Soundtrack der Woche #17

Musik in: Helix (Reinhold Heil)

SPOILER !!
Michael
10.08.15

Die Musik

Reinhold Heil durfte gleich zwei Silberlinge mit Helix-Score füllen – eine CD pro Staffel, jeweils über eine Stunde Spielzeit. Es ist ein elektronisch geprägter Soundtrack, zwischendurch kommen aber auch klassische Instrumente wie ein Cello zu Zuge. Und es geht gleich richtig gut los – Helix-Zuschauer fühlen sich direkt in die Forschungsstation zurück versetzt.

Erst nach drei Tracks hören wir die schon erwähnte Titelsequenz im Fahrstuhlmusik-Style, die recht charakteristisch für die Serie ist – und eigentlich gar nicht zur restlichen Serie passt, aber irgendwie auch ein cooler Einfall ist. Dafür ist die Titelsequenz extrem kurz – gerade einmal zehn Sekunden. Das sei allerdings eine Vorgabe von Syfy gewesen, wie Reinhold Heil gegenüber goseetalk.com erklärt. Es sei sehr schwierig gewesen, in diese zehn Sekunden viel von dem hineinzubekommen, was die Serie ausmacht:

The length of the main title is decided by the network. The Helix main title was chosen from my first layout. I presented it very quickly and it stuck. So that part was easy. But because it Helix Season 1is only ten seconds long, it was more like working on a commercial, which is definitely harder in some ways than making a three-minute cue. To put emotion and drama into ten seconds is very difficult.

Im Laufe der Serie wird ja immer wieder mal ein Stilbruch durch diese Fahrstuhl-Musik erreicht – eigentlich dramatische Szenen werden von der Fahrstuhl-Musik überspielt – irgendwie cool. Auf den beiden CDs finden sich allerdings nur Titel- und Endsequenz der Serie – die übrige Easy Listening-Musik wurde weggelassen. Die Endsequenz ist ähnlich kurz wie der Titeltrack – allerdings gibt’s auf dem Album auch einen Hidden Track. Die Titelmusik ist in beiden Staffeln gleich, nur optisch wurden beim Intro andere Akzente gesetzt – das kühle Weiß für die eisige erste Staffel, ein sattes Grün für die zweite Insel-Staffel. Optisch setzt sich das übrigens jeweils in den beiden kompletten Staffeln fort – die kühle Optik für Staffel eins, das warme Grün in Staffel 2. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Das gilt übrigens auch für den jeweiligen Gesamteindruck des Scores pro Staffel. Derweil Staffel eins definitiv eletronisch, steril geprägt ist, klingt Staffel zwei etwas natürlicher, organischer. Dennoch tauchen hier Ideen und Themen aus der ersten Staffel immer wieder auf, natürlich in Variationen. In gewisser Weise hat Heil die vorliegende Staffel eins bei der Arbeit an der zweiten Staffel beeinflusst:

I write themes for characters and bring them back. I like to get an overview and look at the entire season as one big movie. The good thing is that I can look back at season one and see what has changed and how that should influence my palette and choice of sounds.

Die Herausforderung in der ersten Staffel sei das Sounddesign gewesen, sagt Reinhold Heil. Wenn die Handlung in der Station stattfindet, könne man vielfach Generator- und Maschinengeräusche hören. Er habe einen sehr elektronischen Score im Kopf gehabt, was aber nicht immer zu der Geräuschkulisse gepasst hätte. So hören wir viel Technik-Elektronisches, auch wenn sich das Musikalisch-Elektronische vielfach schon durchgesetzt hat, nur eben stark vom Sound Design geprägt. „It was right here“ ist so ein Beispiel dafür, der Track „Red blood“ ebenfalls.

Ich mag das ja, das ist auch ein Element, das David Lynch vielfach in seinen Filmen oder in Twin Peaks eingesetzt hat. Besonders gefallen haben mir vom Score der ersten Staffel die Tracks „I have lost control“, ein Sechs-Minuten-Stück, das mehrere Themen zusammenfasst, und „I envied you“, ein sehr Cello-geprägtes Stück. Viel Dramatik kommt in Stücken wie „We could have changed the world“ und „The rite of Black Goo“ rüber. Etwas aus der Rolle fällt das lockere „Dance of the sugar plum fairy“. Was man schon aus der Serie kennt, ist das abrupte Ende von Szenen oder Musikstücken. Das kommt auch beim Score wieder vor – und Reinhold Heil warnt den Zuhörer auch im Booklet freundlicherweise davor:

Some pieces have hard cuts at the end instaead of a decaying reverb, just like the hard cuts at the end of each act in the series. So don’t be alarmed: it’s all intentional and most likely nothing wrong with your stereo or iPod.

Die zweite Staffel kommt wie gesagt etwas organischer rüber, wenn man das mal so bezeichnen darf. Gleich der erste Track „Scary people in the woods“ deutet das an. Alles ist etwas weicher, wärmer produziert. „Exhuming Alan“ zeigt das auch an, „There isn’t much peace to be had“ und „Grandsister“ ebenso.

Fazit

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Mich hat der Score erneut mit dem Helix-Virus infiziert. Jetzt muss aber nicht gleich das CDC kommen, denn in dem Fall ist es eine positive Infektion. Bei allen Vorbehalten gegen die Serie bekomme ich glatt nochmal Lust, in die Serie reinzuschauen, denn beim Hören des Scores kommen die vielen, eigentlich guten Ideen der Serie wieder an die Oberfläche. Vielleicht schaue ich dann doch nochmal rein.

