Über den Main-Stream hinaus

Kommentar: Empfiehl mir eine Serie und ich sage dir, wer du bist

17.07.19 12:57
Kommentar
Spoilerfrei
Leonie
17.07.19


Was Serien angeht, war ich persönlich schon immer lieber Vorreiter als Nachzügler, lieber Early Bird als Late Adopter, und ich entdecke neue Serien am liebsten selbst. Daher frage ich nur selten direkt nach Empfehlungen und gebe diese auch mit Bedacht. Was, wenn ich jemanden falsch einschätze und er mich aufgrund des Tipps dann für bekloppt hält? Könnte der Serientipp am Ende mehr über mich selbst aussagen als über den anderen? Mache ich mich unglaubwürdig, wenn ich jemandem „Chernobyl“ oder „Game of Thrones“ ans Herz lege? Und wo hört eine bloße Bewertung auf und fängt die Empfehlung an?

Bewertung vs. Empfehlung

Bewertungen zu Produkten stammen in der Regel von beliebigen, mir nicht persönlich bekannten Personen, können aber müssen nicht objektiv sein und erheben erst einmal grundsätzlich keinen Anspruch auf irgendetwas. Je mehr Bewertungen, desto größer auch das Vertrauen in sie, ein bisschen was ist ja auch dran an dieser Schwarmintelligenz.

Empfehlungen und „Freunde werben Freunde“ sind weitere im Marketing gern genutzte Instrumente, weil die Empfehlung eines Bekannten weniger als Werbung wahrgenommen wird und man ihr viel stärker vertraut als der Bewertung eines Fremden. Man entscheidet sich leichter für einen Kauf, wenn das vorher auch schon Personen getan haben, die man kennt und auf deren Meinung man etwas gibt. Soweit, so ganz normales menschliches Verhalten.

Was ist allerdings, wenn man dann doch eine schlechte Erfahrung macht – auf wen ist man in erster Linie sauer? Auf den Hersteller? Auf die fremden Leute, die gute Bewertungen verfasst haben? Oder doch (zumindest ein bisschen und zumindest insgeheim) auf den Freund, auf dessen Empfehlung man gehört hat? Man macht sich mit einer Empfehlung auch immer ein bisschen mit“schuldig“, eben weil sie mehr ist oder mehr sein sollte, als eine Bewertung.

Besser als jeder Algorithmus

Nun gibt es Leute, die etwas als Empfehlung ausgeben, was eben nur eine Bewertung ist. Sie denken zu einem Stichwort einmal kurz darüber nach, was sie am liebsten tun, lesen, sehen oder hören, und geben das dann als Tipp ab.

via giphy

Eine richtig gute persönliche Empfehlung muss aber mehr sein als Mainstream und mehr können als der Algorithmus der Streamingdienste. Um eine Serie empfehlen zu können, sollte man möglichst genau über das Serienleben des Tippnehmers Bescheid wissen, seine Tops und Flops kennen, Genre-Vorlieben, All-Time-Favourites und am besten auch noch wichtige persönliche Eigenschaften. Dann kann die Empfehlung richtig gut werden, weg vom Mainstream und hin zu weniger bekannten Serien gehen, auf die man nur durch den Algorithmus nie gestoßen wäre.

via giphy

Und bei euch so?

Wer mir „N4A2“ vorschlägt, kennt mich entweder überhaupt nicht oder so gut, dass er weiß, dass die Serie gerade noch auf dem Horror-Level ist, das ich noch ertrage. Weil mir zu viele Leute „The Big Bang Theory“ vorgeschlagen haben, habe ich die Serie über all die Jahre bewusst gemieden (viel zu Mainstream). Und wer mir eine Serie empfehlen kann, die an „Please like me“ herankommt, den lade ich auf ein Eis ein. Ein großes.

Wie ist es mit euch? Habt ihr euch schon einmal gefragt, wieso man euch ausgerechnet DIESE Serie empfohlen hat? Habt ihr schon einmal eine Empfehlung abgegeben, die so ein Match war, dass man euch immer noch dafür dankbar ist? Und welche Serien habt ihr denn eigentlich über Serieslyawesome schon entdeckt, die ihr sonst nie auf den Radar bekommen hättet? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Ein Kommentar

  • Es gab mal eine persönliche Empfehlung die zu einem extreme-binging geführt hat und demnach die beste Empfehlung war, die ich je bekommen habe. Es handelte sich dabei um Fringe. Die Serie war zu dem Zeitpunkt gerade abgeschlossen und ich konnte aus dem Vollen schöpfen. Es war die Empfehlung zur richtigen Zeit am richtigen Ort, da ich damals auch nichts anderes verfolgt habe und sonst vielleicht diese Empfehlung nicht angenommen hätte. DENN generell freue ich mich meistens mehr, selbst eine Serie zu entdecken und diese dann empfehlen zu können als selbst eine Empfehlung anzunehmen.
    Und zum Thema Algorithmen: So richtig konnte mich keiner bisher überzeugen. Bei Netflix wirkt das oft sehr random was einem da angezeigt wird… glaube da steckt noch Potenzial drin.



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