"An upstart crow, beautified with our feathers!“

Review: Upstart Crow S01E01 – Star Crossed Lovers

12.05.16 11:00
ComedyReview
Mini-Spoiler
Tobias
12.05.16

Ist es etwas negatives, wenn man von einem Serienstart sagen kann, dass er sich anfühlt, als käme ein alter Freund zu Besuch, den man schon lange nicht mehr gesehen hat, man erkennt viele Eigenarten an ihm von früher wieder aber er hat sich dennoch weiterentwickelt? Über „Upstart Crow“ und „Blackadder“ könnte man das auch sagen. In meinem ersten Beitrag zum Trailer und zur Serie hatte ich auf die Verbindung beider Serien verwiesen, Ben Elton, nach der ersten Staffel und der Alleinherrschaft von Rowan Atkinson der großen Retter von „Blackadder“. Wenn man mal ehrlich ist und dies im Nachhinein betrachtet.

Man muss aber auch zugeben, dass der Glanz des Namens Ben Elton bei den Serienfreaks in den letzten Jahren schon gelitten hat. „Seit Blackladder war da ja nicht viel!“ – so konnte man es in verschiedenen Versionen im WordWideWeb lesen. Mir persönlich war das gar nicht so bewusst. Allerdings führte das Wissen um diese Einstellung dazu, dass sich dadurch meine Erwartungen an diese Serie unterbewusst bestimmt etwas reduziert hatte. Nicht unbedingt zum Nachteil der Auftaktepisode, die am Dienstag in der BBC ausgestrahlt wurde. Die Briten befinden sich in 2016 im Shakespeare Jahr und auch diese Serienproduktion ist in diesem Umfeld zu sehen.

Und es war in meinen Augen eine sehr gute Idee, Ben Elton mit dieser Produktion zu betrauen. „Upstart Crow“ ist nicht ein neues „Blackadder“ aber versprüht den alten Glanz, bleibt jedoch selbstständig in seiner Serienidee. Dennoch liegt der Hauptfokus auf tolle Dialoge, Wortwitz und einem eigentümlichen Hauptcharakter, nicht so böse wie ein Sprössling der Blackadder Familie aber dennoch vielleicht nicht der einfachste Zeitgenosse.

Handlung

Im Mittelpunkt all der Episoden wird immer ein anderes bekanntes Bühnenstück Shakespeares stehen, das sozusagen als Pate für die Folge fungiert. Ich vermute mal, dass es nicht immer so laufen wird, wie in der Auftaktepisode „Star Crossed Lovers“, aber hier sehen wir die Entstehung des wohl berühmtesten Stückes, Romeo und Julia, und vor allem wie Shakespeare auf das für seine Zeit ungewöhnliche Ende kam – getragen durch „reale“ tragische Ereignisse in der Episode.

„Don’t do comedy, it’s not your strong point“. “It is my strong point. It just requires lengthy explanation and copious footnotes.“ (William Shakespeare)

Die Julia und der Romeo jener Tage hören auf die Namen Kate und Florian, wobei Kate eine Freundin und Bekannte Shakespeares in London ist und Florian der Neffe seines großen Konkurrenten Robert Greene. Und eben jener Florian verliebt sich plötzlich und unerwartet in Kate, die diese Liebe und den Heiratsantrag aber eher für sich ausnutzen will, damit sie die Rolle der Julia in Shakespeares Stück ergattert. Hier muss man wissen, dass zu jener Zeit auch die Frauenrollen durch Männer dargestellt wurden. Derartige Tätigkeiten waren Frauen seinerzeit verboten. Wie eigentlich alles außer Kinder zu bekommen, den Haushalt zu führen und für Essen zu sorgen.

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Sie kann dies tun, da sie weiß, dass Greene seinen Neffen mit Absicht bei Shakespeare parkt, damit dieser nicht den Fehler begeht, eine rangniedrigere Dame zu ehelichen. Auch wenn Shakespeare anfangs dagegen ist, als ihm Greene gegenüber andeutet, dafür zu sorgen, dass er andernfalls seine Bühnenlizenz verlieren könnte, willigt er in dieses Ansinnen ein. Und so versucht unser Dichter alles, damit Florian Kate wieder vergisst und sich einer anderen Frau an den Hals wirft.

Meinung

David Mitchell als William Shakespeare ist in meinen Augen großartig. Sein recht sarkastischer Shakespeare hat schon ein paar bekannte Züge eines Blackadder, aber wie gesagt, viel netter und überhaupt nicht böswillig. Sogar einen Diener kann sich Shakespeare leisten, gottseidank hat dieser nicht die naiven bis dümmlichen Züge eines Baldrick sonst würde Ben Elton hier auch übers Ziel hinaus schießen. Aber man kommt nicht umhin, gewisse Parallelen zwischen beiden Serien zu finden.

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Die Folge hat einige gute Wortwitze, Dialoge und komische Szenen. Vor allem die Dialoge und die Wortwitze sind auf einem ähnlichen linguistischen Niveau wie bei „Blackadder“, was wiederum dazu führte, dass ich extrem auf die Untertitel achten musste, die ich mir heruntergeladen hatte, um die Handlung besser verfolgen zu können.

Dennoch habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und vor allem Shakespeares Frau Anne und deren Tochter Susanna dürften in den kommenden Folgen noch für großen Spaß sorgen, hier sehe ich das größte Lachpotenzial, da beide Damen so überhaupt nichts mit Shakespeares Sprache anfangen können. Shakespeare ist nämlich ein Freund der Ausschweifung und der Wortbilder, die wiederum nur er versteht, wobei eines dieser Wortbilder dann auch in der ersten Folge zu einem running gag wird.

„Romeo, Romeo! Wherefore art thou Romeo?“. „Dad, nobody talks like this!“ (Susanna)

Zugestanden, Ben Elton greift in „Upstart Crow“ auf altbekannte Sitcomtechniken zurück, auf Sprachspiele und linguistische Ausschweifungen und Verpackungen, für die man die englische Sprache lieben muss. Aber „Upstart Crow“ ist keine billige Kopie von „Blackadder“, aber man merkt ihr das große Vorbild an. Und das ist in meinen Augen nichts Schlechtes.

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Der für uns Unwissende etwas komisch daher kommende Titel der Serie, „Upstart Crow“, geht im Übrigen auf den realen Robert Greene zurück, einem großen Kritiker Shakespeares, der nichts von den modernen Ideen des aus akademischer Sicht ungebildeten Emporkömmlings („upstart crow“) Shakespeare hielt und in vielen Schriften bitteren Spot über Shakespeare ergoss und unter anderem dabei den in Shakespearekreisen berühmten Ausspruch tat: „an upstart crow, beautified with our feathers“.

So. Nun wissen wir auch das. Das nächste Literaturquiz kann kommen.

Bilder: BBC

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