Was haben wir uns damals gefreut. Disney übernimmt mit einem unerschöpflichen Kapital das größte Science-Fiction-Franchise der Erde. Die Möglichkeiten schienen grenzenlos. Vorher wurde nur tröpfchenweise Content veröffentlicht — und der meiste davon war tatsächlich einfach Recycling; die alten Filme mit leichten Veränderungen.
Dann wurde mit großer PR eine neue Trilogie angekündigt — eine, die an die Ereignisse von Endor anknüpfen und die Welt nach dem Ende des Imperiums erzählen sollte. Disney ging 2015 mit „Das Erwachen der Macht“ an den Start. Fans der ersten Stunde freuten sich, dass der alte Cast wieder mit am Start sein sollte, neben neuen Charakteren. Drei Filme erschienen und erweiterten die sechs Filme von George Lucas mit einer Sequel-Trilogie, mit der die Skywalker-Saga endgültig abgeschlossen wurde. Die Kritiken zu den Filmen waren durchwachsen. „Das Erwachen der Macht“ kommt zumindest im IMDb-Rating noch auf recht positive Werte. Die zwei weiteren Filme fallen ab. Die hitzigen Diskussionen und teils heftige Kritik an den Inhalten bilden diese Werte interessanterweise aber nicht ab.
Denn so richtig glücklich war eigentlich keiner mit den neuen Filmen. Diejenigen, die „The Last Jedi“ abgefeiert haben, waren mit der Rückkehr zum Fanservice im neunten Film nicht happy. Diejenigen, die mit „The Last Jedi“ haderten, wurden auch mit dem Versöhnungsversuch nicht glücklich. Dann gab es die übliche Woke-Diskussion um einen weiblichen Hauptcharakter und so weiter. Diese Diskussion will ich nicht aufbrechen.
Was aber spannend ist — und damit kommen wir zum Kern dieses Artikels: Die Masse der Fans schaut sich die neue Trilogie einfach nicht an. Es gab eine interessante Veröffentlichung von Nielsen zum Star-Wars-Tag „May the 4th“. Darin wurden die Top 10 der meistgestreamten Star-Wars-Titel des Jahres 2025 aufgelistet. Dort taucht die neue Trilogie nicht auf. Inzwischen sind sogar die damals heftig kritisierten Prequels beliebter als die Saga um Rey, Finn und Kylo Ren. Und das sagt schon einiges aus. Momentan verteilt sich die Liebe der Star-Wars-Fans wie folgt: Gen Alpha und Baby Boomer mögen „The Mandalorian“, Gen Z feiert „The Clone Wars“, Millennials und Gen X sind bei „Andor“ zuhause.
Was macht Disney aus diesen Zahlen? Statt das zu ignorieren deutet alles auf eine Umpositionierung hin. Am 15. Januar 2026 trat Kathleen Kennedy nach 14 Jahren als Lucasfilm-Präsidentin zurück. Unter ihrer Führung entstanden die neuen Filme. Als Nachfolger kommt Dave Filoni (President & Chief Creative Officer); an seiner Seite steht Lynwen Brennan als Co-Präsidentin. Filoni gilt als George-Lucas-Protegé seit 2005 und ist Schöpfer von „Clone Wars“ und „Rebels“. Das spricht schon eine sehr deutliche Sprache zur zukünftigen Ausrichtung des Franchises.
Diese Personalentscheidungen erklären auch, warum der geplante Rey-Film „New Jedi Order“ offenbar auf der Stelle tritt. Offiziell abgesagt ist er allerdings nicht — Disney hat den Film im November 2024 nur aus dem Dezember-2026-Slot gestrichen und durch „Ice Age 6″ ersetzt. Drehbuchautoren wechselten mehrfach (Damon Lindelof, Justin Britt-Gibson, Steven Knight stiegen aus, aktuell schreibt George Nolfi), Daisy Ridley selbst sagte zu USA Today: „I don’t know about 2026.“ Beim Abschiedsinterview Kennedys wurde das Projekt nicht einmal erwähnt — andere Filme schon. Auch ein Ben-Solo-Projekt wurde vorbereitet: Adam Driver entwickelte mit Regisseur Steven Soderbergh und Drehbuchautor Scott Z. Burns rund zwei Jahre lang „The Hunt for Ben Solo“. Bob Iger und Alan Bergman lehnten ab — der Film kam nie über die Konzeptphase hinaus.
Während die Filmentscheidungen teils auf Gerüchten basieren, gibt es aber einen weiteren unumstößlichen Fakt, dass man bei Disney die neue Trilogie am liebsten beerdigen würde: Im Disneyland wurde am 29. April 2026 die Hälfte von „Galaxy’s Edge“ (Black Spire Outpost) von der Sequel-Ära auf die Original-Trilogie-Ära umgestellt. First-Order- und Resistance-Dialoge wurden aus Oga’s Cantina entfernt, Luke Skywalker, Han Solo und Leia ersetzten Sequel-Charaktere als Hauptzugpferde.
Mit dem Kinofilm zum Mandalorianer („The Mandalorian and Grogu“, Kinostart 22. Mai 2026), der vor „Das Erwachen der Macht“ spielt, wird nun Content geliefert ohne die wenig beliebten neuen Charaktere — und damit vielleicht auch der Weg für weitere Filme und Serien geebnet, welche die neue Trilogie einfach ignorieren. Soweit wir wissen, wird auch der bereits terminierte Film „Starfighter“ (Kinostart 28. Mai 2027) mit Ryan Gosling nach der Rey-Trilogie spielen und neue Charaktere beleuchten — angesiedelt etwa fünf Jahre nach „The Rise of Skywalker“, aber als Standalone-Geschichte mit komplett neuem Ensemble.
In dem Zuge tauchten auch Gerüchte auf, dass man die neue Trilogie komplett archiviert und sogar neue Filme drehen würde, die an „Return of the Jedi“ anknüpfen — über das in „Ahsoka“ und „Rebels“ etablierte „World Between Worlds“-Konzept ließe sich die Continuity sogar mechanisch abzweigen, ohne einen formalen Reboot zu erklären. Aber das sind wohl eher Wünsche der Die-Hard-Fans und basieren auf einer einzigen Insider-Quelle.
Was man aber zusammenfassen kann: Disney hat mit der großen Trilogie nicht den Nerv der Fans getroffen, alles andere im Star-Wars-Universum lässt sich besser vermarkten — und am Ende entscheidet Disney, wenig überraschend, womit es möglichst viel Shareholder Value schaffen kann.
Wie lässt sich das alles zusammenfassen und was können wir erwarten? Wenn man sich das Gesamtbild anschaut, dann geht Disney den Weg des Geldes und des geringsten Widerstandes: keinen Konflikt eingehen, indem man Rey, Finn oder Poe kritisiert, sondern sich einfach gar nicht äußert und sie ohne weitere Filme oder Serien ignoriert.
Was haltet ihr von diesem Schritt — seid ihr traurig oder würdet ihr sogar weiter gehen und lieber eine andere Fortsetzung für Episode 6 sehen?
Bilder: Disney






































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