Unabhängig davon finde ich: Auch ohne zu wissen, dass der Score von jemandem stammt, der auch schon in den glorreichen 80ern musikalisch sehr aktiv war, klingt der Score so, als sei die DNA von Helix definitiv in der Musik aus den 80ern begründet. Das gefällt mir natürlich, da ich in den 80ern aufgewachsen bin. Doch auch unabhängig davon wird man sich als Zuhörer auf den beiden CDs schnell wohl fühlen. Und man muss noch nicht mal Helix-Fan (soweit man das bei dieser Serie sagen kann – ich meine damit eher, dass man die beiden Staffeln durchgeschaut hat und weiß, worum es geht) sein, um sich im Score zurecht zu finden. Er eignet sich sowohl als solide Background-Musik bei der Arbeit als auch als zentrales Element einer entspannten Phase am Wochenende, die man mit Kopfhörer, einem Snack und einem guten Getränk sowie einem abwechslungsreichen Score verbringen möchte.

Das müsst Ihr wissen

Die CD gibt’s bei La-La-Land Records, im Online-Store und damit leider nur als Import. Dort gibt’s auch einige Sound-Samples. Als digitale Datei-Ausgabe ist Helix offensichtlich nicht verfügbar. In Deutschland gibt’s die CD zum Beispiel bei amazon.de zu einem fairen Preis, aktuell um die 18 Euro. Ich würde natürlich immer beim Label bestellen. Man muss zwar einen Moment länger warten, bis der Score da ist, bekommt aber mit etwas Glück das Künstler-Autogramm auf separatem Booklet dazu und unterstützt so direkt das Special-Interest-Label. La-La-Land hat sich auf Scores von Filmen und Serien spezialisiert, hier haben vor allem jene Scores eine Chance, die nicht das große Massenpublikum treffen würden, aber die dennoch eine gewisse Fangemeinde aufweisen können. Bear McCreary war hier lange mit seinen Scores untergekommen und eines der Zugpferde von La-La Land, ehe er auf seinem eigenen Label und in Verbindung mit den Majors Releases auf den Markt brachte.

Der Helix-Score kommt in einer regulären Doppel-CD-Hülle daher, jede CD hat ein eigenes Design, jeweils passend zur entsprechenden Helix-Staffel. Im Booklet finden sich Kurzbeschreibungen der Staffel und jede Menge Fotos aus der Serie. Auch eine kurze Einleitung des Komponisten ist enthalten.

Das Album gibt’s außerdem bei Spotify.

Reinhold Heil: Helix

DISC 1: SEASON ONE
1. Balleseros Briefing 1:48
2. Airducts & Monkeys 3:06
3. Look At That 2:09
4. Helix Main Title 0:10
5. You Don’t Get Sick 1:25
6. SODRA 1:28
7. Apeshit 2:30
8. I Have Lost Control 6:04
9. I Envied You 2:21
10. Retrieve Dr. Hvit 1:32
11. Alan Discovers Doreen 0:42
12. I Am Listening Now 1:38
13. I’m Home 2:46
14. Dance of the Sugar Plum Fairy 2:34
15. Cryogenics 2:59
16. It Was Right There 2:23
17. Red Blood 1:11
18. Why Me? 2:23
19. They Hurt! 1:12
20. Family Photo 1:47
21. A Second Chance 2:08
22. Vectors Save Peter 2:14
23. We Could Have Changed the World 2:23
24. The Rite of Black Goo 1:11
25. The Virus Vault 5:52
26. In the Name of Science 1:43
27. Alan and Julia Find Narvik 0:53
28. Retrieve Narvik 1:00
29. Perimeter Breach 3:42
30. Miksa Makes His Own Rules 1:25
31. Find Me 1:24
32. Staff Meeting 1:36
33. Scrap Book Bossa (not used in show) 1:33

DISC 2: SEASON TWO
1. Scary People in the Woods 3:22
2. Julia Struggling 4:10
3. The Abbey 0:41
4. Coastguard 1:39
5. Exhuming Alan 1:29
6. How Much Farther? 1:01
7. Leila’s Body Gone 1:47
8. There Isn’t Much Peace to Be Had 1:14
9. I Told You I Would 1:33
10. Sword Versus Axe 2:31
11. The Last Supper 1:26
12. Women in Agony 2:29
13. Everytime Something Goes Wrong 1:38
14. Grandsister 1:15
15. Pray for the Worst 2:36
16. There It Is 0:48
17. We Come In All Sizes 1:29
18. Sarah In the Hallway 1:52
19. Kool Aid 2:43
20. I Can’t Believe Michael Did This 1:38
21. Sarah and Alan 1:54
22. Entering the Gates 1:01
23. Sarah Does Botany 1:08
24. Yeah, Alan Knows 1:10
25. Kyle and Peter Decide 4:01
26. Too Late for That 1:29
27. It’s Leaking Too Fast 0:59
28. Peter Examines Anne’s Foot 1:12
29. You Didn’t Seem to Care 2:52
30. Alan Gonna Burn the Abbey 1:30
31. Peter Gonna Burn the Abbey 1:57
32. Toothless Revenge 4:26
33. San Jose 2:25
34. The Two Percent 0:34
35. Dr. Jordan 0:47
36. Helix End Title 0:19

69 Tracks, 2015 La-La-Land Records

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