„Fly safe. Fly true.“

Review: Avenue 5 S01E01 – I Was Flying

SPOILER !!
Maik
20.01.20

Neues Jahr, neue Serien. Nach der Ankündigung der neuen HBO-Comedy „Avenue 5“ hatte ich auch aufgrund der Teaser und des namhaften Casts definitiv Vorfreude auf die gestern in den USA gestartete neue Serie. Nach der Pilotfolge ist nicht nur klar, ob „Avenue 5“ für eine längere Reise auf dem Kreuzraumfahrtschiff taugt, sondern auch, in welche Richtung das Format navigiert. Mein Ersteindruck zur Serie.

„Hey – set your phasers to fun!“ (Captain Ryan Clark)

Das Produktions-Setting ist wie bereits mehrfach hier im Blog angemerkt allererster TV-Güte. Die „Veep“-Macher setzen eine Comedy ins Weltall und niemand geringeren als Hugh Laurie („Dr. House“) auf den Kapitänsplatz. Als Ryan Clark soll er die Geschicke der „Avenue 5“ steuern, einem gigantischen Raumschiff, das Weltraumtourismus für Normalsterbliche ermöglicht. Entsprechend der heutzutage noch nicht ganz umsetzbaren Grundidee bekommen wir auch das ein oder andere futuristische Gadget zu sehen, wobei es sich bislang größtenteils um klotzige Evolutionsschritte bekannter Technologien handelt.

An der Seite von Laurie bekommen wir bis in die (vermeintlichen) Nebenrollen viel Bildschirm-Bekanntheit vorgesetzt. Unter anderem Josh Gad als exzentrischer Milliardär mit einer Aufmerksamkeitsspanne so gering wie seine Manieren, dafür umso größeren Geltungsdrang (das Schiff ist übersät mit „JUDD“-Schriftzügen) sowie Geldbeutel, der offenbar nicht nur die „Avenue 5“ ermöglicht hat, sondern auch die numerischen Vorgänger-Modelle. Ansonsten noch dabei: Zach Woods („Silicon Valley“), Lenora Crichlow („A to Z“, „Black Mirror“), Kyle Bornheimer („Brooklyn Nine-Nine“), Andy Buckley („The Office“), Suzy Nakamura („Dr. Ken“, „Modern Family“) oder auch Ethan Phillips, der mit 170 Episoden „Star Trek: Raumschiff Voyager“ wenigstens ordentlich Weltraum-Erfahrung mitbringt.

„Other first priority: stock holders.“ – „Actual first priority…“ (Herman Judd & Iris Kimura)

Dass ich anfangs bereits so sehr aushole, liegt auch daran, dass handlungsseitig sehr schnell erzählt ist, was in dieser Pilotfolge passiert. Der Weltrekord für die größte Yoga-Klasse im Weltall wird kurzerhand um den Weltrekord für die meisten sich in Kürze beim Yoga Verletzenden erweitert, als durch einen technischen Defekt die Schwerkraft im Schiff um 90 Grad gedreht wird. Dass bei einer Comedy-Serie keine eigentlich denkbaren tödlichen Verletzungen gezeigt werden (stattdessen Menschen-Mosaike und durchnadelte Rücken), ist noch verschmerzbar, weniger konnte ich über die Tatsache hinwegsehen, dass anscheinend überall auf dem Schiff dieser Effekt stattfand, nur nicht im Missionsraum (Update: Ich war wohl unaufmerksam und hatte nicht mitbekommen, dass der auf der Erde ist…).

Allgemein ist der Glaubwürdigkeitsfaktor recht niedrig gehalten. Aber das finde ich auch in Ordnung. Zum einen geht es um Science Fiction (mit Betonung auf „Fiction“), zum anderen ist das eben eine Comedy-Serie, die sich dem Stilmittel der Übertreibung bedient. Und so kann eine sonst im Handelsfeld der Diplomatie ansäßige Figur, wie ein Kundenservice-Mitarbeiter, auch zur erfrischend ehrlichen Lieblingsfigur meiner aufsteigen.

„If it‘s any constellation, he had very few loved ones.“ (Matt Spencer)

Aber gut, zurück auf Kurs, was die Handlung anbelangt. Die wurde durch den ungewollten „Seitenhieb“ aus der Bahn geschlagen. Um nicht mal ein Viertel eines Grades, was jedoch ausreichen soll, um das automatisch fliegende Schiff derart umzuleiten, dass aus angedachten acht Wochen Reisedauer drei Jahre werden sollen. Auch das wirkt natürlich dämlich, dass dort niemand mal eben ein bisschen gegensteuern kann, immerhin ist das bereits das fünfte Schiff ähnlicher Art, da muss man auf solche erwartbaren Zwischenfälle eigentlich reagieren können. Aber gut, ist ja nur Fernsehen und der einzig Wissende ist… tot.

„Who‘s the engineer here?!“ – „Who‘s the genius?“ – „Who‘s the captain?“ – „Who fucked up?“ (Billie McEvoy, Herman Judd, Captain Ryan Clark & Iris Kimura)

Denn der vermeintliche Captain ist gar nicht Captain, sondern nur ein Schauspieler, der den lästigen Social-Krams mit den Passagieren und Kollegen übernimmt. Dass das so niemand der Obrigkeiten weiß, sehe ich jetzt einfach mal als sarkastischen Bezug auf ignorante Führungskräfte. Und nicht nur das, Ryan Clark ist gar „Captain Not America“:

„Are you Australian?“ – „No, I‘m not Australian. I‘ll tell you, what I am. I‘m English!“ – „What the fuck?! That‘s so much worse.“ (Judd & Captain)

Es folgt der schwere Gang zur erzwungenen Aufgabe, dem aufgebrachten Weltraumfahrer-Volk die schlechte Nachricht zu übermitteln. Schade, dass das der Captain und nicht der Kundenservice-Leiter machen wird…

„Should we be scared?“ – „Maybe. If you want!“ (Passagierin & Matt)

Natürlich war das weder authentisch noch sonderlich supersmart inszeniert. Aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Das Tempo war hoch, vielleicht sogar etwas zu hoch, und voller notierenswerter Zitate. Leider schien mir die Handlung etwas eindimensional und zurechtgebogen, aber da muss man eben ein Comedy-Auge zudrücken, ist halt kein hochkomplexes Drama. Und genau in Sachen pointiertem Witz, der über Schenkelklopfer-Niveau hinausgeht, könnte Potenzial bei „Avenue 5“ liegen. Frei nach der Folge selbst:

„If you‘re not completely satisfied, you‘re wrong.“ (Matt Spencer, Costumer Support)

Dem in der Serie genannten Motto „Fly safe. Fly true.“ folgend war das aber auch noch viel auf Sicherheit Gespieltes. Man hat lieber schnell ein grundlegendes Problem passieren lassen, als erstmal das Basis-Setting auszuschlachten. Da wäre meiner Meinung nach nämlich richtig viel möglich gewesen, hinsichtlich des mit Vorurteilen übersäten und in der aktuellen Klima-Situation durchaus negativ behafteten Kreuzfahrt-Themas. Aber vielleicht folgt das ja noch in den zukünftigen Folgen. Ich werde jedenfalls weiterschauen. Für Einzelreviews der Episoden bietet sich das Format denke ich aber eher weniger an, weshalb es vermutlich vorerst bei diesem Beitrag hier bleiben wird.

Bilder: HBO

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