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Schlechte Geschichten setzen sich einfach nicht durch

Kommentar: Starfleet Academy wurde abgesetzt – und das ist gut so

29. März 2026, 19:02 Uhr

Den größten Science-Fiction-Shitstorm im laufenden Jahr 2026 hat eindeutig „Star Trek: Starfleet Academy“ ausgelöst. Zumindest haben das diejenigen so wahrgenommen, die sich mit dem Franchise beschäftigen. Außerhalb der Bubble ist der Beef zwischen Befürwortern und Hatern wahrscheinlich gar nicht so relevant gewesen. Denn die Serie hatte, soweit man das mitbekommen hat, nicht die Massen für sich begeistern können. Und das führte diese Woche dazu, dass man den Stecker gezogen hat und keine weiteren Folgen, außer der bereits abgedrehten zweiten Staffel, bestellen wird. Obwohl man viel in das Marketing gesteckt hat – Paramount hat die PR-Trommel gerührt und Reviews tauchten auf allen relevanten Portalen zum Start auf.

Star Trek: Starfleet Academy (Offizieller Trailer) | Paramount+ Deutschland

Doch kurz nachdem die Fans die ersten Folgen gesehen hatten, fing es an, ungemütlich zu werden. Während sich die Kritiker zwischen „ich sehe Potenzial“ und „naja, man muss es halt mögen“ bewegten, waren die Stimmen aus der Community deutlich kritischer und teilweise auch sehr hässlich.

Gestartet mit der Discovery-Hypothek

Dazu möchte ich größer ausholen. „Star Trek: Starfleet Academy“ spielt direkt im Anschluss an „Star Trek: Discovery“. Wir befinden uns – im Vergleich zu Kirk, Picard und Janeway – tausend Jahre in der Zukunft. Nach interessanten zwei Staffeln „Star Trek: Discovery“, die zu diesem Zeitpunkt das Potenzial der Serie aufzeigten, aber auch die Probleme, die offensichtlich im Writers’ Room herrschten, entschied man sich für einen kompletten „Star Trek“-Reboot. 1000 Jahre in der Zukunft, ein grünes Feld neue Geschichten zu erzählen.

Damals dachte ich: Ja, das wird helfen – aber es kam leider anders. Die Geschichten wurden noch dämlicher, die Föderation verkam zu einer Regionalmacht und der Egoismus von Michael, einfach zu tun, was sie wollte, prägte die Serie. Dazu kam aus meiner Sicht ein sinnfreier Fokus auf sogenannte woke Themen. Ein trans Crewmitglied führt eine Beziehung zu einem anderen trans Wesen, das stirbt und dann noch ein trans Geist wird. Und trotz gewollter Normalität dürfen diese nur eine Freundschaft mit dem schwulen Arzt führen? Das ist alles fein – „Star Trek“ hat seit jeher die konservativen Gesellschaftsnormen ausgehebelt – nur hatten diese Themen keine Relevanz für die übergeordnete Story. Die Charaktere waren nicht prägend, und so wirkte es einfach wie aufgesetzt. Aber auch das hätte die Serie ausgehalten, wenn die Geschichte, die sie erzählte, wenigstens spannend gewesen wäre. Aber man verzettelte sich damit, dass man einerseits in noch fernerer Zukunft war, dann aber auch wieder einen Schritt durch den Brand zurückgegangen ist. Ihr könnt gerne in meine alten Reviews eintauchen, dort ist die Kritik detailliert aufgelistet.

Das, was mich aber am meisten störte – und damit schließe ich den Bogen – ist die fehlende Reife der Charaktere. Neben Michael und ihrem ersten Offizier gab es eigentlich nur einen großen Kindergarten. Wenn man sich die IMDb-Ratings anschaut, fiel die Serie mit dem Zeitsprung in der Gunst der Zuschauer ab. Kurtzman schaffte es aber, einen langfristigen Vertrag abzuschließen und am Ende tatsächlich auf fünf Staffeln zu kommen. Mit diesem Qualitätsanspruch hätte man eigentlich „Star Trek: Enterprise“ für zehn Staffeln laufen lassen können.
Damit will ich sagen: Der Start von „Star Trek: Starfleet Academy“ war von vornherein schon auf sehr dünnem Eis, denn auch zu den letzten Folgen und Staffeln von „Star Trek: Discovery“ gab es viel Gegenwind.

