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Ein Blick auf das neue Angebot des Deutschen Fußball-Bundes

TV-Thema der Woche: Bringt DFB.TV mehr Sichtbarkeit für den Fußball – oder Konkurrenz für die eigenen Partner?

14. Juni 2026, 08:02 Uhr

Mit DFB.TV hat der Deutsche Fußball-Bund erstmals einen eigenen TV-Sender gestartet. Das Konzept verspricht mehr Aufmerksamkeit für Frauenfußball, Nachwuchsteams und Wettbewerbe jenseits der großen Bühne. Doch schon wenige Wochen nach dem Start zeigt sich für mich ein Spannungsfeld: Wie viel Nische verträgt ein kommerzielles Medienangebot – und wann beginnt die Konkurrenz zu den bisherigen Rechtepartnern?

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Zunächst zu den technischen Rahmenbedingungen: Das Angebot des DFB ist nicht nur über die eigene Plattform DFB.TV+ verfügbar, sondern auch über DAZN, HD+, Sky/Wow, Vodafone, Zattoo und Ocilion. Für die technische und operative Umsetzung setzt der DFB auf die Hamburger Sportainment Media Group, die bereits mehrere Sportsender wie Sportdigital Fußball und Sportdigital 1+ betreibt. Das kostenpflichtige Angebot von DFB.TV ist für 5,99 Euro pro Monat beziehungsweise 59,99 Euro im Jahresabo erhältlich.

Ich muss sagen: Als der Deutsche Fußball-Bund im Mai DFB.TV an den Start brachte, klang die Idee zunächst überzeugend. Endlich sollten jene Bereiche des deutschen Fußballs eine größere Plattform erhalten, die im klassischen Fernsehen oft untergehen: Junioren-Nationalmannschaften, die 2. Frauen-Bundesliga, Futsal, Amateurfußball oder Nachwuchswettbewerbe. Der Verband sprach von einer „Heimat des deutschen Fußballs“ und davon, Inhalte sichtbar zu machen, die bislang verstreut oder gar nicht zu sehen waren. Das finde ich persönlich auch ziemlich spannend, weil mich zum Beispiel bei den Herren der Bereich ab der 3. Liga abwärts ziemlich interessiert und mein „Sport“ sonntags abends oder montags morgens vor allem daraus besteht, die Ergebnislisten und Tabellen der unteren Ligen zu durchforsten.

Endlich eine mediale Plattform für den Amateurfußball?

Dagegen lässt sich also zunächst wenig einwenden. Und tatsächlich beklagen ja auch viele Fußballfans seit Jahren, dass sich die mediale Aufmerksamkeit fast ausschließlich auf die Bundesliga, die Champions League und die A-Nationalmannschaften konzentriert. Wer sich für die U17, die Frauen-Nachwuchsteams oder Futsal interessiert, musste bislang oft gezielt suchen. DFB.TV könnte hier eine echte Lücke schließen – und könnte sogar von den Initiativen vieler Profivereine im Frauen-Fußball profitieren, die gerade versuchen, ihre Teams mit massiven Investitionen einmal durch die Amateurligen Richtung erster oder zumindest zweiter Liga zu jagen. Der BVB hat sich prominent verstärkt – zu sehen sind die Spiele der Regionalligen der Frauen aber bislang nur sporadisch, zum Beispiel in Live-Streams der Vereine selbst. Das ist ein potenzielles Feld für DFB.TV.

Und hier will man wohl auch ansetzen: Mehr als 250 Live-Spiele pro Jahr, Archivmaterial und Hintergrundberichte versprechen zumindest auf dem Papier genau jene Vielfalt, die der deutsche Fußball – und hier vor allem der Amateurbereich – eigentlich verdient. Doch je länger man über das Projekt nachdenkt, desto mehr Fragen drängen sich für mich auf.

DFB.TV: Vermarktung versus Journalismus

Denn der DFB ist nicht irgendein Medienunternehmen. Er ist gleichzeitig Rechteinhaber und nun auch Anbieter eigener Medieninhalte. Damit bewegt sich der Verband zwangsläufig in einen Bereich, der bislang von seinen Lizenznehmern besetzt wurde. Zwar betont der DFB ausdrücklich, DFB.TV wolle bestehende TV-Partnerschaften ergänzen und nicht mit ihnen konkurrieren. Genau hier beginnt allerdings die Diskussion; denn Medienangebote folgen am Ende denselben Regeln wie alle anderen Produkte: Sie benötigen Reichweite, Aufmerksamkeit und Erlöse. Damit entsteht automatisch ein wirtschaftlicher Druck, Inhalte zu produzieren, die möglichst viele Zuschauer anziehen. Die spannende Frage lautet deshalb: Wie lange bleibt der Fokus tatsächlich auf den kleinen, bislang unterrepräsentierten Wettbewerben liegen?

