Es gibt doch noch schaubares Vorabendfernsehen

TV-Tipp: First Dates – Ein Tisch für Zwei

03.05.18 18:00
TV
Spoilerfrei
Maik
03.05.18

In dieser Sekunde geht es wieder los. TV-Starkoch Roland Trettl lässt als Aperitif einen mehr oder minder trashigen Schmalz-Liebesspruch ab und es beginnt eine Stunde zwischenmenschlicher Verhaltensstudie – oder auch „Date-Futter-Gaffens“. Mit „First Dates – Ein Tisch für Zwei“ hat VOX nämlich gleich mehrere wundersame Dinge auf einmal geschafft: Sie sind mit einem Format hier im Blog zu Gast, sie bringen mich dazu, gezielt das lineare(!) Fernsehen einzuschalten und sie haben das Vorabendprogramm gerettet! Denn sind wir mal ehrlich: Die Zeit, zu der man JEDEN Tag um 18 Uhr die Simpsons geschaut hat, ist vorbei. Und so läuft werktags von 18 bis 19 Uhr eine der ganz wenigen Sendungen, die ich noch im normalen TV schaue und euch hiermit empfehlen möchte.

Was ist das jetzt genau?

Nein, das ist kein weitere der schier nicht enden wollenden Reihe an Koch-Formaten. Hier ist Essen nur Mittel zum Zweck – sich kennen lernen steht ganz oben auf der Speisekarte dieses aus UK importierten Formates. Es handelt sich nämlich um Blind Dates, also erste romantisch veranlagte Begegnungen von Leuten, die sich zuvor nie gesehen haben, aber die große Liebe suchen. Und der Clou: Wir dürfen die ganze Zeit dabei sein!

Dabei tritt Roland Trettl auf positiv überraschend charmante Art als Gastgeber in seinem eigens für die Sendung in einer Kölner Halle gebauten Restaurant auf. Das wirkt zwar hier und da etwas steif, aber irgendwie schafft er es, den Spagat zwischen Schroffheit und emotionaler Stützhilfe für die Gäste zu wahren. Die kommen zunächst einzeln an. Einer der beiden setzt sich an die Bar, die zweite Person folgt etwas später, so dass erste Blick-Kontakte und Aussagen eingeschobener Videos aus dem Backstage-Bereich sich treffen können. Nach einem kurzem Drink an der Bar geht es auch schon zu Tisch, wo nebst der Auswahl an Speisen und der Frage, wozu denn nun die kleine Schere auf dem Tisch sein könnte, natürlich vor allem das Gespräch gilt. So es denn in Schwung kommt.

Die unterschiedlichsten Charaktere

Tatsächlich ist die Mischung an Teilnehmern äußerst abwechslungsreich. Es gibt die Draufgänger, die Quasselstrippen, die Scheuen, die Verrückten – einfach alles. Dazu ist zu loben, dass es eigentlich in so ziemlich jeder Ausgabe ein homosexuelles (meist schwules) Paar gibt. Die Leute scheinen durch die Redaktion sehr gut ausgewählt zu sein, passen sie doch häufig zumindest irgendwie zusammen, auch wenn die große Liebe dann doch eher der Ausnahmefall zu sein scheint (wie das halt so ist).

Am Ende des Dates stellt sich die Frage, wer denn nun die Rechnung übernimmt, ob man noch einen Ausflug in die Fotobox wagt und natürlich ganz am Ende, ob es zu einem zweiten Date kommen soll. Die Beantwortung der Frage geschieht im Beisein des Date-Partners und man hat bereits das ein oder andere Herz im Auge einer traurigen Person zerbrechen sehen. Schnüff.

Dabei bleibt es stets authentisch. Man merkt, dass sich das Format noch finden muss, gab es in den ersten Wochen der mittlerweile knapp 40 Ausgaben noch die ein oder andere Veränderung in der Struktur (mal zum Guten, mal zum Schlechten), aber gerade dieses ehrliche Handwerk macht es irgendwie aus. Das ist keine Hochglanz-Produktion, das wirkt einfach und ehrlich und charmant. Vor allem, wenn sich das sympathische Service-Team mit Meinungen und Kommentaren einmischt. Dazu bleibt es abwechslungsreich, weil immer mal kleine Einlagen durch Gäste mit originellen Berufen/Hobbies zu sehen sind oder mal mit einfachen Fragen, die per Lostopf gezogen werden, oder einem Schnaps auf die Sprünge geholfen wird.

First Dates – Ein Trailer für alle

Einen kleinen Eindruck zum Format könnt ihr euch über den Trailer hier machen:

Alle weiteren Informationen zu „First Dates – Ein Tisch für Zwei“ findet ihr auf der Sendungsseite bei VOX, komplette Folgen könnt ihr auf TVnow.de nachschauen. Wir nehmen die Folgen eh immer auf und schauen sie etwas zeitversetzt zum eigenen Abendessen – das perfekte Mit-Ess-Fernsehen halt (jaja, ich weiß, „Das perfekte Dinner“ läuft dann, aber das ist mittlerweile doch recht lahm…).

Bilder: VOX

2 Kommentare

  • Wobei das Authentische schon wieder dadurch verloren geht, dass sowohl der Gastgeber als auch mindestens eine der Servicekräfte einen Knopf im Ohr haben.

    • Gibt es gar auch in Profiküchen, habe ich mir sagen lassen. Hier ist es schlicht der Regie geschuldet – wie bei jeder anderen TV-Aufzeichnung auch. Letztlich müssen die festen Teilnehmer Anweisungen erhalten, wenn z.B. ein Gast vorne ankommen soll, ein Tisch frei ist, Essen abgeholt werden kann, etc. pp. Die Gäste haben ja auch Sender am Poppes hängen. Das ist halt keine versteckte Kamera-Show und dass da auch mal versucht wird, von Außen ein bisschen zu lenken, empfinde ich hier als nicht wirklich störend.



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