Statt aus Fehlern lernen diese noch verstärken

Statt aus den Fehlern zu lernen, präsentierte sich „Star Trek: Starfleet Academy“ als Serie, die alles, was bei „Star Trek: Discovery“ schlecht war, noch weiter auf die Spitze trieb (oder besser gesagt: treibt, schließlich wird die zweite Staffel noch ausgestrahlt). Die ganze Föderation, die als moralische Institution mit hohen Maßstäben an Offiziere und Kadetten in Filmen und Folgen präsentiert wurde, machte den U-Turn zu einer Art „Beverly Hills, 90210“ im Weltraum.
Das mögen manche Zuschauer anders sehen und sich über den Humor freuen oder darüber, dass man mal etwas anderes gemacht hat. Für „Star Trek“-Fans war das aber ein Schlag ins Gesicht – und, so weit lehne ich mich aus dem Fenster, auch für diejenigen, die an eine hohe Streaming-Serienqualität gewohnt oder besser gesagt verwöhnt sind. Anders kann man die große Wut nicht erklären.
„Star Trek: Starfleet Academy“ hätte unter Umständen eine Network-TV-Chance im Disney Channel der 90er Jahre gehabt – locker, leicht, aber positioniert, ohne das Franchise anzugreifen. Aber dann kommen Dinge dazu wie, dass die Klingonen – Kern der „Star Trek“-Marke – degradiert und damit verbrannt werden. Dann logische Katastrophen wie Sam, die eigentlich ein Hologramm ist, angeblich erst wenige Monate existiert, sich aber wie eine Teenagerin aus der Bronx verhält. Sie kann programmiert werden, dann aber wieder nicht. Hat sie einen mobilen Emitter oder nicht? Keiner weiß es, keiner schert sich darum, eine glaubhafte Geschichte und Erklärung für sie aufzubauen.

Scheindebatte um Wokeismus

Viele Diskussionen gab es um Wokeness und LGBTQ im Rahmen der Kritik. Das ist zum Teil gesellschaftliche Realität, dass diese Themen häufig größere Konflikte offenbaren. Aber es legt den Fokus auf einen komplett falschen Aspekt. Die Serie hätte durchaus alle Charaktere lesbisch, schwul, trans oder nonbinär machen können – wenn es gut geschrieben wäre und wir spannende „Star Trek“-Abenteuer erleben würden. Wenn aber diese Themen so weit im Vordergrund stehen, dass man vergisst, worum sich die Serie eigentlich dreht, dann sollte doch jedem klar sein, dass die Skripte nicht gut sind.
Aber auch das ist egal, auch das ist nicht relevant für eine rein wirtschaftliche Entscheidung, ob man eine (sehr) teure Science-Fiction-Serie weiter produziert oder nicht. Ich bin zufrieden mit der Entscheidung, dass schlechte Drehbücher sich nicht mehr durchsetzen, und hoffe auch, dass damit das gesamte Kurtzman-„Star Trek“ beendet ist.
Doch auch das hätte Paramount verkraftet, wenn die Serie genügend Zuschauer gefunden hätte. Vielleicht hätte man sich sogar ein wenig über die hitzigen und aufmerksamkeits¬erzeugenden Diskussionen gefreut – was unter Umständen auch bei „Star Trek: Discovery“ schon so war. Aber schlechte Ratings und zu wenig Zuschauer sind nun mal eindeutige Gründe, eine Serie abzusetzen.

Und am Ende ist es das, was von dem Experiment „Star Trek: Starfleet Academy“ bleibt: im Kern eine noble Idee, aber eine schlechte Umsetzung und leider eine sinnfreie Diskussion um Woke und LGBTQ.

Was ich mir von „Star Trek“ wünsche

Zum Abschluss noch ein Wunsch aus meiner Sicht – eines „Star Trek“-Fans seit den 80er Jahren: Es muss nicht immer das Alte sein, aber bleibt dem Kern der Marke treu. Genau wie bei „Star Wars“: Holt Leute in die Autorenteams, die Kontinuität der Erzählung ermöglichen. Am Ende ist es doch nicht mehr und nicht weniger, was die Fans wollen.
Tatsächlich – und da reihe ich mich auch ein – wollen wir neue Geschichten sehen. Warum nicht mal eine Serie, die sich um ein romulanisches Schiff dreht? Oder eine dunkle Erzählung zum Dominion-Krieg? Oder, wenn es schon humoristisch sein soll, dann voll auf die Zwölf: eine Serie um den blauglatzköpfigen Friseur aus „Star Trek: The Next Generation“? Mit „Star Trek: Lower Decks“ hat das doch auch geklappt. Die Serie hat – auch durch die Animation – ganz klar gesagt, was sie will, und liefert.

Wenn man aber an das Fundament der Sternenflotte geht – die ehrenwürdige Academy mit dem Maruishi-Mauro-Test – dann muss man der Erzählung eben treu bleiben. Man kann nur hoffen, dass die Entscheider wieder Leute auf den „Star Trek“-Captain’s Chair lassen, die „Star Trek“ lieben und eine gute Science-Fiction-Geschichte erzählen wollen – ohne den Selbstzweck, einfach alles neu zu machen, nur weil man es neu machen will.

Bilder: Paramount+ / CBS Studios

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Sonntag, 29. März 2026, 19:02 Uhr
Starfleet Academy
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