AWESOME Special zu ostdeutschen Serien

25 Jahre deutsche Einheit: Serien in der DDR

SPOILER !!
Michael
03.10.15

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25 Jahre deutsche Einheit: Eine gute Gelegenheit, noch einmal zurückzublicken, was der Osten vor 1990 eigentlich serientechnisch zu bieten hatte. Klar, Sandmännchen und Polizeiruf 110 kennt jeder. Aber sonst? Tobias und ich sind auf Spurensuche gegangen – und bei fernsehenderddr.de gelandet, einem selbsternannten Online-Lexikon der DDR-Fernsehfilme, Fernsehspiele und TV-Inszenierungen. 4276 Einzeltitel werden dort aufgelistet, wobei diese Titel eben auch Spielfilme, TV-Aufführungen aus den DDR-Theatern und einiges mehr beinhalten. Sehr schön: Die Seite, betrieben von Peter Flieher, listet in einem Kalender auch auf, wo DDR-Produktionen aktuell im öffentlich-rechtlichen TV laufen. Auch Infos zu DDR-Schauspielern und zur Fernsehzeitung der der DDR gibt es – mit recht schönen Repros.

Fernsehen gab es in der DDR ab Juni 1952: Dann wurden täglich ab 20 Uhr Probesendungen ausgestrahlt. Ab November 1952 wurden die ersten Fernsehgeräte aus DDR-Produktion in den Handel gebracht. Am 21. Dezember 1952 nahm der Fernsehsender Berlin seine Programmtätigkeit auf. Zum 20. Jahrestag der DDR wurde eine Überraschung verkündet: Am 3. Oktober sollte das 2. Fernsehprogramm der DDR an den Start gehen. Gesendet wurde auf dem zweiten Kanal zunächst nur am Abend, später wurde es ein vollwertiger zweiter Sender. Der sendete, wie auch der erste Kanal, bis zum 15. Dezember 1990. Danach gingen einzelne Sendungen in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten im Osten auf, fanden sich fortan beim MDR, beim ORB, aber auch beim NDR wieder.

Unser Sandmännchen

sandmännchen

Das Sandmännchen ist serientechnisch sicher DER Klassiker des alten DDR-Fernsehens. 1959 war die Geburtsstunde des Sandmännchens, im prinzip ein deutsch-deutscher Zwilling. Denn sowohl das DDR-Fernsehen als auch die ARD produzierten bis zum Ende der DDR jeweils eigene Sandmännchen-Geschichten. Das DDR-Dandmännchen sollte am 1. Dezember 1959 auf Sendung gehen, doch die Macher des DDR-Fernsehens hatten Wind davon bekommen, dass es auch ein BRD-Sandmännchen geben sollte, das ebenfalls am 1. Dezember starten sollte – also zog man im Osten die premiere auf den 22. November vor. Kostümbildner Gerhard Behrendt erschuf die Sandmann-Figur und produzierte anschließend mit aufwändiger Trickfilmtechnik. In allen Geschichten des DDR-Sandmännchens kommt ein Fernseher oder ein ähnliches Gerät vor, auf das am Ende der Begrüßung des Sandmännchens herangezoomt wird, womit die tägliche Gutenachtgeschichte beginnt. Am Ende verstreut das Sandmännchen dann den Schlafsand. Nach der Wende hat sich das DDR-Sandmännchen übrigens im Prinzip durchgesetzt: Die Optik und viele Figuren der Einspielfilme wurden übernommen, ergänzt von einigen Nebenfiguren des BRD-Sandmännchens. Mittlerweile gibt es in Potsdam und Babelsberg Ausstellungen zum Sandmännchen, dazu gibt es einen Kinofilm und eine schön gemachte App, auf dem jeden Abend eine neue Sandmännchen-Folge zu sehen ist.

Polizeiruf 110

Polizeiruf110

Die wohl erfolgreichste Fernsehserie der DDR war und ist „Polizeiruf 110“. Allein, da diese Fernsehserie die Wende überlebt habt, zeigt, wie gut das ostdeutsche Gegenstück zum „Tatort“ aus dem Westen war. Die ersten Folgen liefen 1971 über die Bildschirme und wir befinden uns im Jahre 2015 nun schon bei über 350 Episoden dieser Kriminalserie. Im Gegensatz zum „Tatort“ mit seinen festen Ermittlerteams, hatte „Polizeiruf 110“ zu seiner Anfangszeit wechselnde Polizeibeamte und Hauptfiguren. Nur wenige Figuren waren in mehreren Episoden zu sehen. Hintergrund dieser Eigenart waren die eigentlichen Engagements der Schauspieler an den Lichtspielhäusern in der DDR, die keine Vollzeitbeschäftigungen für den „Polizeiruf 110“ möglich machten.