DFB.TV - Die Heimat des Deutschen Fußballs | Start am 22. Mai

Genau da liegt der Knackpunkt: DFB.TV soll sich über Abos und gezielte Werbepartnerschaften refinanzieren und profitabel werden (bzw. bleiben, denn der DFB spricht ja davon, dass der Sender bereits zum Start eine schwarze Null schreibt). Wenn das oberste Ziel aber die wirtschaftliche Vermarktung ist, gerät die schöne, heile Welt der Nachwuchs- und Amateursport-Förderung ganz schnell ins Hintertreffen. Am Ende des Tages bringen Talkformate rund um die Männer-Nationalmannschaft und schnelle WM-Clip-Showcases eben messbare Reichweiten und Werbe-Einnahmen – das Futsal-Spiel am Sonntagnachmittag leider nicht.

Auch spannend: Wie neutral kann der DFB über eigene Formate berichten (wenn das denn überhaupt gewollt wäre)? Der Deutschlandfunk brachte es bereits treffend auf den Punkt: DFB.TV wird vom Verband selbst nicht als journalistisches Angebot gesehen. Es geht vielmehr darum, die gerade genannten neuen Wege in der Vermarktung zu gehen.

Fußbal-WM als Zugpferd für DFB.TV – brauchen wir noch mehr Expertenrunden und „exklusive Einblicke“?

Die ersten Entwicklungen rund um die Fußball-WM 2026 liefern bereits einen Hinweis. Nur wenige Wochen nach dem Sendestart baut DFB.TV seine WM-Berichterstattung massiv aus, hat Highlight-Rechte von MagentaTV erworben, ein eigenes WM-Studio eingerichtet und setzt auf tägliche Live-Sendungen rund um die deutsche Nationalmannschaft. Natürlich ist das nachvollziehbar: Die Nationalmannschaft ist die stärkste Marke des Verbandes. Sie bringt Aufmerksamkeit, Klicks und Werbekunden. Genau deshalb stellt sich aber die Frage, ob der Sender damit nicht bereits den Weg einschlägt, den viele andere Sportmedien ebenfalls gehen.

Denn genau hier fängt das Problem an: Anstatt den Fußball zu zeigen, den sonst niemand zeigt, wird hier im Grunde nur noch über den Fußball geredet, den sowieso schon alle übertragen. Das Ganze ist ein weiteres Talk- und Analyse-Angebot in einem ohnehin schon völlig übersättigten Markt. Die Sender, die die WM-Rechte für teures Geld lizenziert haben (wie Magenta oder ARD und ZDF), fahren ohnehin schon gigantische Expertenteams, Analysetools und Talkrunden auf. Brauchen wir da wirklich noch eine verbandseigene Redaktion, die uns die Welt erklärt?

Genau das wirkt wie das eigentliche Dilemma von DFB.TV. Der Sender wurde mit dem Anspruch gestartet, mehr Vielfalt sichtbar zu machen. Doch die Aufmerksamkeit des Publikums folgt nun einmal den großen Themen. Wenn Reichweite und Vermarktung wichtiger werden, könnte die Versuchung wachsen, immer häufiger auf Nationalmannschaft, WM, Pokal oder andere Zugpferde zu setzen. Die kleineren Wettbewerbe würden dann zwar weiterhin im Programm stehen – aber eher als Feigenblatt denn als eigentlicher Mittelpunkt des Angebots. Das wäre schade, denn die größte Stärke von DFB.TV liegt ja wie gesagt gerade dort, wo andere Sender kaum hinschauen. Niemand braucht zwangsläufig noch eine weitere Runde ehemaliger Nationalspieler, die zum fünften Mal über die Aufstellung diskutieren. Eine echte Bereicherung wäre dagegen die konsequente und langfristige Sichtbarkeit jener Fußballwelten, die sonst selten ins Rampenlicht geraten – und innovative Wege, diese Welten attraktiv und damit sichtbar zu machen. Genau daran wird sich messen lassen müssen, ob DFB.TV am Ende ein mutiges Förderprojekt für den deutschen Fußball ist – oder einfach nur ein weiterer Kanal im inzwischen überfüllten Markt der Fußball-Dauerberichterstattung.

Bilder: DFB

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Sonntag, 14. Juni 2026, 08:02 Uhr
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