles wirkt vollends durchdacht und doch hat die Geschichte ihre Ebenen, die sich nach und nach offenlegen, ein mittlerweile gewachsener Fundus an Informationen, Andeutungen und Mysterien führt dazu, dass sich die Staffel deutlich reichhaltiger angefühlt hat. Der Reiz der neuen Superheld:innen hat dazu ordentlich Frische reingebracht.

Vor allem hat man auch diese Staffel wieder das, was „The Umbrella Academy“ schon von Beginn an so sehenswert gemacht hat. Allem voran die charismatischen Charaktere. Allen voran Klaus und Five, aber auch Lila und andere haben ihre Momente. Und die Story bleibt trotz ihrer teilweisen Lücken und überzogenen Übertreibungen originell und reizvoll. Das ganz große Feuerwerk bleibt zwar leider aus, aber gut unterhalten wird man dennoch die größte Zeit über.

4. Staffel von „The Umbrella Academy“?

Mit der finalen Ausgangslage gibt es auch ordentlich Futter für eine Fortsetzung. Werden die Umbrellas ihre Kräfte wiedererlangen? Wird es sie für immer in alle Richtungen zerstreuen? Ist Reginald der neue Oberbösewicht, den es zu besiegen gilt? Noch hat Netflix zwar keine offizielle Order für eine vierte Staffel gegeben, ich bin mir aber recht sicher, dass das nur eine Frage der Zeit sein dürfte und uns ein Wiedersehen mit der Umbrella-Familie gewiss sein dürfte. Ich würde mich trotz der kleineren Makel sehr darüber freuen! Dann vielleicht mit noch mehr Antworten und einer griffigeren Story.

Bilder: Netflix / Christos Kalohoridis

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