So waren die Handlungsorte aber auch personenungebunden möglich und die gesamte Republik wurde so abgehandelt. Ein gewisses Gemeinschaftsgefühl und eine Wiedererkennung durch die Verwendung der eigenen Heimat war so Folge dieser Prämisse. Die Ermittlerteams hatten es mit der gesamten Palette des Verbrechens zu tun, wobei Morde eher weniger im Mittelpunkt standen. Ganz im Gegensatz zum „Tatort“. Ebenfalls legte der „Polizeiruf 110“ größeren Wert auf die polizeiliche Arbeit als auf das Privatleben der Kommissare, da man diese Figuren meist eh nur in einer Folge bei der Polizeiarbeit beobachten konnte. Dies änderte sich dann nach der Übernahme der Serie durch MDR, NDR und Co.

Spannend in der Entwicklung war die Wende-Zeit, die starken Einfluss auf die Produktion des Polizeirufs nahm. Hier und da gab es einen Seitenhieb auf das abgesetzte DDR-Regime, zum Beispiel durch eine schief hängende Parteiparole an der Wand, durch subtile Hinweise auf das Bildungs- und Beschäftigungssystem in der DDR oder durch das konkrete Benennen von oft sozielen Problemen, die sich durch die Einheit ergeben haben. Ab dem Fall „Allianz für Knete“ erhielten die Ermittler den westdeutschen Beamten entsprechende Rangbezeichnungen, in „Unter Brüdern“ waren erstmals westdeutsche Kommissare aktiv.

Heute ist der Polizeiruf in der ARD als Krimireihe neben dem Tatort etabliert und hat eine treue Zuschauergruppe hinter sich. 15 Prozent Einschaltquote im Schnitt sind ein guter Wert.

Zur See / Treffpunkt Flughafen

ZurSee

Was dem Westdeutschen sein „Traumschiff“ war und ist, waren den Bürgern in der DDR die Serien „Zur See“ und „Treffpunkt Flughafen“, ihr Blick über die eigenen Landesgrenzen hinaus in ferne Länder. In den neun Folgen der ursprünglichen Serie „Zur See“ als dann auch in den acht Folgen der Nachfolgeserie „Treffpunkt Flughafen“ konnte der Fernsehzuschauer die kleinen und großen Geschichten der jeweiligen Besatzungen miterleben. In „Zur See“ erlebte man die Abendteuer an Bord des Frachtschiffes „J.G. Fichte“ und bei „Treffpunkt Flughaften“ gleiches nur an Bord eines Fliegers der DDR Fluggesellschaft Interflug.

TreffpunktFlughafen

Auch wenn die Reisen immer ins befreundete Ausland gingen waren sie dennoch für das Gros der Zuschauer unerreichte Urlaubsziele, die so ins heimische Wohnzimmer gebracht wurden. Die Erwähnung des „Traumschiffes“ kam im Übrigen nicht von ungefähr, wurden die westdeutschen Produzenten maßgeblich von „Zur See“ als auch der US Version „The Love Boat“ inspiriert.

Der Staatsanwalt hat das Wort

StaatsanwalthatdasWort

Die wohl älteste und am längsten laufende Serie der DDR wird wohl „Der Staatsanwalt hat das Wort“ sein. Erste Klappe fiel im Jahre 1965 und die letzte nach der Wende im Jahre 1991. In diesen fast 30 Jahren wurden 140 Episoden produziert und ausgestrahlt. Bis in die Mitte der 60er Jahre bestand das DDR Fernsehen hinsichtlich Kriminalserien nur aus Krimiserien, die Verbrechen auf der westlichen Seite behandelten. Verbrechen durften auch im Fernsehen nicht in der DDR vorkommen. Im Bruder- und Bauernstaat war alles friedlich, die Bürger hatten nichts zu befürchten. Mit „Der Staatsanwalt hat das Wort“ wurde dies geändert. Die in dieser außergewöhnlichen Serie behandelten Delikte fanden nun auch auf dem Boden der DDR statt. Das Besondere an der Serie war, dass man nie die Aufklärung des Falles sah sondern nur die Vorgeschichte des Verbrechens oder die Beweggründe Täters kennenlernte. Vor jeder Folge sah man einen (echten) Staatsanwalt der DDR, der mit ein paar einleitenden Worten die Sendung begann. Die einleitenden Worte hatten natürlich mit dem Fall der Folge zu tun. Am Ende der Sendung hatte wieder der Staatsanwalt das Wort, der die Tat rechtskundig einordnete und beschrieb. Ziel der Serie war nicht so sehr die Unterhaltung mittels eines Kriminalfalles sondern eher die Stärkung des Rechtsbewusstseins der DDR Bürger.

Die Folgen der Serie laufen im Übrigen immer noch im Fernsehen, aktuell beim HR und erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit. Der Kreis schließt sich hier im Übrigen, da dies die Vorgängerserie vom „Polizeiruf 110“ war, wenn man so will.

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