Mit Musik, Melancholie und einem magischen Schlussbild verabschiedete sich Stephen Colbert von einer Ära des amerikanischen Late-Night-Fernsehens – und bewies noch einmal, warum seine Show mehr war als bloße Abendunterhaltung.
Es gibt Fernsehabschiede, die sich anfühlen wie Pflichttermine. Und es gibt Abschiede, die sich wie ein letztes Geschenk an das Publikum anfühlen. Das Finale der „Late Show with Stephen Colbert“ gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie.
Nach elf Jahren als Gastgeber und dem endgültigen Ende einer über drei Jahrzehnte währenden „Late Show“-Tradition auf CBS hätte man erwarten können, dass Colbert seinen Abschied vor allem als Abrechnung inszeniert. Schließlich war die Einstellung der Sendung in den USA kontrovers diskutiert worden. Doch stattdessen entschied sich Colbert für etwas anderes: für Dankbarkeit, Humor, Musik und eine große Portion Herz. Übrigens auch schon in den Sendungen an den Tagen zuvor – als zum Beispiel alle weiteren Late-Night-Hosts bei ihm vorbeischauten, oder als er mit seinem Vorgänger David Letterman Studio-Ausrüstung vom Dach des Gebäudes auf ein überdimensionales CBS-Logo fallen ließ.
Die letzte Ausgabe wirkte dann wie eine Feier dessen, was Late Night im besten Fall sein kann. Freunde, Wegbegleiter und prominente Gäste gaben sich die Klinke in die Hand, immer wieder wurde gelacht, immer wieder schwang aber auch die Erkenntnis mit, dass hier tatsächlich ein Kapitel Fernsehgeschichte zu Ende geht. Es war ein Abend, der sich nicht auf Nostalgie beschränkte, sondern seine eigene Geschichte erzählte.
Besonders stark war dabei die musikalische Klammer des Finales. Mit Paul McCartney als letztem großen Gast schloss sich ein Kreis, der kaum symbolischer hätte sein können. Schließlich befindet sich die „Late Show“ seit Jahrzehnten im legendären Ed Sullivan Theater – jenem Ort, an dem die Beatles 1964 ihren historischen amerikanischen Durchbruch feierten. Dass ausgerechnet McCartney nun den Schlusspunkt setzte, war deshalb weit mehr als ein prominenter Gastauftritt. Es war eine Verbeugung vor der Geschichte des Gebäudes, der Popkultur und der Sendung selbst.
Gemeinsam mit Elvis Costello, Jon Batiste, Louis Cato und schließlich auch Stephen Colbert selbst entstand zum Ende hin ein musikalischer Moment, der nicht wie eine Abschiedsnummer wirkte, sondern wie eine gemeinsame Feier. Die Mischung samt Beatles-Klassiker „Hello, Goodbye“ transportierte genau jene Atmosphäre, die Colberts Sendung über Jahre geprägt hatte: intelligent, verspielt, emotional und niemals zynisch.
Die vielleicht schönste Entscheidung des Abends kam jedoch ganz zum Schluss. Nachdem die letzten Töne verklungen waren, überließ Colbert die finale Handlung nicht sich selbst, sondern Paul McCartney. Der ehemalige Beatle durfte symbolisch den Strom der Sendung abschalten. Die Lichter im Ed Sullivan Theater gingen aus. Ein einfacher, beinahe stiller Moment – und gerade deshalb so wirkungsvoll.
Doch Colbert wäre nicht Colbert, wenn es dabei geblieben wäre. Statt eines gewöhnlichen Fade-outs folgte eine letzte surreale Pointe. Das gesamte Gebäude verschwand in einem fantastischen Effekt, wurde eingesogen und erschien schließlich als kleine Schneekugel. Für viele Zuschauer war das sofort eine Anspielung auf das legendäre Ende der Krankenhausserie „St. Elsewhere“, deren berühmtes Finale ebenfalls mit einer Schneekugel arbeitete. Ein Bild zwischen Traum, Erinnerung und Fernsehmythologie.
Genau deshalb fühlt sich dieses Ende so richtig an: Es war nicht laut, es war nicht verbittert. Es war nicht einmal besonders traurig; stattdessen erinnerte es daran, dass Fernsehen im Idealfall gemeinsame Erinnerungen schafft. Die Schneekugel konserviert diesen Ort, diese Show und diesen Moment wie ein kleines Stück Popkulturgeschichte. Man kann sie schütteln, noch einmal betrachten und sich daran erinnern, wie viel Freude darin einmal gesteckt hat. Stephen Colbert hat seine „Late Show“ nicht einfach beendet. Er hat sie in ein Erinnerungsstück verwandelt. Und vielleicht ist das die schönste Form des Abschieds.
Bilder: CBS






































Das soll ein „Aufreger der Woche“ sein?
Eine Rezension der letzten Ausgabe der „Late Show with Stephen Colbert“, die nicht noch mal auf die Kontoverse, die zur Absetzung der Show führt eingeht, ist seichtes Geplapper, das vermutlich nur der Marketingabteilung von Paramount gefällt, doch dem „geneigte Leser“ wieder einmal nur Lebenszeit stiehlt. Was mit dem Aufbau und Ablauf der letzten Show angeprangert wird, entgeht dem Autor dieses „Aufregers“ aus Vorsatz oder wegen Ahnungslosigkeit komplett.
Diese Rezension als ungenügend zu bezeichnen wäre noch ein unverdientes Lob.